WorringenPur fragt – die OB-Kandidaten antworten

Andreas Kossiski
Köln
Andreas Kossiski und Henriette Reker - die Spitzenkandidaten für die Wahl des Amts der/des Oberbürgermeisterin/Oberbürgermeisters der Stadt Köln haben Anfang August von WorringenPur einen Fragenkatalog erhalten, mit der Bitte diesen bis Ende August beantwortet zurückzusenden. Am Dienstag, 8. September erhielten wir die Antworten aus dem Wahlbüro von Andreas Kossiski zurück.

Anmerkung von Frau Anna Theis (Wahlbüro Kossiski): „Die Fragen wurden alle beantwortet, eine Ausnahme bilden die Fragen nach dem Rat der Stadt. Da Herr Kossiski als OB-Kandidat antritt, können wir hierzu nichts sagen. Die Fragen zur Bezirksvertretung sind netterweise von Mattis Dieterich beantwortet worden.”





Fragen an Herrn Kossiski

1. Fragen zur Person

    (1) Wie erfahren Sie von den Problemen Ihrer Wähler vor Ort bzw. woran erkennt der Wähler, was Sie für ihn bisher bewirkt haben?
    In meiner politischen Laufbahn war eine meiner wichtigsten Überzeugungen, dass es besser ist MIT Menschen zu sprechen als ÜBER sie. Seit meiner Nominierung gehe ich daher in der ganzen Stadt „Auf Streife“ um mit den Bürger*innen vor Ort ins Gespräch zu kommen und zu hören, wo die Probleme sind. Im Kölner Norden bin ich außerdem schon länger aktiv, da hier mein Landtagswahlkreis ist und ich von den Menschen 2012 und 2017 direkt in den Landtag gewählt wurde.

    (2) Über welche Qualifikationen sollte der Chef / die Chefin der Verwaltung einer Großstadt verfügen?
    Besonders wichtig sind mir Verantwortung und klare Kante. Man muss als Chef von über 20.000 Mitarbeiter*innen, dafür sorgen, dass diese ihren Job gerne machen und sich nicht bei jedem Problem gegen die eigenen Mitarbeiter*innen stellen und wegducken. Ich bringe Führungserfahrung aus dem Polizeipräsidium Köln mit und bin bereit entsprechende Verantwortung für die Stadtverwaltung zu übernehmen.

    (3) Welche Qualifikationen sind nach Ihrer Ansicht die drei wichtigsten für den Chef der Verwaltung in Köln?
    - Verantwortung übernehmen
    - Vor und hinter seinen Mitarbeiter*innen stehen
    - Alle Mitarbeiter*innen bei Entscheidungen mitnehmen und fördern

    (4) Welches sind Ihre drei liebsten Freizeitbeschäftigungen?
    - In Köln mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sein
    - Reisen (auch um mit der Familie auf der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben)
    - Lesen

    (5) Was wären Ihre ersten Entscheidungen als OB?
    Ich würde als allererstes eine Mitarbeiter*innen-Versammlung der Stadtverwaltung veranstalten und allen erklären, dass sie nun einen Chef haben, der vor und hinter ihnen steht. Und der gemeinsam mit ihnen die Verwaltungsreform durchführen möchte.

    (6) Warum wollen Sie Oberbürgermeister von Köln werden?
    Weil ich finde, dass der Stillstand beendet werden muss, denn Köln hat unglaublich viel Potential, wenn man endlich Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt.

    (7) Welche Entscheidungen würden Sie als OB gerne alleine treffen, wenn Sie die Macht dazu hätten?
    Wir leben in einer Demokratie, bei der ein Konsens gesucht und darüber abgestimmt wird. Ich finde es gut, dass so Entscheidungen eben nicht von einer Person alleine getroffen werden können. Grundsätzlich möchte ich mich natürlich für die Dinge, die mir besonders wichtig sind, sehr einsetzen. Aber zum Glück haben wir eine starke Demokratie und so werde ich versuchen, die Sachen mit einem hohen Konsens durchzubringen.

    (8) Nennen Sie Beispiele, wo Sie Ihre Prioritäten in Köln setzen werden und was Sie für Ihren Wahlkreis zu leisten bereit sind, dass sich der Wähler des Kölner Nordens aufgefordert fühlen kann, Ihnen seine Stimme zu geben.
    Für die meisten Politiker*innen und Verantwortlichen endet die Stadt am Militärring. Davon betroffen sind Veedel wie Chorweiler und Worringen im Kölner Norden, aber auch Stadtteile im rechtsrheinischen Köln oder im Westen wie zum Beispiel Bocklemünd und Widdersdorf. Für mich gibt es keine Priorität, die Stadt hat 86 Veedel und die muss man alle im Blick haben.

2. Fragen zur Sicherheit

    (1) Was wollen Sie gegen die Clan-Entwicklung in Köln tun und wie wollen Sie eine Ausweitung verhindern?
    (2) Was halten Sie von „Vorbeugender Verbrechensbekämpfung“?
    (3) Wie sehen Sie den Einsatz von Video-Kameras an Brennpunkten – und als rechtsverbindliches Beweismittel?

    Fragen 1-3 werden gemeinsam beantwortet:
    Sicherheit ist für mich als Polizeibeamter ein besonders wichtiges Thema. Ich denke, dass es, egal in welchem Bereich, nur funktioniert, wenn man präventive und repressive Maßnahmen gemeinsam denkt. Dabei ist es absolut unverzichtbar, Polizei und Ordnungsdienst auszubauen, aber auch Streetworker, Sozialarbeiter oder psychosoziale Dienste zu stärken. Ich setze mich außerdem dafür ein, dass jedes Veedel wieder einen Veedelsbeamten bekommt und das Ordnungsamt nicht zentral in Junkersdorf unterkommt, sondern auch vor Ort vertreten ist.

3. Fragen zur Verkehrspolitik und zum ÖPNV

    (1) Wie denken Sie über einen ÖPNV, der attraktiver und billiger ist, als das eigene Auto?
    (2) Wie kann man den ÖPNV in Köln attraktiver gestalten, um die Fahrgastzahlen in einer merkbaren Größenordnung zu erhöhen?
    (3) Warum hat die Idee einer Seilbahntrasse als Verkehrsmittel entlang des Rheins keine größere Lobby?

    Frage 1-3 werden gemeinsam beantwortet:
    Stau, volle Bahnen, unpünktliche Busse, schlechte Radwege. Mit der Verkehrssituation in Köln kann niemand glücklich sein. Wenn mehr Menschen vom Auto auf Bus, Bahn und Rad umsteigen möchten, muss das Angebot dringend besser werden. Aber wie kommen wir da hin? Hier ist eine gute Idee: der Mobilitätsfonds!

    Was ist der Mobilitätsfonds? Der Mobilitätsfonds eröffnet eine neue Möglichkeit für Bauherren: Statt in Eigenregie für die Mobilitätsinfrastruktur und -dienstleistung sorgen zu müssen, die die Anzahl der benötigten Parkplätze reduzieren würden, zahlen sie in einen neuen Geldtopf der Stadt ein, den Mobilitätsfonds. Der Betrag richtet sich danach, was sie an Herstellungskosten für Parkplätze gespart haben.

    Dieses Geld darf nur für bestimmte Ziele genutzt werden:

    - Infrastruktur für Fuß- und Radverkehr
    - Infrastruktur und Dienstleistungen für Bus und Bahn
    - Mietertickets – eine Art JobTicket, nur eben für alle Mieter beispielsweise  einer Genossenschaft
    - Mobilitätshäuser

    Seit Jahren kommen wir im Nahverkehr wortwörtlich kaum voran, seit Jahren wird über Projekte wie zum Beispiel die Ost-West-Achse gestritten, statt die dringend benötigte Verkehrswende voranzutreiben. Die freie Verkehrsmittelwahl, der sogenannte Modal-Split, ist wegen der fehlenden Infrastruktur nur ein Schlagwort. Mehr Fahrgäste kann die KVB kaum noch aufnehmen, denn die Züge sind an der Kapazitätsgrenze angekommen. Damit es endlich besser wird und der Stillstand auch im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beendet wird, müssen wir das Schienennetz der Stadt ausbauen. Das Liniennetz der Zukunft finden Sie auf meiner Homepage. Dabei muss man auch kreative Lösungen wie eine Seilbahnlinie in Betracht ziehen!

    (4) Warum gibt es in Köln nicht mehr fest installierte Blitzer?
    Wir brauchen ein gesamtes Konzept für Verkehrssicherheit in Köln. Als Leiter der Verkehrsinspektion für schwere und tödliche Verkehrsunfälle ist es mir besonders wichtig, dass es ein umfassendes Konzept für Autofahrer, Radfahrer aber auch Fußgänger gibt, damit alles gut geregelt ist. Dabei muss die Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit der Polizei und dem Ordnungsdienst gestärkt werden.

    (5) Welche Ansicht, vielleicht auch realisierbare Ideen,  haben Sie zum Stichwort „Fahrradfreundliches Köln“?
    Fahrradfahren wird immer beliebter. Kein Wunder: Es ist kostengünstig, gesund und gut fürs Klima. Und auch im Berufsverkehr geht es auf dem Drahtesel noch schnell vorwärts. Aber der Spaß am Radfahren nimmt in Köln häufig ein schnelles Ende. Zu oft führt die Fahrt an Orte, an denen Fahrräder einfach nicht mitgedacht wurden. Da geht es dann nicht weiter. Oder man fühlt sich neben dem schnellen Autoverkehr als Freiwild. Damit muss Schluss sein! Ich will Köln zu einer Stadt machen, wo alle Menschen gerne aufs Rad steigen und sich dabei sicher fühlen. Und so will ich das angehen:

    - Mehr Sicherheit
    - Attraktive Verbindungen (Radwegenetz)
    - Mehr Platz für’s Rad
    - Schulwege besonders im Blick halten
    - Mehr Investitionen in den Radverkehr

    (6) Wie kann verhindert werden, dass S-Bahnen hintereinander wegen Zeitmangel mehrere Stationen nicht anfahren (z. B. die S11 Richtung Kölner Norden)?
    Man muss im ständigen Austausch mit den Verantwortlichen sein. Fast jeden Tag im Jahr umfährt die S11 im Durchschnitt die sogenannte „Chorweiler-Schleife“. Es kann nicht sein, dass die Menschen im Kölner Norden auch dort abgehängt werden. Daher suche ich immer wieder das Gespräch mit den Verantwortlichen der DB Regio, um dieses Problem für die Menschen zu lösen.

4. Fragen zur Verwaltung

    (1) Was wollen Sie unternehmen, um die Prozesse in der Verwaltung zu beschleunigen?
    Vor fünf Jahren wurde von der Amtsinhaberin eine Verwaltungsreform angestrebt, die auch von allen politischen Parteien unterstützt wird. Bis jetzt hat sich dort allerdings nichts getan. Wir brauchen eine Verwaltungsreform, die vor allem die Verwaltungsmitarbeiter*innen mit einbezieht, denn diese leisten wichtige Arbeit für die Stadt und sollen mitentscheiden. Daneben brauchen wir eine Digitalisierungsstrategie für die Verwaltung. Detailliertere Infos zur Digitalisierung finden Sie hier: https://kossiski.de/digitalisierung-wirtschaft/

    (2) Welches sind für Sie die derzeit wichtigsten drei Dezernate in der Kölner Stadtverwaltung?
    Ich würde nicht sagen, was die wichtigsten sind; ich glaube eher, dass es ein grundlegendes Problem bei der Aufteilung gibt. Dass die Verkehrsdezernentin auch für die Bauverwaltung zuständig ist, funktioniert nicht – das sind zwei große und wichtige Themen für Köln. Man muss also überlegen, die Dezernate neu zu gestalten.

    (3) Welchen Zopf würden Sie gerne abschneiden, um die Kölner Stadtverwaltung zu modernisieren?
    Ich glaube Umstrukturierung funktioniert besser, als irgendetwas weg zu nehmen. Dazu bitte auch meine Antwort auf Frage 1 beachten.

    (4) Wie würden Sie die Denkprozesse zum neuen Stadtbezirk Kreuzfeld beeinflussen wollen?
    (5) Welche Vision haben Sie zum neuen Stadtbezirk Kreuzfeld?

    Zu Frage 4 und 5: Hier bitte die Antwort weiter unten beachten.

5. Fragen zur Politik im Rat der Stadt Köln

    (1) Welche Bedeutung könnte nach Ihrer Ansicht die AFD in den nächsten Jahren in Köln bekommen?
    (2) Kann nach Ihrer Auffassung die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei bei der Amtsführung und der Entscheidungsfindung eher nutzen, oder halten Sie dies eher für schädlich?
    (3) Neben der Notwendigkeit, die Schulen mit digitalen Hilfsmitteln auszustatten, besteht der dringende Bedarf, flächendeckend schnelles Internet auch den Haushalten anbieten zu können. Wie und wann wollen Sie dies umsetzen?
    (4) Mit welchen Maßnahmen sollen die Kölner Brennpunkte gefördert werden?
    (5) Mit welchen Maßnahmen wollen Sie die ehrenamtlich tätigen Menschen in Köln fördern?

    Siehe Anmerkung im Einleitungstext!

6. Fragen zu den Kölner Bezirksvertretungen

    (1) Viele sehen die Bezirksvertretungen als „Tiger ohne Zähne“, da sie keine Entscheidungsbefugnis haben. Welche Bedeutung hat für Sie die Institution und Funktion der Bezirksvertretungen?
    (2) Sind die Kölner Bezirksvertretungen in Ihren Augen eher zu schwach oder eher zu stark aufgestellt?
    (3) Wollen Sie die Mitsprachemöglichkeiten der Bezirksvertretungen bei Entscheidungen, die den Bezirk betreffen, ausweiten oder beschränken?

    Frage 1-3 werden gemeinsam beantwortet:
    Die Stadtbezirke in Köln sind von den Einwohnerzahlen her so groß, dass sie in anderen Teilen von NRW als Großstadt gelten. Daher finde ich, dass die Bezirksvertretungen viel zu wenig Verantwortung haben, denn die Menschen vor Ort sind die Expert*innen für ihre Veedel. Ich spreche mich ganz klar für eine Stärkung der Bezirksvertretungen aus und wünsche mir, dass diese ein eigenes Budget erhalten, über das sie entscheiden und das sie verteilen können.

7. Fragen zur Umwelt

    (1) Welche Meinung haben Sie zu Fahrverboten aus Umweltgründen?
    Fahrverbote werden Köln nicht weiterbringen. Wir brauchen ein allumfassendes Konzept, nicht einzelne Schnellschüsse, wie eine Pförtnerampel an der Stadtgrenze. Sicherlich muss man sich mit einer autofreien Innenstadt beschäftigen, aber für Handwerker, Lieferanten aber auch Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, um beispielsweise aus dem Kölner Norden zu ihrem Arzt in die Stadt zu fahren, müssen dies noch können.

    (2) Was wollen Sie unternehmen, um die ansässigen Chemieunternehmen für eine nachhaltig umweltfreundliche Firmenpolitik zu gewinnen?
    Man muss mit den Unternehmen im Gespräch sein und auch Anreize setzen, damit diese sich weiterentwickeln. Wir haben ein großes Potential in und um Köln herum und viele große Firmen aber auch mittelständische Unternehmen wollen zur einer nachhaltigen Firmenpolitik wechseln, aber wir müssen diese Unternehmen nicht mit Verboten bestrafen, sondern sie bei ihren Veränderungsprozessen unterstützen.

    (3) Wie sehen Sie die Zukunft der hiesigen Autoindustrie, einerseits unter dem Aspekt der Umwelt und andererseits unter der zunehmenden Arbeitslosigkeit in dieser Branche, die auch die daran gebundenen Zulieferfirmen betrifft?
    Wir müssen Mobilität neu denken und dazu kann vor allem die Autoindustrie beitragen. Die ersten Hybrid-Autos von Ford sind ein guter Ansatz, aber man muss auch an anderen Ideen neben der Elektromobilität arbeiten. Wasserstoff könnte dafür ein Beispiel sein. Wir haben fähiges und sehr gut ausgebildetes Personal in unserer Industrie in Köln, die zusammen etwas bewegen können!

    (4) Wann soll ein flächendeckendes Tank-Netz für Elektrofahrzeuge auch im Kölner Norden effektiv ausgebaut werden?
    Wenn man auf Elektromobilität setzt, muss es auch eine entsprechende Infrastruktur dafür geben. Daher setzte ich mich dafür ein, dass ein entsprechendes Tanknetz in GANZ Köln so schnell wie möglich ausgebaut wird.

    (5) Ist Wasserstoff eine weitere Alternative für den Kölner Verkehr?
    Absolut, denn wir haben einen Chemie-Gürtel um Köln herum, in den jeden Tag Tonnen von Wasserstoff als Abfallprodukt entstehen. Und wie bei Frage drei bereits erwähnt würde ich mich freuen, wenn nach dem Otto-Motor, die nächste Antriebsart aus Köln kommt.

    (6) Wollen Sie und wenn ja, wann wollen Sie Flexibles Carsharing auch für den Kölner Norden einführen, um eine Heimfahrt quasi bis an die Haustür zu ermöglichen?
    Ja! Ich finde es nicht zumutbar, dass die Stadt immer wieder über die Verkehrswende redet und die Carsharing Angebote, Leihräder und E-Scooter nur bis zum Militärring genutzt werden können und dann die Stadt aufhört. Ich werde mich dafür einsetzen, dass diese Angebote schnell auch in ganz Köln möglich werden.

 8. Fragen zur Schulpolitik und den KITAs

    (1) Welche Ideen haben Sie zur Verbesserung der Schul-Neubau-Situation in Köln?
    (2) Was wollen Sie unternehmen, um dem gesetzlichen Anspruch auf einen KiTa-Platz auch in Köln zu gewährleisten?

    Frage 1 und 2 werden gemeinsam beantwortet:
    Für junge Eltern ist die Geburt eines neuen Familienmitgliedes immer mit vielen Sorgen verbunden: Finden wir einen Kitaplatz? Können wir nach der Elternzeit wieder so arbeiten gehen, wie wir uns das gemeinsam vorgenommen haben? Findet das Kind später einen Schulplatz, der seinen Talenten und Interessen entspricht. Ich möchte, dass Eltern sich diese Sorgen nicht mehr machen müssen. Deshalb brauchen wir mehr neue Kitas, die die Kinderbetreuung garantieren - für alle Eltern, die auf einen Betreuungsplatz angewiesen sind. Ich will die Betreuungsgebühren abschaffen, denn wer Beruf und Familie unter einen Hut bringen , darf dafür nicht vom Staat mit ungerechten Gebühren bestraft werden. Ich will endlich mehr Tempo beim Schulbau, denn aktuell fehlen 54 Schulen in Köln - auch das ein trauriges Zeichen für den Stillstand in Köln. Dabei liegt mein Schwerpunkt ganz klar auf der Gesamtschule. Fast 1000 Kinder sind 2020 an dieser Schulform abgelehnt worden, weil es nicht genug Plätze gibt. Das zeigt: Der Bedarf ist riesig. Auch für die Unternehmen in der Region ist eine funktionierende Kinderbetreuung wichtig, damit sie zum Beispiel wissen, wann Arbeitnehmer nach der Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen.

9. Fragen zur Wohnraumpolitik

    (1) Was kann der Chef einer Verwaltung gegen die Spekulation mit Baugrundstücken unternehmen?
    (2) Wie wollen Sie die Entscheidungsprozesse im Bauamt beschleunigen?

    Beantwortung von Frage 1, 2 und 4 gemeinsam:
    In Köln herrscht Stillstand beim Wohnungsbau. Jahr für Jahr scheitert die Stadt Köln unter Henriette Reker beim Bau neuer Wohnungen an ihren selbstgesteckten Zielen. Die Zeche dafür zahlen die Kölner Bürger: Junge Familien, die mehr Platz brauchen, aber keine größere Mietwohnung oder ein erschwingliches Eigenheim finden. Paare, die endlich zusammenziehen möchten, aber keine bezahlbare Wohnung finden. Aber auch die Unternehmen in unserer Region bekommen den Wohnbau-Stillstand als Standortnachteil zu spüren. Die Suche nach jungen Talenten wird den Unternehmen massiv erschwert. Als Oberbürgermeister will ich endlich Bewegung in den Wohnungsbau bringen. Schnellere Bearbeitung von Baugenehmigungen, die Einführung einer digitalen Bauakte und die schnellere Ausweisung von mehr Bauland werden dazu führen, endlich mehr Wohnungen in Köln zu bauen. Außerdem werde ich einen Wohnungsbaufonds in Höhe von 500 Millionen Euro aufsetzen. Mein Ziel sind 10.000 neue Wohnungen pro Jahr - für mehr glückliche Menschen, die endlich in eine neues, bezahlbares Zuhause ziehen können.

    (3) Wie sehen Sie die Nutzung von privatem Wohnraum als Feriendomizil?
    Die Mieten in Köln steigen immer weiter. Ich will neue Wohnungen bauen – ich will aber auch, dass der bestehende Wohnraum für seinen eigentlichen Zweck genutzt wird: für das dauerhafte Wohnen. Leider ist das nicht immer so. Unsere Stadt ist ein beliebtes Touristenziel und wird es nach der Corona-Krise sicherlich auch wieder werden. Findige Vermieter nutzen das aus, um herkömmliche Wohnungen nur noch an Touristen zu vermieten. Damit verdienen sie mehr – die Wohnungen jedoch fehlen den Kölnerinnen und Kölnern, die dringend ein Zuhause suchen. So wird das Wohnen in unserer Stadt noch teurer. Das will ich als Oberbürgermeister ändern.

    (4) Welche Maßnahmen können dabei helfen, in Köln und Umgebung bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?
    Siehe Antwort zu 1,2 und 4

    (5) Wie stehen Sie zu den Planungen des neuen Kölner Stadtteils Kreuzfeld?
    Wenn ein neuer Stadtteil entsteht, müssen meiner Meinung nach zwei Dinge passieren: die Anwohner*innen rund herum müssen angehört und mit einbezogen werden und der Stadtteil muss mit kompletter Infrastruktur gedacht werden. Das heißt, dass wir für Kreuzfeld Schulen und Kitas mitdenken wollen, wir brauchen einen Gesundheitscampus, eine gute Verkehrsinfrastruktur, sprich Anbindung an Autobahn und Fahrradwege zwischen den Veedeln sowie eine gute ÖPNV Anbindung. Nur dann kann der Bau des neuen Stadtteil funktionieren.

10. Fragen zur Kultur

    (1) Wie denken Sie als Andreas Kossiski heute über die Museumslandschaft in Köln?
    (2) Was halten Sie von den heutigen kulturellen Angeboten in Köln?
    (3) Den Kölner Dom kennt jeder… Sind die 12 romanischen Kirchen in Köln neben dem Kölner Dom in der touristischen Öffentlichkeit richtig positioniert?
    St. Andreas, St. Aposteln, St. Cäcilia, St. Georg, St. Gereon, St. Kunibert, St. Maria im Kapitol, St. Maria Lyskirchen, Groß St. Martin, St. Pantaleon, St. Severin, St. Ursula

    Beantwortung von Frage 1-3 gemeinsam:
    Kunst und Kultur hat, genau wie der Sport, eine besondere Bedeutung für mich. Es ist der „Kit der Gesellschaft“. Daher freue ich mich, über die breite Museumslandschaft und werde mich für einen Ausbau der kostenfreien Besuche einsetzen. Man muss außerdem auch neue Ideen fördern, wie zum Beispiel Medienkunst, crossmediale Ansätze und innovative Kunstformen.
    Wir werden unsere Stadt mit mehr Kunst im öffentlichen Raum bereichern. Deshalb werden wir Freispray-Flächen an öffentlichen Gebäuden einrichten und in Zusammenarbeit mit Streetart- und Graffitikünstler*innen das Bild unserer Stadt bunter gestalten. Und wir brauchen Visionen und klare Zielvorstellungen in unserer Kulturpolitik. Das heißt: Kulturräume erhalten und ausbauen, Kultur für alle öffnen und kulturelle Angebote in allen Veedeln.

11. Fragen zum Kölner Norden

    (1) Wie stehen Sie zu dem nächtlichen Fluglärm im Kölner Norden? Welche Möglichkeiten haben Sie, diesen einzugrenzen?
    Der Flughafen Köln/Bonn hat eine hohe Bedeutung für das Rheinland. Insbesondere der Frachtflugverkehr ist wichtig für unsere gesamte Region, weshalb ich mich für dessen Sicherung einsetze. Gleichzeitig unterstütze ich die Bemühungen nach einem stärkeren Lärmschutz. Über die Beteiligung der Stadt Köln am Flughafen Köln/Bonn möchte ich den Fluglärm vor allem in der Nacht, durch den Einsatz lärmarmer Flugzeuge bei Einhaltung der entsprechenden Flugrouten, verringern.

    (2) Was werden Sie unternehmen, um die nördlichen Kölner Vororte besser mit der Kölner City zu verbinden?

    Fragen 2 und 7 werden gemeinsam beantwortet:
    Die Infrastruktur im Kölner Norden ist in vielen Bereichen völlig unzureichend. Für mich endet die Stadt nicht am Militärring – Ich habe die gesamte Stadt im Blick! Als Oberbürgermeister möchte ich die Verkehrsanbindung des Kölner Nordens durch neue Bus- und Bahnlinien und eine bessere Taktung deutlich verbessern. Zeitgleich werde ich mich für eine Ausweitung von Carsharing und Leihrädern auf das gesamte Stadtgebiet einsetzen. Bus- und Bahnverbindungen müssen gebaut sein, bevor neue Wohngebiete entstehen. Das muss insbesondere beim neu geplanten Stadtteil Kreuzfeld im Vordergrund stehen.
    Mir ist außerdem wichtig, dass die Infrastruktur in den einzelnen Veedeln deutlich verbessert wird. Einkäufe und Arztbesuche müssen veedelsnah möglich sein. Deswegen werde ich mich für einen Ausbau des Einzelhandels und eine bessere Gesundheitsversorgung im Kölner Norden einsetzen.

    (3) Da dieser Sommer und auch die kommenden immer heißer werden, gibt es Wasserversorgungspläne für die Bäume in Köln. Ist der Kölner Norden da mit eingebunden?
    Ich habe dieses Jahr beobachtet, wie es gehen kann: in Sülz gab es einen Bürger, der in Kooperation mit einem Caffee, Plätze rund um Bäume an einer Straße bepflanzt und betreut hat. Ich freue mich sehr über dieses bürgerliche Engagement und finde es klasse, dass sich die Menschen in dieser Stadt um ihr Grün kümmern. Grundsätzlich müssen bei der Wasserversorgung allerdings alle Veedel in ganz Köln mitgedacht werden, das ist wichtig und richtig!

    (4) Wie stehen Sie zu den Plänen zum Hochwasserschutzkonzept im Kölner Norden?

    Fragen 4-6 werden gemeinsam beantwortet:
    Ich weiß, dass der Retentionsraum vor allem für Worringen ein sehr emotionales Thema ist. Grundsätzlich hat dieser natürlich seine Berechtigung, denn genauso wie ich immer sage, dass die Stadt nicht am Militärring endet, gilt das auch im umgekehrten Fall. Allerdings muss man prüfen, ob es unbedingt die „große“ Lösung sein muss. Da stehe ich aber im Austausch mit der SPD in Chorweiler und Worringen, die diese Lösung ganz klar ablehnen.

    (5) In welcher Hinsicht werden Sie die Planungen und das aktuelle Verfahren zum Bau des Retentionsraums Worringer Bruch vorantreiben?
    (6) Welchen Stellenwert hat für Sie das Hochwasser-Schutzkonzept für das Kölner Stadtgebiet und die Rheinschiene?
    (7) Was werden Sie unternehmen, um die Infrastruktur im Kölner Norden entscheidend zu verbessern?
    Antwort, siehe Frage 2

    (8) Wann wird ein Radweg zwischen Roggendorf/Thenhoven und Blumenberg bzw. Volkhoven/Weiler verwirklicht?
    Der Radweg am Blumenbergsweg ist gerade angesichts des Baus von Kreuzfeld ein wichtiger Baustein für eine gute Infrastruktur des neuen Stadtteils. Ich setze mich bereits seit langem für einen Radweg am Blumenbergsweg ein und werde als Oberbürgermeister die Gespräche mit den entsprechenden Stellen weiterführen, damit zeitnah mit einer Verwirklichung gerechnet werden kann.

    (9) Wann ist mit dem Baubeginn der Schule in Roggendorf/Thenhoven zu rechnen?

    Fragen 9 und 10 werden gemeinsam beantwortet:
    Köln hat einen großen Bedarf an neuen Schulen. In den nächsten 10 Jahren müssen mindestens 50 neue Schulen gebaut werden, um den großen Bedarf zu decken. Ich werde mich als Oberbürgermeister für deutlich mehr Tempo beim Schulbau einsetzen. Gerade im Kölner Norden haben wir viel zu wenig Kita- und Schulplätze. Deshalb werde ich mich für den zeitnahen Bau von weiteren Schulen und Kitas einsetzen.

    (10) Wie und wann wird das Gelände der alten Hauptschule in Worringen zukünftig bebaut werden? Seit Jahren sind dort nur Dreharbeiten zur Fernsehserie „Der Lehrer“ zu beobachten.
    (11) Wann wird die „Alte Straße“ in Worringen saniert und in welcher Form? Ist in diesem Zusammenhang ein neuer Radweg geplant?
    Die Sanierung der „Alte Straße“ in Worringen wird derzeit in den kommunalen Gremien beraten. Dementsprechend kann ich keine Aussage zu den konkreten Plänen treffen.

    (12) Mit welchen Maßnahmen werden Sie die Situation in und um den Bahnhof Worringen so verändern, dass er den allgemein üblichen und von den Nutzern geforderten Standards entspricht?
    Der aktuelle Zustand des Worringer Bahnhofs ist nicht tragbar. Ich setze mich für einen sauberen, belichteten, barrierefreien und sicheren Bahnhof ein. Dazu werden ich gemeinsam im Dialog mit der Bezirksvertretung Chorweiler, der Stadtverwaltung, KVB, Bahn, Polizei und den Wohnungsunternehmen an einer Lösung arbeiten.

    (13) Über die extrem eingeschränkte Nutzung der Rheinaue zwischen Langel/Worringen über den Kopf der Bürger hinweg, sind viele entrüstet. Auch der vom Bürgerverein ausgehandelte Kompromiss missfällt. Z. B. können Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen, aber auch korpulente Bürger den Treidelpfad entlang des Rheins wegen der Eingrenzung nicht mehr begehen, auch Teile des Rheinufers sind gesperrt. Besteht im Nachhinein die Möglichkeit von Veränderungen?

    Gerade bei großen Projekten, wie die Einzäunung der Rheinauen in Langel und Worringen, müssen die Menschen stärker eingebunden werden. Ich habe mich in den vergangenen Wochen bereits mit vielen Worringern zu dieser Thematik ausgetauscht und möchte mich im Dialog als Oberbürgermeister für einen guten Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Anwohner*innen und Naherholungssuchenden und dem Schutz dieser ganz besonderen Flora und Fauna einsetzen.

    (14) Die Bürger umliegender Stadtteile im Kölner Norden sind sehr enttäuscht darüber, dass das ehemalige Jugend- und Kulturzentrum in Worringen seit 2012 nur noch für Kinder und Jugendliche zugänglich ist. Über Jahrzehnte wurde der Krebelshof von Radfahrern nach einer Tour sowie Eltern und Großeltern mit Kindern und sogar als Grillplatz für Schulklassen als gemeinsamer Treffpunkt der Generationen genutzt; Nachbarn trafen sich, Freundschaften wurden geschlossen. 2017 wurde die Reaktivierung des Hofgartens im Krebelshof sogar auf Platz 1 von über 600 Vorschlägen für den Bürgerhaushalt gewählt und von der Stadt doch nicht umgesetzt. Der Wille der Bürger ist klar, wird aber ignoriert. Möchten Sie und wie könnten Sie die zuständigen Hebel in Bewegung setzen, um die zusätzliche Nutzung als generationenübergreifenden Treffpunkt mit Spielplatz, Cafeteria und kleiner Pizzeria im Grünbereich für die Öffentlichkeit wieder zu ermöglichen bzw. voranzutreiben?

    Ich stehe für eine Stadt mit lebenswerten Veedeln, in denen sich die Menschen an vielen Orten zum Austausch treffen können. Deshalb setze ich mich für den Ausbau von Orten wie der ehemalige Hofgarten im Krebelshof ein.

    (15) Sind weitere feststehende Wohnunterkünfte für Flüchtlinge wie in Roggendorf/Thenhoven und Fühlingen geplant und wenn ja, wo?

    Fragen 15 und 16 werden gemeinsam beantwortet:
    Der Bau von weiteren Wohnunterkünften und die Belegung der aktuellen Wohnunterkünfte für geflüchtete Menschen hängt von der weiteren Entwicklung in den kommenden Jahren ab.

    (16) Sollte der Flüchtlingsstrom in den folgenden Jahren nachlassen, wie werden die Wohnunterkünfte dann genutzt?
    Siehe Antwort auf Frage 15

    (17) Der Neubau der „Leverkusener Brücke“ macht erneut große Probleme… Welche Unterstützung können die Bürger in Merkenich als direkt Betroffene von Ihnen erwarten, wenn sich die Fertigstellung des Bauwerks derart lange nach hinten verschiebt?
    Auch wenn der Bau der Leverkusener Brücke ein landespolitisches Thema ist, hat der Kölner Oberbürgermeister eine Verantwortung für die Begleitung des Großprojektes. Als Oberbürgermeister werde ich im ständigen Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohnern mich dafür einsetzen, dass die Menschen vor Ort stärker in die Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Brückenbau informiert und eingebunden werden.

Die Redaktion WorringenPur dankt für die Beantwortung der Fragen.


WorringenPur.de/09.09.2020
Zusammenstellung der Fragen: Hans-Bernd Nolden & Heike Matschkowski
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski