Im Schatten der Corona-Pandemie:
135 Jahre Festkomitee Worringer Karneval e. V.
Interview mit dem Präsidenten Klaus Dittgen

WP: Herr Dittgen, vor genau 10 Jahren trafen wir uns, um über Vergangenheit und Zukunft des Festkomitees Worringer Karneval (FK) zu sprechen. Dieses Jahr blicken Sie auf 135 Jahre Festkomitee zurück, eigentlich ein Grund zum Feiern. Als Präsident haben Sie seit Februar 2020, dem Beginn der weltweiten Corona-Pandemie, wahrscheinlich nicht mehr viel zu lachen. Aktuell wurde sogar die komplette Session abgesagt.
Wie wirkt sich denn Corona und die damit verbundene Schutz-Verordnung auf die Planungen des Festkomitees für das Worringer Karnevalsgeschehen aus? Wie kommen die Vereine und ganz speziell der diese Session den Prinzen stellende Männergesangverein mit der Planungsunsicherheit zurecht?

Klaus DittgenKD:Die Planungen für diese Session mussten im letzten Frühjahr aufgrund Corona eingestellt werden. Wir hoffen, dass wir im Frühjahr 2021 wie gewohnt mit den Planungen für die kommende Session beginnen können. Dann beginnt auch das zweite Jahr der Vorbereitung für den Männergesangverein.


WP: Die KZG Jecke vum Berg blicken im kommenden November auf 85 Jahre Bestehen zurück. Sicher stehen auch weitere besondere Ereignisse an. Gibt es seitens des FK Pläne anstehende Ehrungen für Personen oder Vereine nachzuholen?

KD: Ehrungen werden im Festkomitee beschlossen. Da wir in diesem Jahr keine Versammlungen abhalten konnten, wurden auch keine Überlegungen zu Ehrungen getätigt. Eine Ehrung in einem würdigen Rahmen war in diesem Jahr leider auch nicht möglich. Ob die Karnevalszuggesellschaft Jecke vom Berg für ihr 85jähriges Jubiläum Veranstaltungen plant, ist mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Wer aber die Jecke vom Berg kennt, der weiß, dass die Gesellschaft sich mit Sicherheit etwas einfallen lässt.


WP: Einen Anstecker für die Session 2020/21, dessen Erlös (3,-
€/Stück) den Kinderkarneval finanziell stützen soll, gibt es ja schon. Wird es einen Sonderorden des FK geben, wie schon zum 125jährigen?

KD: Nein es wird keinen Orden geben. Den wird es mit Sicherheit zum 150-Jährigen geben.


WP: Für dieses Jahr fallen wohl sämtliche Werbeeinnahmen für den Worringer Karneval weg, die sonst über das Prinzenheft oder ähnlichem beschafft werden konnten. Was bedeutet das für das Festkomitee? Erhält der Worringer Karneval Zuschüsse oder andere Unterstützungen von Banken, Stadt, Land oder Bund oder ist man darauf angewiesen Sponsoren zu finden?

KD: Natürlich fallen die Werbeeinnahmen in dieser Session weg. Aber einige Sponsoren, wie die Worringer Banken, haben uns auch in diesem Jahr unterstützt. Außerdem erhalten wir Zuschüsse vom Stadtbezirk. Die werden in jedem Jahr neu beantragt. Dafür möchte ich mich natürlich bedanken.


WP:Wie sieht es mit der ursprünglich geplanten Wagenbauhalle für alle aus? Gibt es da Fortschritte oder wird der aktuelle Zustand die kleinere Wagenbauhalle in Rheinkassel zu mieten weiter favorisiert?

KD: Mit der aktuellen Situation der Wagenbauhalle sind wir sehr glücklich und fühlen uns in Rheinkassel gut aufgehoben.


WP: Nochmal das Thema Wagenbau: Passend zu den Themen des Jahres fangen die Wagenbau-Gruppen der Vereine ja schon recht früh an den Wagen zu gestalten, teilweise schon im Frühjahr.Wie sollen Zeitplan und Fertigstellung eingehalten werden können, wenn Mindestabstand, Maske und Desinfektion der Gegenstände vorgegeben ist? Müssen nicht auch dort zumindest regelmäßige Schnelltests prüfen, wer möglicherweise infiziert ist? Und wer soll das alles bezahlen?

KD: Die Wagenbauer fangen mit ihrer Planung an, wenn das Motto für den kommenden Rosenmontagszug beschlossen wurde. Dies findet auf der Generalversammlung des Festkomitees statt. Ich denke, wenn man im Herbst anfängt zu bauen, reicht die Zeit auch aus. Natürlich werden wir uns zu gegebener Zeit an die dann aktuelle Corona Schutzverordnung des Landes NRW halten.


WP: Die Organisatoren des Worringer Karnevals können sicher froh sein, nicht auf teure professionelle Künstler angewiesen zu sein, um Sitzungen oder spezielle Karnevalsveranstaltungen im Vereinshaus aufziehen zu können. Neben GEMA, Saalmiete, Beschallungsanlage, DJs  und Sicherheitskräften fallen aber sicher noch andere Kosten an.
Müssen wir in der nächsten Session mit höheren Eintrittspreisen rechnen, vielleicht auch bedingt durch Coronabedingte Werbeausfälle?

KD: Wir haben mit allen Vertragspartnern bereits gesprochen. In diesem Jahr sind keine Kosten entstanden. Ich hoffe nicht, dass wir die Eintrittspreise nächstes Jahr angleichen müssen.


WP: Wie sieht das Alternativ-Konzept „Plan B“ für den Worringer Karneval aus, wenn bis Ende 2021 nicht durchgeimpft werden konnte oder die CoronaSchutzVerordnung bis Ende des Jahres keine großen oder nur limitierte Veranstaltungen zulässt?
 
KD:
Da beschäftigen wir uns ab dem Frühjahr 2021 mit.


WP: In der Geschichte des FK gab es viele Höhepunkte, aber auch Krisen, wie die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als man aus dem Nichts heraus alles wieder neu organisieren musste. Hat man mit der jetzigen Pandemie den Tiefpunkt erreicht, weil der Karneval, wie wir ihn kannten, nicht mehr stattfinden wird? Oder gehen Sie davon aus, dass sich alles wieder einrenkt?

KD: Das Virus hat dafür gesorgt, dass wir nicht wie gewohnt Karneval feiern können. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Gesellschaften aktiv sind. Alle halten den Kontakt mit den Mitgliedern und versuchen aus der Situation das Beste zu machen.


WP: Welche Ziele verfolgt das Festkomitee aktuell und mittelfristig? Stehen für den Vorstand bzw. den Worringer Karneval Änderungen an? Wenn ja, welche? 

KD:
Wir wählen auf der nächsten Generalversammlung einen neuen Vorstand und erst anschließend werden wir wissen, ob es Änderungen geben wird. Ein Datum zur Generalversammlung gibt es derzeit noch nicht. Sobald die Corona Schutzverordnung eine Versammlung zulässt, werden wir einen Termin finden und die Mitglieder entsprechend einladen

WP: Die Karnevalsvereine sorgen für eine gewisse soziale Stabilität, man kann sie als Bindeglied zwischen Alt und Jung und durch die zahlreichen Vereinstermine als eine Möglichkeit der Integrierung in die Gemeinschaft sehen. Kann diese Stabilität -ohne Gruppentreffen- aufrecht erhalten werden und wenn ja, wie? Gibt es vielleicht auch einen „Corona-Einkaufsservice“ unter den Mitgliedern?

KD: Wir haben zusammen mit Bürgerbüro und Bürgerverein einen Einkaufsservice beim ersten Lock Down ins Leben gerufen. Da können sich die Worringer melden, wenn sie Hilfe brauchen.


WP:
„Das kann ich besser!“, wenn Ihnen oder Ihren Mitstreitern beim Festkomitee so etwas zu Ohren kommt, was würden Sie der Person sagen wollen?

KD: Ich antworte dann: Jeder kann in einer der 5 Karnevalsgesellschaften, dem Männergesangverein oder den 2 Zuggesellschaften Mitglied werden. Sich aktiv am Vereinsleben beteiligen und so den Worringer Karneval mitgestalten. So kann man es natürlich besser machen.


WP: Immer wieder liest man, dass der Worringer Karneval genügend jungen Nachwuchs hat. Das ist sehr erfreulich. Wie lassen sich jedoch traditionelles Brauchtum und moderne Ansichten im Worringer Karneval vereinbaren? Kommt es immer zu Einigungen, die Alt und Jung akzeptieren können bzw. müssen? Wieviel Tradition darf auf der Strecke bleiben, wieviel Modernes darf integriert werden, um noch vom „Worringer Karneval“ sprechen zu können. Oder muss sich der (Worringer) Karneval sowieso dem Wandel der Zeit beugen, um überleben zu können?

KD: Sicher hat sich der Worringer Karneval in den letzten Jahren verändert. Die jüngeren Karnevalisten übernehmen immer mehr Verantwortung in den Gesellschaften und auch im Festkomitee. Sie arbeiten aktiv am Karneval mit. Hier ist zum Beispiel die 11.11 Feier zu nennen, die in den letzten Jahren ein neues Gesicht bekommen hat. Aber eines kann man sagen, die jüngeren Karnevalisten hängen auch an den „alten“ Traditionen im Fasteleer.


WP: „Es wird einen Karneval 2021 geben! Nur in welcher Art und Weise kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand sagen“, ist auf der Homepage des FK zu lesen. Wie könnte denn der Karneval in Worringen aussehen, wenn sich an der jetzigen Situation kaum etwas ändert? Sind Online-Sitzungen, wie jetzt von einigen Privatpersonen geplant, eine mögliche Lösung?

KD: Es wird in dieser Session Veranstaltungen geben. Diese werden aber aufgrund der Pandemie anders aussehen als wir das gewohnt sind. Als Erstes nenne ich den Karnevalsspaziergang durch unseren Ort. Hier hat man die Gelegenheit sich auf Plakaten, die an über 60 Stellen im Ort aufgehängt werden, über den Worringer Karneval zu informieren. Die Orte der Plakate werden rechtzeitig bekannt gegeben.
Am Karnevals-Freitag wird es einen Live Stream aus dem Worringer Vereinshaus geben, hier legt dann unser DJ Florian Karnevalslieder auf. Details zum Karnevalsspaziergang und zum Live Stream  werden wir in Kürze hier auf WorringenPur veröffentlichen.
Einen Tag später wird die 1 Worringer Wohnzimmer Sitzung stattfinden, bei der alle Karnevalsgesellschaften und auch das Festkomitee mit einem Programmpunkt vertreten sind. Hierzu wurden bereits Infos auf WorringenPur veröffentlicht.


WP: Herr Dittgen, wir wünschen Ihnen und dem FK-Vorstand weiterhin viel Erfolg bei der Bewältigung der möglicherweise anstehenden Probleme und gutes Gelingen bei den Plänen zur Gestaltung des zukünftigen Karnevalgeschehens in Worringen.
Vielen Dank für das (digitale) Gespräch!


WorringenPur.de/30.01.2021
Fragenstellung: Heike Matschkowski