Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln-Nord informiert
Podiumsdiskussion mit der Politik und Treffen mit OB Reker terminiert
(Nachtrag zum Bericht vom 17.02.2020)

Kölner Norden
Wie beim letzten Treffen der Lärmschutzgemeinschaft Köln-Nord angekündigt, findet am 28. März 2020 (14.00 bis 15.30 Uhr) eine weitere Infoveranstaltung in Form einer Podiumsdiskussion zum Thema „Nachtfluglärm“ statt. Tagungsort ist die Spielewerkstatt der Clouthwerke am Luftschiff-Platz 5 in Köln-Nippes. Aus der Kommunalpolitik haben bisher Vertreter der Grünen, der Linken und der FDP zugesagt. Auch die Flughafengesellschaft Köln-Bonn wird mit einem Abteilungsleiter der Podiumsdiskussion beiwohnen. Eine weitere Veranstaltung findet am 16. Mai 2020 unter der Beteiligung von der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker statt.

Zum WP-Bericht vom 17.02.2020 über die Februar-Veranstaltung der „LSG Köln-Nord“ gibt es zwei Korrekturen nachzutragen, da die Aktualität dies der Ordnung halber erfordert:

  1. Das in diesem Beitrag erwähnte Transportunternehmen „TNT“ ist mittlerweile nicht mehr auf dem Kölner Flughafen präsent und somit auch nicht mehr an Nachtflügen beteiligt.
  2. Was die angesprochenen Gespräche mit Kölner Oberbürgermeistern betrifft, da gab es mittlerweile Bewegung, wie die Nippeser Stellv. Bezirksbürgermeisterin Regina Bechberger mitteilte. Nach einen Stadtgespräch mit Henriette Reker, in dem auch das Thema Fluglärm diskutiert wurde, wurde in einen Mailverkehr mit der Oberbürgermeisterin vereinbart, dass diese an der Veranstaltung am 16. Mai 2020 teilnehmen wird.

Sobald die Einzelheiten zum Termin am 16. Mai bekannt sind, wird WP hierüber informieren.

Wer mehr zum Thema Nachtflüge und die Lärmschutzgemeinschaft wissen möchte, informiere sich gerne über die nachfolgenden Webseiten:

Deutscher Fluglärmdienst -wir machen Lärm sichtbar-  (www.dfld.de)
LSG Flughafen Köln-Bonn e.V. - (www.fluglaerm-koeln-bonn.de)
LSG Flughafen Köln-Bonn e.V. – Ortsgruppe Nord -  (www. fluglaerm-koeln-nord.de)


WorringenPur.de/26.02.2020
Bericht: Jakob Mildenberg
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski


 

Das Ohr schläft nie!
Die LSG Köln-Nord fordert Stopp des Nachtfluglärms
Fotogalerie!

Kölner Norden
Der Ortsverband Köln-Nord, der „Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln-Bonn e.V.“ hatte in das Bürgerzentrum Nippes zur Infoveranstaltung geladen und es kamen mehr als der gemietete Raum Sitzplätze hatte und viele Zuhörer der zweistündigen Infoveranstaltung stehend beiwohnen mussten. Bis auf Roggendorf und Worringen waren auch alle Bürgervereine des Nordens vertreten.

Regina Bechberger, parteilose stellvertretende Bezirksbürgermeisterin von Nippes hatte die Veranstaltung organisiert und Henning Fischer als Moderator geladen, sowie von der „LSG Köln-Bonn“ den Vorsitzenden, Albert Müller und LSG-Beisitzer Helmut Schumacher, der auch Leiter der Ortsgruppe Hennef ist. Aus der Politik war der Nippeser Grünen-Vertreter, Arndt Klocke (MdL) anwesend. Müller und Schumacher trugen die aktuellsten Daten und Zahlen mit Unterstützung ihrer Präsentationen in zahlreichen Infotafeln vor und das was hier präsentiert wurde, regte doch zu lebhaften Diskussionen an. Besonders neuen Mitgliedern und anwesenden Gästen, entlockten die dargelegten Zahlen und Fakten oft ein Kopfschütteln.


Es wurde festgestellt, dass die Lärmbelästigungen in den Nachtstunden zwischen 23.00 Uhr und 06.00 Uhr nicht nur unerträglich sind, sondern, ungeachtet aller möglichen und bekannten Schädigungen der Gesundheit der Bürger im Kölner Norden, die Nachtflüge weiterhin ständig zunehmen. Waren es 1988 noch rund 20.000 Nachtflüge, so waren es 2018 bereits 44.555 Nachtflüge, mit zunehmender Tendenz. Problematisch wird es für den Kölner Norden immer dann, wenn der Wind aus südlichen Richtungen kommt, weil die Maschinen dann gegen den Wind landen; also aus Richtung Norden/Nordwesten einfliegen. Dann kommen die Flugzeuge aus Richtung Pulheim im Bogen über Esch, Roggendorf, Worringen, Chorweiler, Fühlingen, um dann über Niehl in den geraden Landeanflug überzugehen.

In Esch, wo die Flughöhe noch bei ca. 1.100 m liegt, wurden bereits bis zu 80 Dezibel gemessen. In Worringen liegt die Flughöhe dann bei 1.035 m und in Niehl bei nur 915 m. So kommt es, dass von Niehl bei rund 10.000 Nachtflügen im Jahr 2019 bei rund 8.000 Flügen Werte von 65 Dezibel bis zu 80 Dezibel gemessen wurden. Zählt man die Bezirke Nippes (113.000) und Chorweiler (84.000) zusammen, so sind von diesen akuten nächtlichen Lärmbelästigungen rund 200.000 Einwohner betroffen. Am 09. Januar wurden über Köln z.B. bei 360 Flugbewegungen 124 Nachtflüge registriert. Insgesamt sind hier 400.000 Bürger direkt betroffen.

Wenn man von Dezibel (dB/A) spricht, sollte man zum Verständnis wissen, dass sich die Lautstärke nach jeweils 3 Dezibel verdoppelt und bei einer Stärke von 42 Dezibel der Wert erreicht wird, bei dem der Mensch geweckt wird.

Die Anwesenden beklagten aber nicht nur die Nachtflüge der Transport-/Cargo-Maschinen von UPS, DHL, TNT und Co., sondern auch den mittlerweile mit rund 40%-Anteil der Flüge mit Passagiermaschinen. Alles was in Düsseldorf und Frankfurt zu spät kommt, wird nach Köln umgeleitet, weil es hier eine Landeerlaubnis rund um die Uhr gibt. In Düsseldorf und Frankfurt darf nur mit Sondergenehmigung nachts gelandet/gestartet werden. Andere Städte können ruhig schlafen und der Kölner muss darunter leiden, dass deren Politiker cleverer waren, so verstanden es die Anwesenden jedenfalls. Die Nachtflüge haben auch nichts damit zu tun, dass die Kapazitäten in Köln-Bonn erschöpft wären. Dies ist nicht der Fall, denn eine Verlegung aller Nachtflüge auf den Vormittag wäre möglich, wenn man das wollte. Dass das nicht gemacht wird, ist lediglich den wirtschaftlichen Interessen der Transportunternehmer, vornehmlich hier UPS, geschuldet. UPS hat in Köln sein Drehkreuz für ganz Europa in Richtung USA und fast 98% der Waren werden hier in Köln nicht wirklich gebraucht, sondern lediglich nur umgeladen und dann in die Welt weiter verteilt.

Bei allen Diskussionen zu diesem Thema, tauchte die Frage auf; wer ist dafür verantwortlich, wer kann es verhindern und was können die Bürger dagegen unternehmen. Hierzu muss man erst einmal wissen, wem der Flughafen gehört: Der größte Anteilseigner der Flughafen GmbH ist die Stadt Köln mit 31,12 %, gefolgt von Land und Bund mit jeweils 30,94 %. Die Stadt Köln hat generell -aus wirtschaftlichen Gründen- kein Interesse an einer Änderung der Situation. Hier werden immer wieder der „Wirtschaftstandort Köln“ und natürlich die vielen Arbeitsplätze ins Spiel gebracht. Auch ein Oberbürgermeister der Stadt Köln, der selbst im Aufsichtsrat der Flughafen GmbH sitzt, wird sich hüten, sich ernsthaft für ein Nachtflugverbot auszusprechen.

„Die Stadt Köln macht praktisch nichts und es hat noch nie einen Termin der LSG mit einem Oberbürgermeister gegeben“, so die LSG Vertreter.

Die NRW-Regierung unter Rüttgers (CDU) hat seinerzeit vorzeitig das Nachflugverbot von 2015 bis in das Jahr 2030 weiter verlängert und Friedrich Merz (CDU), strebt in seiner Funktion als Chef des Aufsichtsrates der Flughafen GmbH, bereits jetzt eine weitere Verlängerung über 2030 hinaus an.


Die Rot-Grünen Landesregierungen vor und nach Rüttgers haben dann zwar jeweils einen Vorstoß gewagt, das Nachtflugverbot durchzusetzen, aber da dann die letzte Entscheidung hierzu das Bundesverkehrsministerium trifft, waren diese Vorstöße auch für die Katz, denn Minister Ramsauer (CSU) und die weiteren CSU-Minister haben der Einstellung der Nachtflüge nicht zugestimmt. Was stört auch bayerische Verkehrsminister die Nachtruhe der Kölner Bürger?

So wollen die Verantwortlichen der Lärmschutzgemeinschaften sich in Kürze erneut treffen und hierzu auch die lokale Politik, inklusive der Oberbürgermeisterkandidaten, sowie Flughafenvertreter einladen. Hier soll allen Verantwortlichen klar gemacht, werden, dass es nicht nur darum geht, dass man nachts vom Fluglärm geweckt wird oder -wer gut schläft- auch nicht, sondern vor allem geht es um die wissenschaftlich und medizinisch nachgewiesenen Gesundheitsschädigungen, die durch den Fluglärm entstehen. Es ist bewiesen, dass im Umfeld von Flughäfen die Häufigkeit von Herz-/Kreislauferkrankungen, Schlaganfällen, Herzinfarkten und Bluthochdruck wesentlich höher liegen als in anderen Regionen. Auch die Höhe der Medikamenteneinnahme ist im Umfeld von Flughäfen wesentlich höher.

Dies muss allen Verantwortlichen klar werden, denn der Slogan „Das Ohr schläft nie!“ hat einen ernsten Hintergrund. Auch Menschen, die nachts scheinbar durchschlafen und sich nicht direkt gestört fühlen, werden durch den Lärm geschädigt, weil das Ohr, das Gehirn und in der Folge der Kreislauf diese Störungen aufnehmen.

Die große Frage, die man unseren Politikern nicht oft genug um die Ohren schlagen muss, lautet: „Warum wird der Fluglärm in Deutschland vom Gesetzgeber nicht nach den gleichen Maßstäben behandelt, die auch für anderen Lärm gelten, wie er im „BImSchuG“ (Bundesimmissionsschutzgesetz) geregelt ist?“ „Sollte es noch einen Funken an Wertschätzung unserer Politiker an den betroffenen Bürgern geben, bliebe ihnen keine andere Wahl, als sich im Interesse der Bürger für diese auch einzusetzen, von denen sie gewählt werden wollen.“ „Wir werden nur solchen Parteien und Bürgermeisterkandidaten unsere Stimme geben, die sich nachweislich und konsequent für eine signifikante Reduzierung des nächtlichen Flugverkehrs und des Fluglärms insgesamt über dem Kölner Stadtgebiet einsetzen!“.

Mit diesen Worten endete eine interessante und informative Veranstaltung der LSG Köln-Nord, die auch mehr Teilnehmer aus den nördlichsten Stadtteilen wie Roggendorf/Worringen verdient gehabt hätte. In Kürze wird es zur nächsten Veranstaltung weitere Infos bei WorringenPur zu diesem Thema geben.

Wer sich zum Thema Nachtfluglärm informieren möchte, dem seien folgen Webseiten zur Info empfohlen:

Deutscher Fluglärmdienst -wir machen Lärm sichtbar-  (www.dfld.de)
LSG Flughafen Köln-Bonn e.V. - (www.fluglaerm-koeln-bonn.de)
LSG Flughafen Köln-Bonn e.V. – Ortsgruppe Nord -  (www. fluglaerm-koeln-nord.de)

oder auch die nächste Podiumsdiskussion am Samstag, 28.03.2020, 14:00 bis 15:30 Uhr in den Räumlichkeiten der Spielewerkstatt in den Clouthwerken, Luftschiff- Platz 5, 50733 Köln: „VERBESSERUNG DES GESUNDHEITSSCHUTZES IN DER EINFLUGSCHNEISE IM KÖLNER NORDEN“

Wir wollen Kommunalpolitiker befragen, was sie in unserem Sinne unternehmen und diskutieren, durch welche weiteren Maßnahmen die Situation nachhaltig verbessert werden kann. Eingeladen sind alle interessierten Bürger, Politiker demokratischer Parteien sowie Medienvertreter und Presse.


WorringenPur.de/17.02.2020
Bericht und Fotos: Jakob Mildenberg
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski