Erfahrungsbericht von Pfarrer Volker Hofmann-Hanke
über die Fusion zur „Evangelischen Hoffnungsgemeinde im Kölner Norden“
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Kölner Norden
Pfarrer Volker Hofmann Hanke
Seit über 20 Jahren bin ich Pfarrer in Köln-Worringen – und bleibe es auch, ebenso wie die Friedenskirche bleibt. Aber am 31. Dezember haben wir den letzten Gottesdienst als eigenständige Gemeinde gefeiert, zuvor war das Presbyterium – das Leitungsgremium der Gemeinde – von seinen Aufgaben entbunden worden: Das war schön und bewegend - und es hatte schon etwas von einer Beerdigung. Warum tut man sich so was an (zumal Systeme ja an sich das Bedürfnis haben, sich zu erhalten)?

Einsicht in die Notwendigkeit
Es gab keinen „Druck von oben“; niemand sagte: „Schließt euch mit den Nachbargemeinden zusammen!“ – außer dass klar war: Wenn ich die Pfarrstelle verlassen würde, gäbe keinen eigenen Nachfolger, einfach weil es (auch bei uns) zu wenige Pfarrerinnen und Pfarrer gibt. Außerdem gab es manche Gottesdienste und Veranstaltungen, die recht mau besucht waren, wo es nicht so viel Freude machte wie bei „vollem Haus“. Natürlich sind auch ohne Fusion alle Veranstaltungen offen auch für Menschen außerhalb der Gemeinde; dennoch fühlt es sich vielleicht anders an, ob man darauf im eigenen Gemeindebrief hingewiesen wurde oder als Gast kommt.

Ein Mehr an Möglichkeiten
Also gab es schon früh die Hoffnung, dass die Fusion nicht nur nötig, sondern auch voller Chancen ist. Am einen Standort gibt es recht viele Jugendliche, aber kaum Angebote für Kinder, am anderen Standort war es genau umgekehrt – also das Potential, sich zu ergänzen. Ich selber


Der derzeitige Bevollmächtigtenausschuss der Hoffnungsgemeinde nimmt offiziell sein Amt als Presbyterium nach dem 20.03.2020 auf.

habe für mich eine Bereicherung darin gesehen, nicht mehr nur „Einzelkämpfer“, sondern in einem Kollegenkreis eingebunden zu sein; es gab mir die Möglichkeit, in eine größere Gemeinde zu wechseln und neue Herausforderungen anzugehen, ohne meine Verwurzelung an meinem bisherigen Standort aufgeben zu müssen.

„Die Kirche im Dorf lassen“
Von Anfang an war nämlich klar, dass wir vor Ort präsent bleiben und nicht auf eine Zentralkirche zusteuern wollen. Unsere drei Kitas hatten es uns ja vorgemacht. Sie waren schon länger in einem Familienzentrum zusammengeschlossen, dennoch blieb natürlich die einzelne Kita vor Ort das wichtigste für die Familien. Und auch für die Seniorenarbeit war klar, dass es weiterhin die Möglichkeit geben muss, sich vor Ort zu treffen.

Vertrauen als Basis
Erste Überlegungen gab es schon 2012, verhandelt wurde seit 2014 und nachdem der Beschluss gefasst war, traf sich eine Steuerungsgruppe aus drei engagierten Presbytern. Denn natürlich müssen auch die Pfarrer „miteinander können“, aber für die Einbindung in die Gemeinde war es ganz wichtig, dass der Prozess nicht nur von den Hauptamtlichen gesteuert wurde. Wir hatten zudem das Glück, dass uns der Kirchenkreis eine in Fusionsprozessen erfahrene Beraterin ermöglichte. Sehr wichtig waren immer wieder Gemeindeversammlungen, auf denen es die Möglichkeit gab, sich zu informieren und auch Sorgen zu benennen, sowie außerdem drei Wochenendklausuren der Presbyterien. In ihnen wurde das Leitbild, das Logo, der neue Name, ein neuer Gemeindebrief und Internetauftritt sowie die Konzeption erarbeitet – und vor allem sich kennen gelernt. Das Vertrauen zueinander wuchs und führte dazu, dass keiner Angst hatte, von den anderen „über den Tisch gezogen zu Drei Pfarrerwerden“. Die Ergebnisse wurden dann auch immer wieder rückgekoppelt an andere engagierte Haupt- und Ehrenamtliche in den jeweiligen Ausschüssen für die einzelnen Gemeindearbeitsbereiche.

Miteinander feiern
Von Anfang an gab es die Vorbereitung und Durchführung von besonderen gemeinsamen Gottesdiensten. Den ersten Gottesdienst als neue Gemeinde haben alle drei Pfarrer an allen drei Standorten gestaltet. Am 19. Januar haben wir in einem bewegenden Gottesdienst die Fusion gefeiert mit lieben Gästen auch aus der Ökumene. Es wird bestimmt auch mal Schwierigkeiten geben, aber der gute Anfang ist gesetzt (Mehr auch unter: www.hoffnungsgemeinde-koeln.de) .

Volker Hofmann-Hanke


WorringenPur.de/28.01.2020
Text: Pfarrer Volker Hofmann-Hanke
Fotos: Martina Hanke (2 & 3), Klaus Görgen (1)
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski