Köln-Kreuzfeld - Ein neuer Stadtteil für Köln:
Oberbürgermeisterin Reker nahm an öffentlichem Forum teil
Kommentar der Redaktion WorringenPur
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Chorweiler
Mit Köln-Kreuzfeld soll im linksrheinischen Kölner Norden im Stadtbezirk Chorweiler ein neuer Stadtteil entstehen. Auf einer Fläche von rund 47 Hektar können etwa 2.200 bis 3.000 Wohneinheiten und neue Arbeitsplätze realisiert sowie ein zukunftsfähiges Angebot an sozialer und technischer Infrastruktur, an Freiräumen und modernen Mobilitätsangeboten entwickelt werden.
Um die Öffentlichkeit möglichst frühzeitig in den Planungsprozess einzubinden und den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit zu geben, sich aktiv zu beteiligen, hat die Stadt Köln am Samstag, 21. September 2019, ein öffentliches Forum im Pfarrsaal der Katholischen Kirche St. Katharina von Siena, Schneebergstraße 63, in Köln-Blumenberg veranstaltet. Dabei stellte die Verwaltung die bisherigen Arbeitsschritte und den aktuellen Entwicklungsstand vor. Anschließend gab es die Gelegenheit, mit den Fachleuten über die Pläne zu diskutieren und Anregungen, Wünsche und Hinweise vorzutragen. Die erarbeiteten Ergebnisse werden so weit wie möglich berücksichtigt und in den weiteren „Leitbildprozess“ eingearbeitet. Dabei soll der auf Transparenz und Klarheit ausgelegte kooperative Planungsprozess sicherstellen, dass eine gute Ausgangslage für eine sozial gerechte und nachhaltige Entwicklung eines neuen, innovativen Stadtteils in Köln geschaffen wird.

Chorweilers Bezirksbürgermeister Reinhard Zöllner eröffnete das Forum und begrüßte die rund 160 Gäste. Oberbürgermeisterin Henriette Reker machte in ihrer Rede deutlich, wie wichtig der neue Stadtteil ist: „Wir brauchen Kreuzfeld dringend, denn Köln als wachsende Stadt und europäische Metropole benötigt dringend neuen Wohnungsbau. Nach unserer aktuellen Prognose zur Einwohnerentwicklung müssen wir bis zum Jahr 2040 bezahlbaren Wohnraum für rund 70.000 neue Kölnerinnen und Kölner schaffen. Um das zu bewältigen, müssen wir umsichtig neue Baugebiete entwickeln. Kreuzfeld mit seinem bereits vorhandenen S-Bahn-Anschluss bietet die besten Voraussetzungen, damit Köln verantwortlich wachsen kann. Wir haben hier das Potential, um auf 47 Hektar einen durchmischten Stadtteil mit bis zu 3.000 Wohnungen zu errichten. Das Leitbild ist der erste zentrale Baustein auf dem Weg zu unserem neuen Stadtteil. Noch bevor mit der städtebaulichen Planung begonnen wird, steckt das Leitbild Entwicklungsziele fest, die der neue Stadtteil erfüllen soll und muss“, sagte Oberbürgermeisterin Reker.
Nach der Vorstellung des bisher entwickelten Leitbildes für den neuen Stadtteil durch Brigitte Scholz, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik, konnten sich die Teilnehmenden des Forums an „Marktständen“ mit den drei Schwerpunkten des Markenkerns des Leitbildes auseinandersetzen: „den Stadtteil VERNETZEN, BILDUNG fördern, für GESUNDHEIT sorgen“. Hier nutzten die rund 160 Beteiligten aktiv die Möglichkeit, ihre Ideen und Vorstellungen für den neunen Stadtteil einzubringen. Die Ergebnisse wurden anschließend auf der Bühne präsentiert. Dabei zeigte sich, dass die drei Schwerpunkte des Markenkerns, die Wünsche, Anregungen und Anforderungen der Anwesenden bereits gut aufgreifen und viel Zustimmung gefunden haben. Die Arbeitsergebnisse werden jetzt im Detail ausgewertet und fließen in den weiteren Leitbildprozess ein.

Ausblick auf das weitere Verfahren:
Der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Planen und Bauen, Markus Greitemann, gab abschließend einen Ausblick auf das weitere Verfahren. Wenn im Rahmen des aktuellen „Leitbildprozesses“ die Grundlagensammlung für den neuen Stadtteil abgeschlossen ist, folgt der städtebauliche Planungsprozess, für den ebenfalls eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen ist. Dieser beinhaltet einen städtebaulichen Wettbewerb (im Rahmen eines so genannten „wettbewerblichen Dialogs“), die „Integrierte Planung“ zur Erstellung eines Masterplans für Kreuzfeld sowie die anschließende formelle Bauleitplanung, mit der das Baurecht für den neuen Stadtteil geschaffen wird. Für diesen gesamten Planungsprozess wird ein Zeitrahmen bis zum Jahr 2023 angesetzt. Weitere Informationen zum Planungsprozess für den neuen Stadtteil gibt es unter: www.stadt-koeln.de/kreuzfeld



Kommentar der Redaktion WorringenPur:
Seit Jahrzehnten gräbt die Stadt in Zeiten der immer wieder aufkommenden Wohnungsnot ihr „As aus dem Ärmel“ – den Stadtteil Kreuzfeld. Mit diesem neu zu bauenden Gebiet soll in Köln fehlender Wohnraum wieder einmal im Kölner Norden aus dem Hut gezaubert werden. Wenn schon die Idee dazu nicht neu ist, bleibt nur die vage Hoffnung, dass der alte ungenügend durchdachte Bebauungsplan keine Grundlage mehr für den neuen sein soll. Das zumindest verspricht die Stadt mit dem Hinweis, dass der Planungsansatz diesmal ein ganz anderer sei als zuvor. Was uns zum Schluss wirklich vorgelegt wird, muss sich noch zeigen.
Uns, die wir im Kölner Norden wohnen, stellt sich zunächst die Frage, warum z. B. an den Plänen Fachleute aus Berlin sitzen, statt welche aus der Region planen zu lassen, die um die Probleme wissen, mit denen schon der Nachbarort Blumenberg zu kämpfen hat. Dort nämlich fehlt seit über 20 Jahren Infrastruktur. Wieviele Schulen, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten sind für Kreuzfeld geplant? Bleibt das Grün bzw. Wald, den wir so schätzen, erhalten? Ganz zu schweigen von Bus und Bahn, deren Verlässlichkeit schon immer in allen Orten zu wünschen lässt, besonders die S11. Und was ist mit dem Sozialen Wohnungsbau, wieviel verträgt der Kölner Norden noch mit Blick auf die umstrittenen sozialen Brennpunkte und deren Probleme in Roggendorf/Thenhoven?

Und was ist mit dem noch immer dringend benötigten Autobahnanschluss an die A57, für den Blumenberg und Roggendorf/Thenhoven schon lange vergeblich kämpfen? Wieviel schlimmer wird die Verkehrssituation, wenn mit 3.000 Wohneinheiten in Kreuzfeld und damit möglicherweise 3.000 Pkws oder mehr sich morgens und nachmittags den Weg zur Arbeit auf Landstraßen „erschleichen“ müssen, weil ein zügiges Fahren schon jetzt nicht mehr möglich ist?
So konnte früher fast jeder Haushalt EIN Auto sein Eigen nennen, die Parkplätze reichten. Heute fährt der Sohn, die Tochter, die arbeitende Mutter und natürlich der Vater jeweils ein eigenes Auto – das erklärt möglicherweise die Parkweise am Pannenackerweg in Worringen, wo die Vivawest mittlerweile vor dem Hochhaus etliche weitere Parkplätze schaffen muss. Das zeigt uns aber auch, dass die in Kreuzfeld hochgerechneten 3.000 Wohneinheiten wahrscheinlich auch mindestens genauso viele Pkws mehr auf den Straßen im Kölner Norden bedeuten. Wohin mit den Blechlawinen ohne Autobahnanschluss? Eine weitere wichtige Frage: Ist diese Anzahl Pkws bzw. Menschen in einen Evakuierungsplan mit einbezogen, wenn das „große 200jährige Hochwasser“ kommen würde und Menschen aus Worringen und Roggendorf/Thenhoven Richtung Chorweiler flüchten müssten?

Möglicherweise hat Frau Scholz, die von der Stadt für die Planung beauftragt wurde bzgl. Pkws aber auch ganz andere Pläne mit Kreuzfeld, die die Sorgen um Blechlawinen in Luft auflösen. Denn was sie mit „Klimagerechtigkeit“ meinte, wird sich erst später herausstellen, wenn das Leitbild (angeblich bestehend aus allen bisherigen Vorschlägen) zu Kreuzfeld fertiggestellt ist und in die politischen Gremien zur Diskussion geht.

Welche Qualität man in Kreuzfeld haben will, das haben die Bürger bei der Diskussion am 21. September Frau Reker und ihrem Planungsteam mitgeteilt. Wünschenswert wäre angesichts steigender Mieten endlich bezahlbarer Wohnraum, den sich junge Menschen auch leisten können, wenn nur einer arbeitet – es muss nicht gleich ein Eigenheim sein. Wenn es wirklich zum Bau von Kreuzfeld kommen sollte, gilt es die Wünsche der Bürger, die am 21.09. das Leitbild für Kreuzfeld mitgestalten wollten, auch tatsächlich umzusetzen und nicht Vorstellungen der Stadt, deren Entscheidungsträger ganz weit im Süden wohnen oder gar in Berlin.

Heike Matschkowski
Redaktion WorringenPur.de


WorringenPur.de/25.09.2019
Bericht & Fotos: Stadt Köln
Kommentar: Heike Matschkowski/WorringenPur.de
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski