Die Ruhe vor dem Sturm?
Ein erster Zwischenbericht zur Corona-Hilfe in Worringen
Interview mit Hans-Bernd Nolden vom Team Bürgerbüro

„Uns wird es schon nicht treffen!“, dachten sich viele, als zuerst weltweit, dann in Deutschland und in einzelnen Bundesländern und schließlich auch in Köln bestätigte Infektionsfälle der gefährlichen Lungenkrankheit Covid-19 bekannt wurden. Schließlich traf es auch Worringen im Kölner Norden. Seit Bekanntwerden des 1. bestätigten Corona-Covid19-Falls am 10. März in einem Sportverein und einem weiteren Fall in einer Arztpraxis, überschlugen sich zunächst die Ereignisse. Die Unsicherheit, ob betroffene Institutionen/Geschäfte sofort geschlossen werden müssen, wich schnell der Gewissheit durch Zwangsverordnung, schließen zu müssen. Die Zahl derer, die in vorsorgliche Quarantäne oder wegen positivem Covid-19-Test in Quarantäne müssen, steigt seitdem kontinuierlich. Dazu kommen die Risikogruppen, die ihre vier Wände wegen ihres Alters oder Vorerkrankungen nicht verlassen sollen, weil sie besonders gefährdet sind bei einer Ansteckung den Krankheitsverlauf nicht zu überleben.

In dieser Zeit voller Angst bildeten sich recht schnell vornehmlich in den Socialmediagruppen Instagram & facebook Gruppen junger Menschen, die helfen wollten. Anfragen, wie man helfen könne, gingen ebenso bei unserer Redaktion WorringenPur ein. Am 20. März erfolgte der Versuch, die einzelnen Gruppierungen zu vernetzen. Hans-Bernd Nolden, Koordinator im Team Bürgerbüro Worringen, hatte die Idee dazu. Schnell war eine Prepaid Handykarte mit Rufnummer gekauft und eine Email-Adresse angelegt, wo sich Helfer und Betroffene melden konnten.

Hierzu ein paar Fragen an Herrn Nolden:

    Wann kamen Sie auf die Idee, die Corona-Hilfe zu „gründen“?

    Inzwischen ist die rasend schnelle Verbreitung des Corona-Virus zu einer bedrohlichen Pandemie erklärt Hans-Bernd Noldenworden. Das bedeutet: Jeder Mensch ist zum Selbstschutz und zum Schutz der ganzen Gesellschaft, in der wir leben, aufgefordert. Wie wir wissen, sind manche Menschen besonders gefährdet und brauchen den besonderen Schutz der Gesellschaft. Die soll, wie überall, auch in Worringen gewährleistet werden. Unser Motto im Bürgerbüro Worringen lautet ja: „Hilfe – wo sie gebraucht wird!“ Genau das ist jetzt gefragt.

    Wie kam es zu der Idee für die Corona-Hilfe?

    Ganz einfach: Gesunde helfen den Gefährdeten. Man muss einen Weg finden, wie man beide zusammenbringt: Die Hilfsbereiten auf der einen Seite und die, die man besonders schützen muss.
    Als Helfer kommen die Ehrenamtler in Frage, die aufgrund der besonderen Vorschriften ihr Engagement in Einrichtungen wie Krankenhaus und Flüchtlingsheim, bei Besuchsdienst und Behördenbegleitung und vieles mehr aufgeben mussten – zum eigenen Schutz und zum Schutz ihrer „Schützlinge“.
    Infrage kommen aber auch junge Leute mit Freizeit wegen der angeordneten Schulschließungen und der jetzt bevorstehenden Ferien. Nachbarschaftshilfe sollte ebenfalls möglich sein.
    Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit Vorerkrankungen und Menschen mit einem nicht intakten Immunsystem. Sie können durch das Virus ernsthaft erkranken. Die Lösung: EINE Kontaktadresse zur Vermittlung zwischen Helfer und Hilfesuchenden.

    Wer hat dabei mitgeholfen?


    Die Frage war: Wie informiert man in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen über die Kontaktadresse. Auf Anfrage war der Bürgerverein Worringen sofort bereit, seine Mitglieder zu informieren. Auch die Karnevalsvereine und weitere Institutionen machten bei der Informationskampagne mit. WorringenPur und die einschlägigen sozialen Medien wie lnstagram wurden eingesetzt. Dadurch wurde innerhalb von weniger als 24 Stunden eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern über die geplante Initiative informiert.

    Wie funktioniert das Hilfsangebot?

    Das freigeschaltete „Corona-Handy“ konnte ab 21.03.2020 angewählt werden und auch über die verbreitete Mailadresse konnte sich jeder melden.
    Die Frage war: Wer meldet sich zuerst - Helfer oder Hilfesuchende? Glücklicherweise kamen die ersten Anrufe und Mails von hilfsbereiten „Zeitschenkern“, die sich umgehend registrieren ließen. Alle sind bereit für den Lebensmitteleinkauf und zur Medikamentenbeschaffung in der Apotheke. Wer
    Hilfe benötigt, ruft ebenfalls das Corona-Handy an oder schreibt eine Mail *. Hierdurch kann nun der Kontakt zwischen Hilfesuchenden und Helfern hergestellt werden.
    Die Kontaktvermittlung erfolgt durch das Team Bürgerbüro Worringen. Alles Weitere ergibt sich zwischen Helfer und Hilfesuchenden.

    Welche Resonanz hat der Aufruf?

    Inzwischen sind 39 hilfsbereite Menschen – Jugendliche mit Schulfrei, Leute im Homeoffice, Männer und Frauen mit etwas Zeit, aber auch Berufstätige nach ihrer Arbeit - zu dieser besonderen Nachbarschaftshilfe bereit. Selbst das „Gassigehen“ wurde angeboten. Damit ist auch Worringen recht gut aufgestellt, bei der Bewältigung der Corona-Krise mitzuarbeiten.

    Welches ist der nächste Schritt?

    Es wird daran gearbeitet, die Kontaktdaten zum Corona-Handy und die Mailadresse noch weiter zu verbreiten. Die regionalen Medien machten dabei mit. Denn wer zum gefährdeten Personenkreis gehört, sollte freiwillig zu Hause bleiben können, um sich selbst oder andere nicht anzustecken.

    Wie kann man die Initiative Corona-Hilfe Worringen unterstützen?

    Als relativ kleine Gruppe ist das Team Bürgerbüro Worringen auf die Mitwirkung möglichst vieler „Zeitschenker'' angewiesen. Darum wollen wir ein Netz mit möglichst vielen Menschen knüpfen, die sich im Bedarfsfall im Sinne· einer Nachbarschaftshilfe engagieren.
    Die Erfahrungen aus dieser Corona-Krise werden uns zeigen, ob wir ein solches Netz mittelfristig auch zur Bewältigung zukünftiger Hilfe-Anfragen knüpfen können.

    Welchen Wunsch hat das Team Bürgerbüro an die Worringer?

    Im Hinblick auf die gerade gestartete Corona-Hilfe sind wir auf die zuverlässige Hilfe derer angewiesen, die sich angemeldet haben. Darüber hinaus wäre es sehr zu begrüßen, wenn sich durch diese Aktion eine Verstärkung der bereits in Worringen bestehenden Nachbarschaftshilfe auch bei anderen Gelegenheiten ergibt. Ideen sind genug vorhanden, wie man sich als „Zeitschenker“ sinnvoll betätigen kann. Das Team Bürgerbüro Worringen freut sich darauf, hieran weiter zu arbeiten – gemeinsam mit weiteren Leuten, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.

    Gilt die Hilfe nur für Worringen oder auch für andere Dörfer?

    Das hängt von den Möglichkeiten der Helferinnen und Helfer ab. Von einigen weiß ich, dass sie auch über die Worringer Grenze hinaus helfen wollen. Dafür spricht auch, dass sich nicht nur Worringer registrieren ließen.

    Wie sieht es mit den Hygienemaßnahmen bei den Botengängen aus?

    Wir bitten Helfer und Hilfesuchende im Verlauf der Kontakt-Vermittlung um die Beachtung der strengen Regeln bei dieser Hilfsaktion: Beachten Sie zu Ihrem eigenen Schutz und zum Schutz anderer Menschen strikt die Hygiene-Regeln!

    Wie erreichen Sie die älteren Menschen ab ca. 80, die oft keinen Internetzugang haben und damit über die Aktion „Einkaufshilfe“ / „Apothekengänge“ nicht informiert sind?

    Inzwischen ist die Aktion Corona-Hilfe auch in einigen Zeitungen und Zeitschriften bekanntgemacht worden. So hat z.B. der Bürgerverein Worringen in den „Worringer Nachrichten“ darauf hingewiesen. Die weitere Informationskette wird sich durch die Mund-zu-Mund-Propaganda ergeben.

    Was halten Sie von den weiteren Einkaufshilfen, die es inzwischen auch in Worringen gibt?

    Je mehr Hilfsangebote, desto besser! Ich hoffe aber sehr, dass es sich dabei um seriöse Angebote handelt. Man sollte als Hilfesuchende auch und gerade in dieser Situation immer genau hinsehen, mit wem man es zu tun hat. Zwar verbietet sich ein näherer Kontakt aus Gründen der Ansteckungsgefahr von selbst. Aber die Einkäufe müssen ja auch abgerechnet werden… und da sollte man schon achtgeben.

    Danke für das Gespräch Herr Nolden!

Anmerkung unserer Redaktion:
Auch wenn die Vorbereitungen die „Ruhe vor dem Sturm“ sein sollten, können wir doch ein wenig beruhigter in die nächsten Wochen schauen, denn die Corona-Hilfe  ist gut geplant. Hoffen wir, dass wir sie nicht in der befürchteten Masse nutzen müssen!

* Die Kontaktdaten zur Corona-Hilfe, gleichermaßen für HelferInnen und Hilfesuchende lauten:
 Mobil: 0157 345 102 78 oder Mail wohin333@t-online.de


WorringenPur.de/07.04.2020
Interview, redakt. & digit. Bearbeitung: Heike Matschkowski