Bürgerinitiative „Unser Worringen“
fordert vollständigen Rückbau der Beweidungsmaßnahme in der Worringer Rheinaue
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Worringen/Langel
Am 5.
Juli wurde die Bürgerinitiative »Unser Worringen« von 16 Worringer Bürger*innen gegründet. In der Zwischenzeit ist die Zahl der aktiven Mitglieder weiter gewachsen und es ist unter www.unserworringen.de  eine Website mit vielen Informationen entstanden. „Die Gründung einer Bürgerinitiative war die notwendige Konsequenz, nachdem eine verunglückte Planung der Stadt die Worringer von einem Teil ihrer Identität abgeschnitten hat. Immerhin ist Worringen ein jahrhundertealtes Fischerdorf und die Worringer*innen hatten immer freien Zugang zum Rhein“, so Detlef Beyer, Mitglied der Initiative.

»Unser Worringen« sieht in der massiven Einzäunung von fast 350.000 m² der Worringer Rheinaue eine massive Beschränkung der Grundrechte der hier lebenden Bürger. Durch den zwischen dem Vorstand des Worringer Bürgervereins und der Stadt ausgehandelten Kompromiss sei der Zustand nicht besser, sondern schlechter geworden, meint Detlef Beyer und er erklärt: „Es steht jetzt noch mehr Zaun in der Rheinaue, einen freien Zugang zum Rhein gibt es weiterhin nicht und der Treidelpfad in Richtung Langel ist nun praktisch für Hundebesitzer, Menschen mit einer körperlichen Behinderung oder Eltern mit Kinderwagen gesperrt. Dazu kommt die massive Drohung, dass bei einer Nichtbeachtung der Regeln die gesamte Rheinaue gesperrt wird (Zitat Stadt: »ist eine komplette Beruhigung des Gebietes unumgänglich«). Diese Drohung hat es vor dem Kompromiss nicht gegeben und sie kann einem richtig Angst machen.“

Herr Beyer führt weiter aus: „Leider hat es durch die bisherigen Maßnahmen bereits erhebliche Schäden im Naturschutzgebiet gegeben. Am Rheinufer ist zum Teil die Grasnarbe vollständig zerstört worden und durch den massiven Nährstoffeintrag ist mit einer negativen Entwicklung der Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet zu rechnen. Die geschützten Vögel sucht man in diesem Teil der Rheinaue nun vergeblich. Unsere Bürgerinitiative will den Artenreichtum und die Artenvielfalt im Lebensumfeld der Menschen in

Worringen erhalten und fördern. Wir lehnen einen „Zoo“, den die Bürger nur noch durch einen Zaun betrachten können, grundsätzlich ab.“

»Unser Worringen« hat sich zum Ziel gesetzt, alternative Ideen und Konzepte für mehr Naturschutz zu entwickeln. Die Worringer Bürger haben schon oft zum Ausdruck gebracht, dass sie die Natur in der Rheinaue schätzen und erhalten wollen. Das jährliche »Worringen putzt sich« ist nur eine Maßnahme unter vielen. „Mit und nicht gegen die Worringer will die Bürgerinitiative aktiv den Naturschutz verbessern. Da geht sicher eine Menge und das ohne Stacheldraht oder Elektrozaun“, so Beyer, der mit seinen Mitstreitern möglicherweise nun doch etwas Unterstützung seitens Politik bekommt.

Am vergangenen Montag hat sich ein Vertreter der Ratsgruppe »GUT Köln«, auf Einladung von »Unser Worringen«, mit rund 20 Worringer Bürger*innen zu einem Spaziergang durch die Rheinaue eingefunden. Beyer betont, dass es bisher bei keiner Fraktion in der Bezirksvertretung Chorweiler (CDU, SPD, Grüne) auch nur ein Minimum von Interesse an dem Problem mit der Einzäunung gegeben habe. Diskussionen in der Bezirksvertretung zum Thema Einzäunung fänden nicht statt oder würden sogar aktiv verhindert. Auf Antworten von via Mail gestellten Fragen an die Fraktionen könne man beliebig lange warten – es käme einfach nichts. „Umso mehr hat sich die Bürgerinitiative darüber gefreut, dass die im Rat vertretene Gruppe »GUT Köln« sofort reagiert hat“, so Beyer und weiter: „Seit kurzer Zeit kann man die

Veränderungen durch den »Kompromiss« zwischen Bürgerverein und Stadt bestaunen. Das Mehr an Zaun in der Aue ist schon bedrückend. Wir haben Marcel Hövelmann, dem Vertreter von GUT Köln, von der historisch engen Bindung der Worringer Bürger zu ihrer (!) Rheinaue berichtet und ihm die Folgen dieses unverantwortlichen Eingriffs in das Naturschutzgebiet aufgezeigt. Die nun zu sehenden massiven Schäden an der Vegetation im Uferbereich sind offensichtlich.

Auf dem Treidelpfad in Richtung Langel bleibt gerade einmal ein ca. 3 m breiter Weg zurück – der Rest der Aue ist hier eine »No Go Area«. Dazu kommen grobschlächtig gebaute Drängelgatter, die kaum passierbar sind. Der Worringer Bruch ist die geographisch tiefste Stelle in Köln, die Einzäunung der Rheinaue dürfte den Tiefpunkt für eine bürgernahe Verwaltung in Köln darstellen.

Unser Landschaftswart, Herr Jansen, hat uns bei der Wanderung durch die Rheinaue begleitet. Kaum jemand kennt das Gebiet so gut wie er. »Unser Worringen« nimmt seine Expertise gerne an und möchte sich für sein Engagement ausdrücklich bedanken. Insbesondere bei der Umsetzung von neuen Ideen zum Naturschutz ohne Zaun erwarten wir von Marcel Hövelmann und GUT Köln Unterstützung. Naturschutz unter Ausschluss der Bürger kann nicht funktionieren“, stellt Detlef Beyer abschließend fest und lädt alle Interessierten zum nächsten

Stammtisch-Treffen der Bürgerinitiative ein, am Freitag 02.08.2019, 18:30 Uhr, „Haus Schlösser“ in Worringen.


WorringenPur.de/22.07.2019
Text: “Im Gespräch mit Detlef Beyer (Bürgerinitiative »Unser Worringen«)”
Fotos: privat
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski