Die letzten Wochen im Wohnheim für Geflüchtete in Worringen
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Die Tage sind gezählt - dann können die noch verbliebenen Bewohner in das neue Wohnheim in Fühlingen einziehen. Eine kleine Familie aus dem Iraak gehört dazu. Das Ehepaar mit Tochter und Bruder der Frau wurden als Jesiden wegen ihres Glaubens mit dem Tode bedroht. In einer lebensgefährlichen Flucht verließen sie ihre Heimat und sind in Köln untergekommen.

Vier Jahre mussten sie in Köln und dann in Worringen in den Wohncontainern in sehr beengten Verhältnissen leben. Dennoch haben sie sich in Worringen wohlgefühlt. Sehr gerne wären sie in eine Worringer Wohnung eingezogen. Doch trotz intensiver Suche wurde ihnen keine passende angeboten. Natürlich werden sie weitersuchen, denn diese Familie will sich wie die meisten ein selbst bestimmtes Leben in ihrer neuen Heimat aufbauen. Integration heißt das Zauberwort - diese Familie ist dazu bereit. Mit einer eigenen Wohnung glauben und hoffen diese Menschen, das besser schaffen zu können.
Im Übrigen waren die letzten Wochen und Tage im Wohnheim angefüllt mit einem nicht unerheblichen Mehraufwand für die Heimleiter Nicole Thielen und Andreas Nellessen. Man kümmerte sich um die vielen Fragen rund um den anstehenden Umzug.

Für manchen der Ehrenamtler hieß es zu überlegen: Welche Teile der Einrichtung, Spielgeräte etc. aus Spenden können weiterverwendet werden? Ziehen sie mit um nach Fühlingen oder werden sie eingelagert, bis das neue Wohnheim in Roggendorf/Thenhoven fertig ist?
Als Letztes wurde dann eines der Wahrzeichen des Wohnheims für Geflüchtete in Worringen eingerollt: Das lange, grüne Transparent mit dem Willkommensgruß in vielen Sprachen. Es wird ganz sicher einen Platz im Heimatarchiv finden, wo bereits das wunderschöne Bild vom neuen Baum in Worringen einen Platz gefunden hat. Denn beides ist ein Symbol für die nahezu fünf Jahre Leben mit den Geflüchteten. Das Willkommenstransparent signalisierte: Wir in Worringen heißen Euch willkommen! Das von einem Bewohner selbstgemalte Baum-Bild signalisierte: Wir lieben Worringen, wir fühlen uns wohl bei Euch!
Man kann wohl sagen: Es waren Jahre, in denen manche Worringer sich anrühren ließen vom Schicksal der Geflüchteten aus vielen Nationen. Sie halfen mit Spenden vom Kleidungsstück über Dinge des täglichen Gebrauchs bis hin zum Fahrrad. Und von Seiten der ehrenamtlich engagierten Menschen im “NETZwerk Flüchtlingshilfe Worringen” gab es zusätzlich Zuneigung, Geduld und viel Zeit. Und alle haben es gerne getan.

Wie geht es weiter mit den Geflüchteten aus dem Worringer Heim? Für eine weitere Übergangszeit werden sie in einer wesentlich besseren und vor allem eigenen Wohnung auf einem eigens dafür bebauten Gemeinschaftsgrundstück wohnen (s. WPur-Bericht vom 09.08.2019, “Willkommen in Fühlingen”). Wie lange diese Übergangszeit dauern wird, kann niemand voraussagen. Wer Asyl in Deutschland genießt, bleibt sicher so lange, wie die Fluchtursachen in ihrer Heimat andauern. Bei gemeinsamen Bemühungen um eine Integration könnte die Zeit für die Neuen Nachbarn wie auch für die deutsche Gesellschaft nutzbringend verlaufen. Eine eigene Wohnung und Arbeit, jenseits von Wohnheim und staatlicher Abhängigkeit, wären ein toller Anfang! Bleibt zu hoffen, dass die Integrationskurse den Weg dahin ebnen können – und dass wir als ihre Neuen Nachbarn sie dabei unterstützen.

Natürlich ist ein ehrenamtliches Engagement weiterhin auch im Bereich der Flüchtlingshilfe sehr willkommen. Wer hierzu einen Kontakt sucht, kann sich gerne ans Bürgerbüro Worringen wenden oder an die beiden Ehrenamts-Koordinatorinnen im Kölner Norden:

Nicole Ecken, Mail Nicole.Ecken@stadt-koeln.de Tel. 0221 221 29960
Cornelia Abels, Mail Cornelia.Abels@skf-koeln.de Tel. 0221 1683 8987


WorringenPur.de/30.09.2019
Bericht & Fotos: Hans-Bernd Nolden
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski