Roggendorf/Thenhoven:
Stadt versagt bei Kindertagesstätte!
Trotz Umbau des alten Schulgebäudes Nutzung als Kindertagesstätte seit Jahren nicht möglich

2003 – Schließung des alten Schulgebäudes
Über 16 Jahre ist es her, dass die alte Grundschule, ein denkmalgeschütztes Gebäude, geschlossen wurde. Grundschüler und Lehrerinnen zogen damals in einen Neubau in die Gutnickstraße. Das alte Schulgebäude – eines der ehemals schönsten historischen Gebäude des Stadtteils – stand jedoch anschließend lange Zeit leer, es begann zu verfallen.

2009 – Beschluss zur Umgestaltung in eine KiTa
Sechs Jahre später schien wieder Bewegung in die Angelegenheit zu kommen, so glaubte man zumindest. Die Bezirksvertretung Chorweiler beschloss am 09.06.2009 den Umbau des alten Schulgebäudes in eine moderne fünf-gruppige Kindertagesstätte. Aufgrund des baulichen schlechten Zustandes der beiden bestehenden Kindertagesstätten (Further Str. und Gutnickstr.) sollten diese in dem alten Schulgebäude zusammengelegt werden.


2,2 Mio für Sanierung bereit gestellt
Laut Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 23.06.2009 sollte das alte Gebäude saniert werden, Mittel in Höhe von zunächst 2,2 Millionen Euro wurden hierfür bereitgestellt (vgl. Beschluss des Finanzausschusses vom 29.06.2009). Zu diesem Zeitpunkt gab es zahlreiche Begehungen am Gebäude, die BürgerInnen au Roggendorf/Thenhoven waren optimistisch, dass nun endlich das Herzstück des Ortes in naher Zukunft wieder genutzt werden kann. Leider wieder vergebens. Es folgten erneut Jahre des Stillstandes.

2015 – Umbau und giftige Dämpfe durch Chemikalien
Nach weiteren 6 Jahren Stillstand, also 2015, sollte der Umbau endlich beginnen und doch von einigen längeren Unterbrechungen geprägt sein. Das Gebäude wurde kernsaniert, ein Anbau wurde errichtet und die Außenanlage neu gestaltet. Es entstand eine wirklich schöne Kindertageseinrichtung. Aber auch hier gab es wieder einen Haken mit folgenschweren Auswirkungen. Das zuvor mit weißer Farbe überstrichene Gebäude sollte wieder in seinen Urzustand zurück versetzt werden und die Farbe von dem alten historischen Backsteingemäuer entfernt werden. Optisch ist dies auch gelungen, leider war hierfür wohl aber der Einsatz verschiedenster Chemikalien erforderlich. Diese aufgebrachten Chemikalien sollten planmäßig nach außen entweichen, doch ist dieser Umstand nicht eingetreten. Vielmehr sind giftige Dämpfe in das Gebäudeinnere gelangt und haben so eine Nutzung der Kindertagesstätte bis heute nicht möglich gemacht.

2020 – Weitere Kosten durch zwingend erforderliche Lüftung
Nach einem Plankostenrahmen von insgesamt rund 2.900.000 Euro haben die Roggendorf / Thenhovener nun zwar ihr schönes Gebäude in neuem Glanz zurück, leider steht es aber -nach weiteren 5 Jahren- bis dato noch immer leer (Stand Okt. 2020). Die Stadt Köln entlüftet das Gebäude wegen der giftigen Dämpfe aktuell noch immer. Hierfür ist eine ständige Öffnung der Fenster erforderlich. Da das Gebäude durch diese Maßnahmen leicht zugänglich ist, wurde zusätzlich ein 24-Stunden Sicherheitsdienst engagiert. Infolge dessen wurden im Jahr 2019 weitere Mittel in Höhe von 500.000 Euro bereitgestellt.

Die Bürgerinnen und Bürger von Roggendorf / Thenhoven fragen sich: Wo soll das noch hinführen?
Anfragen zu diesem Thema an die Stadt Köln wurden bislang eher pauschal beantwortet. „Konkrete Nachfragen zu Ausgangswerten, wo befindet man sich jetzt und wo müssen wir für eine Nutzung als Kindertagesstätte hin?“ blieben leider unbeantwortet“, äußerte René Jäger vom Bürgerverein enttäuscht .

Wasserschaden an weiterer Kita – Nutzung ebenfalls nicht mehr möglich!
Die Eröffnung war
für Ostern 2019 geplant. Wie bereits geschildert, war für die neue Einrichtung die Zusammenlegung der Bestandskindertagesstätten „Further Str.“ und „Gutnickstr.“ geplant. Es kam jedoch wie es kommen musste. Das neue Gebäude war nicht rechtzeitig fertig gestellt worden und ein Wasserschaden ereilte inzwischen die Kita Further Straße. Ergebnis: Diese KiTa ist nun auch nicht mehr nutzbar, der Bürgerverein geht derzeit von einem Abriss des Gebäudes aus. Die Kinder wurden auf andere Kitas in anderen Stadtteilen aufgeteilt. Ein unhaltbarer Zustand! Mittlerweile konnten die meisten betroffenen Kinder zwar in der Gutnickstraße untergebracht werden, so beruhigt man die Bürgerinnen und Bürger. Doch handelt es sich auch bei dieser Kita um Übergangs-Baracken aus den 60 er Jahren, längst ebenfalls baufällig.

Die Stadt Köln hat in ihrer letzten Pressemitteilung folgendes Statement zu dem Thema abgegeben:

„Montag, 20. April 2020, 12:48 Uhr

Raumluft im ehemaligen Schulgebäude Berrischstraße weiterhin belastet

Der Abschluss von Sanierung und Erweiterung des ehemaligen Schulgebäudes Berrischstraße in Köln-Roggendorf/Thenhoven und damit eine Nutzung des Standorts als Kindertagesstätte verzögern sich weiter. Nach wie vor werden in dem Altgebäude erhöhte Schadstoffwerte in der Raumluft gemessen, die eine Freigabe der Räume nicht zulassen.

Die alte denkmalgeschützte Ziegelfassade wurde während der Sanierung äußerlich mit einem Produkt behandelt, das die Fassade wasserabweisend macht. Ein Bestandteil dieses Produktes ist jedoch unerwartet in das Gebäudeinnere gelangt. Die vorhandenen flüchtigen Stoffe können nach derzeitigem Kenntnisstand kaum anders als durch natürliche Verteilungsprozesse aus der belasteten Fassade entweichen. Hierfür wurden geeignete Maßnahmen wie eine permanente Belüftung ergriffen. Geschieht dieser Verteilungsprozess allerdings weiterhin in dem Tempo wie bislang, ist davon auszugehen, dass dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Die Stadt Köln wird die Räume erst dann freigeben, wenn die Nutzung unbedenklich ist. Ein belastbarer Zeitpunkt, wann das der Fall sein wird, kann derzeit weder genannt noch seriös geschätzt werden.

Das Hauptgebäude an der Berrischstraße stammt im Ursprung aus dem Jahre 1890. An diesem Standort war bis 2005 eine Grundschule untergebracht. In den sanierten Altbau und im neu errichteten Anbau sollen zwei Kindertagesstätten aufgenommen werden (Kita Gutnickstraße und ehemals Kita Further Straße). Die Kita Further Straße musste aufgrund eines immensen Wasserschadens zwischenzeitlich umziehen. Die Kinder wurden ersatzweise an Standorten in Köln-Esch, Am Scheidweg, und in Köln-Worringen, Alte Neusser Landstraße, untergebracht. Die Generalinstandsetzung des Standortes Further Straße befindet sich derzeit in der Planung.

Die Leitungen der Kindertagesstätten sowie Eltern und Kinder werden auch weiterhin unmittelbar über den aktuellen Stand sowie die weiteren Schritte und Möglichkeiten informiert. Sachverständige sowie das städtische Gesundheitsamt begleiten die Messungen am Standort Berrischstraße eng und kontinuierlich. Eine Inbetriebnahme kann und wird aber erst nach Freigabe der Räume durch das Gesundheitsamt erfolgen.“

Ratlosigkeit bei den Betroffenen!
RT alte Schule
Die Bewohnerinnen und Bewohner, betroffenen Eltern und deren Kinder sind mittlerweile ratlos (siehe Foto). Das eigentlich wunderschöne Außengelände droht wieder zu verfallen! Besondere Brisanz erhält dieses Thema, da es sich bei dem Stadtteil Roggendorf / Thenhoven um einen stark wachsenden Ort handelt.
Seit der Beschlussvorlage aus dem Jahr 2009 sind drei große Neubaugebiete entstanden, ein weiteres großes ist derzeit in der Planung. Hierdurch sind etwa 500 Haushalte hinzugekommen, Kindertagesstätten wurden es aber leider nicht mehr. Natürlich sind die neuen Wohngebiete von jungen Familien geprägt, so dass es unbedingt zu einer Fertigstellung und Eröffnung der Kita kommen muss. „Warum wird nicht wenigstens das Außengelände zur Benutzung freigegeben? Warum wird nicht über Alternativen nachgedacht, zum Beispiel auch auf diesem Grundstück Container aufzustellen oder andere Übergangslösungen zu finden?“, fragt René Jäger vom Bürgerverein.


WorringenPur.de/26.10.2020
Foto: Bürgerverein Roggendorf/Thenhoven
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski