Rheinaue Langel - Worringen
Beweidung und Artenvielfalt sind keine Gegensätze
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Seit Freitag 15. Mai sind 11 Rinder wieder zurück in der Rheinaue, weitere folgen später. Im 2. Jahr soll einiges noch besser laufen wie 2019. Früher wurde die Fläche zum Teil zeitlich versetzt gemäht und der Rest mit Schafen bewirtschaftet. Schafe fressen das Gras restlos ab. Da bleibt nichts stehen, auch kein Vogelnest. Damit die Flächen nicht verbuschen, waren immer einige Ziegen mit dabei.

Im Pflege und Entwicklungsplan aus dem Jahr 2014 kam dann der Vorschlag zur Erhöhung der Artenvielfalt Großvieh zur Landschaftspflege

einzusetzen. In den Niederlanden ist das schon seit den 70er Jahren gängige Praxis. Rinder oder auch Pferde fressen das Gras in unterschiedlichen Längen ab, was eine dauerhaft und regelmäßige Pflege darstellt. Brutnester der Bodenbrüter werden durch das Großvieh nicht so stark gestört oder geschädigt. Das ermöglicht vielen verschiedenen Vögeln einen besseren Lebensraum. Der Star, die Bachstelze, der Flußregenpfeifer und der Kiebitz fühlen sich auf diesen unterschiedlichen kurzrasigen Flächen wohl. Auch die Sträucher werden von Rindern reduziert. Es bleibt so eine offene Wiesenlandschaft. Stellenweise wird der sandige Boden in den Wiesenflächen wieder sichtbar. Hier tummeln sich dann, und in Zukunft hoffentlich noch mehr, Wiesenpieper und andere Bodenbrüter. Aber auch bestimmte Laufkäfer, Heuschrecken und Schmetterlinge nutzen gerne diese beweideten, kurzrasigen Flächen. Die Wiesen werden sich nach und nach mit mehr verschiedenen Pflanzen füllen.


Daher entschloss man sich hier in der Rheinaue bei Worringen für Glanrinder. Mit ihrer langen Zunge reißen sie das Gras ab, was zu einer unterschiedlich hohen Wiese führt. Auch der Dung der Tiere lockt weitere Insekten an. Hundekot ist in den meisten Fällen für Insekten ungenießbar, da er oft Anti Wurmmittel enthält. Die Finanzierung übernahm StraßenNRW über eine Ausgleichsmaßnahme für den Neubau der Leverkusener Brücke. Es erfolgte dann im Mai 2019 noch eine Flächen- und Wegekorrektur, nach dem berechtigten Protest der Worringer Bevölkerung über die Sperrung des Treidelpfades. Durch Verhandlungen des Bürgervereins Worringen mit dem Grünflächenamt der Stadt Köln und StraßenNRW konnte eine schnelle Einigung über die Freigabe des Treidelpfades erreicht werden. Da die wenigen Rinder nur über Sommer auf der Weide sind, muss das Überangebot an Gras im Spätsommer noch abgemäht werden. Die Tiere werden von einem Landwirt betreut und zusätzlich tierärztlich versorgt. Neugeborene Kälber werden innerhalb von 14 Tagen mit Ohrmarken versehen.

Dieses Jahr kommen schattenspendende Zelte hinzu. Die Zaunanlage wurde verstärkt, damit die Tiere nicht wieder ausbrechen. Die Jungbullen werden deshalb getrennt auf einer eigenen Wiese, westlich vom Treidelpfad, gehalten. Wasser gibt es aus einem 6000 l Tank. Der Uferbereich davor bleibt von Rindern frei. Aus versicherungstechnischen Gründen kann der Treidelpfad in Richtung Langel nur durch Drängelgitter zwischen einem mobilen Zaun links und rechts des engen Weges von Fußgängern begangen werden. Der Weg kreuzt  zwischen 2 Drängelgittern im Süden die offene Wiese, damit hier die Rinder auf die andere Seite an den Rhein können. Westlich der Weide an den Waldstücken vorbei, kann der Weg mit Hund und Fahrrad benutzt werden. Eine Überprüfung über diese Beweidung macht die NABU. Zur Sicherheit und Ordnung in der Rheinaue und an der Weideanlage werden -soweit nötig- Wachleute und das Ordnungsamt der Stadt Köln eingesetzt. Beschädigungen und Zerstörungen am Zaun sind eine Gefahr für Mensch und Tier!

                          In  Naturschutzgebieten hat die Natur den Vorrang!

Hier in der Rheinaue -mit und ohne Beweidung- gilt weiterhin: Im Naturschutzgebiet (schon seit 1983) dürfen die Wege nicht verlassen werden und der Hund muss an die kurze Leine. Stille Erholung, ohne Lagerfeuer und Restmüll, sind in der Rheinaue deshalb nicht ausgeschlossen. Es ist verboten zu baden sowie am Ufer mit Booten anzulanden. Nördlich des Naturschutzgebietes kann man immer noch an das Wasser. Infotafeln werden hoffentlich bald aufgestellt und werden dann darauf hinweisen. Der Großteil der Worringer Bevölkerung hat sich scheinbar mit den neuen Gegebenheiten durch die Beweidung im Naturschutzgebiet abgefunden und einige auch mit den Rindern angefreundet. Ein kleiner Teil der Bevölkerung und die Bürgerinitiative "Unser Worringen", die auch den Naturschutz will, muss hier noch eingebunden werden. Dr. Joachim Bauer und Frau Simone Weil von der Stadt Köln, die auch die Rinder am Freitag begrüßten, sprachen über neue Möglichkeiten mit der Bürgerinitiative.

Man hat auch in Köln schon Erfahrungen mit Großvieh-Beweidung in der Wahner Heide wie auch in Delbrück am Hornpott gesammelt. Hier kommen Wasserbüffel, Galloway Rinder und Konikpferde zum Einsatz.


WorringenPur.de/23.05.2020
Bericht und Fotos: Herbert Jansen, Naturschutzwart
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski