Keine Hoffnung mehr für Notfallpraxis Köln-Nord
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Kölner Norden
Die Schließung der Notfallpraxis in Köln-Chorweiler war schon lange im Gespräch, aber immer wieder ging dieses Thema etwas unter, wahrscheinlich auch, weil es ein unangenehmes Thema war und je weniger der Bürger vom Ernst der Lage mitbekommt, um so besser ist es für die Beteiligten, die diese Schließung zu verantworten haben. So dürfte es doch für viele Bürger des Kölner Nordens überraschend kommen, dass bereits am 31.12.2019 die Praxis geschlossen wird.

Dieter Höhnen vom Bürgerverein Heimersdorf und Seeberg-Süd hat zu diesem Thema bereits im Januar 2019 die Bürgervereine und Dorfgemeinschaften des Kölner Nordens mobilisieren können und mit viel -wenn auch unterschiedlichem- Engagement zogen diese dann auch im Interesse der Bürger an einem Strang. Noch im April 2019 hatten die Bürgervereine und Dorfgemeinschaften eine gemeinschaftliche Erklärung abgegeben, in der u. a. der dauerhafte Erhalt gefordert wurde. Die Landesregierung wurde aufgefordert, „…alle Mandatsträger des Landes und der Stadt Köln, in ihren Entscheidungsprozessen unser Anliegen zu unterstützen sowie in Gesprächen und Verhandlungen mit der KVNO dafür Sorge zu tragen, dass die Bürgerinnen und Bürger in unserem Stadtbezirk Köln-Chorweiler keine weiteren Beeinträchtigungen und Benachteiligungen in der Gesundheitsfürsorge erleiden müssen. Soweit es als zwingend erscheint, die Anzahl der Notfallpraxen (Portalpraxen) anzupassen, sind derartige Entscheidungsprozesse dort abzuklären und ggfs. dorthin zu verlagern, wo lokal in einer relativ günstigen Mehrfacherreichbarkeit Entscheidungen nicht zu Versorgungseinbrüchen führen können.“

Trotz aller Bemühungen, das Ministerium, die lokale Politik oder auch die Ärztekammer auf die Seite der Bürgerinteressen zu ziehen, haben sich die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung durchgesetzt und so wurde am 18.11.2019 ein Beschluss gefasst, der weitreichende Wirkungen nach sich zieht. Diese Schließung betrifft ja nicht nur den Kölner Norden selbst. Auf der anderen Rheinseite wird die Praxis Mülheim ebenfalls geschlossen und der gesamte Norden Kölns, auf beiden Rheinseiten, muss nun auf Kliniken ausweichen, die weit entfernt und für ältere Menschen und Behinderte nur schwer erreichbar liegen.
In diesen Kliniken wird dann die Lage aufgrund des Zustroms aus dem Kölner Norden noch mehr verschärft, denn es dürfte keine Klinik bekannt sein, in der man in der Notaufnahme Langeweile schob und auf die „Kundschaft“ anderer Stadtteile wartete. In den Stadtbezirken 5 und 6 betrifft dies alleine 200.000 Kölner Bürger. So schrieb Dieter Höhnen im Auftrag aller Bürgervereine und Dorfgemeinschaften noch am 12. November an die lokale Politik: „Es ist nicht hinnehmbar, dass die Hinweise auf die Alleinstellungsmerkmale unserer Notfallpraxis unbeachtet bleiben. Es ist nicht hinnehmbar, wenn die zeitliche Erreichbarkeitsvorgabe zu einer Notfallpraxis von 30 Minuten in unserem Stadtbezirk schon entweder an den Haltestellen des ÖPNV vergeudet wird oder in Stoßzeiten nicht einmal für Rettungsfahrzeuge bei An- und Zufahrt einhaltbar ist. Es ist nicht hinnehmbar, wenn Wegeplanungen per Luftlinien erfolgen oder vor allem auch wenn Entscheider keine Ahnung von den Strukturen unseres Bezirks vorweisen können und dies in ihrer Mehrheit auch noch durch Respektlosigkeit gegenüber unseren Mandatsträger-/innen dokumentieren.“

Unverständlich für Dieter Höhnen sind auch einige jüngste Presse-Veröffentlichungen, in der die Politik, vornehmlich der zuständige Minister Laumann, als Unterstützer der Notfallpraxis-Befürworter gepriesen wurden. „Das ist Blödsinn, eine Falschmeldung 1. Grades, kommentierte Höhnen einen Beitrag in der lokalen Presse. „Wahr ist, dass sich Minister Laumann persönlich eingeschaltet hat und die KV praktisch angewiesen hat, dass es nicht mehr akzeptabel sein darf, dass es noch NFP`s gibt, die nicht an ein Krankenhaus angeschlossen sind!“
Das war aus Höhnen`s Sicht letztendlich das Todesurteil zu Lasten und gegen den Erhalt der Notfallpraxis Chorweiler. Dass Dieter Höhnen und seine Mitstreiter, die über einen langen Zeitraum sehr zeitintensiv um den Erhalt der NFP gekämpft haben, auch auf Teile der Politik nicht gut zu sprechen sind, ist bei dieser Sachlage nachvollziehbar.

Nachdem nun das endgültige Aus der Notfallpraxis beschlossen wurde, gibt sich Dieter Höhnen noch vorsichtig optimistisch, dass sich künftig die Möglichkeit eines „Medizinischen Versorgungszentrums“ in Chorweiler bieten könnte. Zwei Träger kämen aktuell nach seiner Ansicht hierfür in Frage und die „Stiftung der Cellitinnen der hl. Maria“, die bereits viele Krankenhäuser/Einrichtungen betreibt, zeigten hier Gesprächsbereitschaft. Hierüber wird aber noch viel gesprochen werden, bis Entscheidungen fallen und die Bürger des Kölner Nordens werden vorerst auf die Notrufnummer 116 117 vertröstet, sowie auf die Portalpraxen der umliegenden Krankenhäuser.

Inwieweit das künftig die Anliegen der Bürger im Krankheitsfalle wirklich befriedigt, bleibt abzuwarten und man kann nur hoffen, dass dieses Ausbluten der ärztlichen Versorgung keine negativen gesundheitlichen „Nach-/Nebenwirkungen“ hat. Dieter Höhnen hat die Mitglieder seines Bürgervereins gebeten, über ihre künftigen Erfahrungen mit der medizinischen Notversorgung zu berichten, damit Fakten gesammelt werden können, die im März, beim nächsten Treffen aller Bürgervereine, resümiert werden sollen. Dies sollten alle betroffenen Bürger aus allen Vororten des Kölner Nordens tun und ihre Erfahrungen den jeweiligen Bürgervereinen mitteilen.

WorringenPur wird über dieses Thema weiterhin berichten, sobald es neue Informationen hierzu gibt.


WorringenPur.de/09.12.2019
Bericht: Jakob Mildenberg
mit Unterstützung von Dieter Höhnen (BV Heimersdorf/Seeberg-Süd)
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski