Anlässlich der Stadtratwahl am 30. August:
WorringenPur fragt nach – Stadtratkandidaten antworten
Teil 1: Cornelie Wittsack-Junge von Bündnis90/Die Grünen Köln-Nord

Anlässlich der Kandidatur  für den Kölner Stadtrat baten wir diverse Kandidaten
um Beantwortung von
10 Fragen, deren zugehörige Antworten nun veröffentlicht werden.

    Cornelie Wittsack-Junge



    Name: Cornelie Wittsack-Junge
    Jahrgang: 1955
    erlernter Beruf/derzeit ausgeführter Beruf: Gymnasiallehrerin, Lehrerin am Weiterbildungskolleg
    Familienstand: verheiratet
    Kinder: zwei
    Wohnort: Köln-Pesch
    Bezug zum Kölner Norden: Ich wohne seit fast  25 Jahren in Pesch und fühle mich hier im Bezirk sehr wohl. Seit über 7 Jahren bin ich in der Bezirksvertretung Chorweiler und  daher sind mir der Bezirk und seine BewohnerInnen sehr gut vertraut.

    Kandidatin der Partei: Bündnis90/ Die Grünen Köln-Nord



     

  1. Als gewählte Stadträtin erhalten Sie nach unserem Wissen mtl. 417,00 Euro brutto Aufwandsentschädigung plus 17,50 Euro je besuchter Fraktionssitzung (findet 1 x wöchentlich statt), Ausschuss-Sitzung (findet 10 x jährlich statt), Arbeitskreissitzung (findet 10 x wöchentlich statt), wobei insgesamt max. 2 Sitzungen täglich wahrgenommen werden dürfen. Außerdem werden Gelder gezahlt für die Teilnahme an Aufsichtsratssitzungen (10 x jährlich). (Bitte korrigieren Sie, falls diese Angaben nicht stimmen sollten!).
    Warum sollte der Wähler mit seiner Stimme Ihnen ein solches Zusatzeinkommen ermöglichen?
    Politische Arbeit im kommunalen Bereich ist ehrenamtlich und daher gibt es diese Aufwandsentschädigung. Sie soll für den vor allem zeitlichen Aufwand, der mit der Ratstätigkeit verbunden ist und der nicht für andere bezahlte Tätigkeiten genutzt werden kann, entschädigen und damit allen Interessierten eine aktive politische Betätigung ermöglichen. Hierbei sollte jedoch klar gestellt werden, dass Ratsmitglieder nicht unbedingt in einem Aufsichts- oder Verwaltungsrat sein müssen. I.d.R. ist ein Ratsmitglied in 1-2 Aufsichtsräten vertreten. Auch ist es kaum möglich in mehr als 2-3 Arbeitskreisen mitzuarbeiten, da das den zeitlichen Rahmen ehrenamtlichen Engagements sprengen würde. In einigen Gremien arbeiten Ratsmitglieder ganz ohne besondere Aufwandsentschädigung mit.
    Der finanzielle Aspekt steht bei der Ratstätigkeit also sicher nicht im Vordergrund, sondern es geht es doch darum, dass man den Wählerauftrag bekommt die BürgerInnen in den städtischen Gremien zu vertreten.
     
  2. Wieviel Zeit –möglicherweise auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten- denken Sie, müssen Sie als Stadträtin einplanen, um die Interessen der Bürger in allem Umfang vertreten zu können?  (gemeint ist hiermit auch der Aufwand privater Zeit bzw. die Präsenz auf Veranstaltungen oder „Hilferufe von Bürgern“).
    Die meisten Tätigkeiten im Zusammenhang mit einem Ratsmandat liegen außerhalb der normalen Arbeitszeit, erfahrungsgemäß  muss man mit  mindestens 20 oft auch wesentlich mehr  Stunden zusätzlicher Arbeit pro Woche rechnen, denn neben den von Ihnen angesprochenen Tätigkeiten ist man auch sehr viel mit der Lektüre und dem Aufarbeiten von Ratsunterlagen (ca. 1000 Seiten pro Ratssitzung, ca. 200-300 Seiten mit Bilanzen, Gutachten etc. für Aufsichtsratssitzungen sind üblich.) beschäftigt. Zusätzliche Informationsbeschaffung ist oft erforderlich und kann sehr zeitaufwändig sein. Sehr zeitaufwändig können Ratssitzungen sein, die auch schon mal 9 Std. dauern.
     
  3. Als Mitglied des Kölner Stadtrats werden Sie wahrscheinlich auch in Ausschüssen des Stadtrats und in Aufsichtsräten oder Arbeitskreisen tätig sein.
    In welche Ausschüsse, Aufsichtsräte o. ä. möchten Sie – und warum?
    Ich interessiere mich besonders für den Jugendhilfeausschuss sowie den Stadtentwicklungsausschuss. In beiden Ausschüssen werden zentrale Weichen für die zukünftige Entwicklung Kölns gestellt – einmal unter sozialen Aspekten und andererseits unter städtebaulichen Fragestellungen. Auch der Verkehrsauschuss wäre ein für mich interessanter Ausschuss, da wir im Norden viele ungelöste Verkehrsproblem besonders im öffentlichen Personennahverkehr ( ÖPNV) haben. In diesem Zusammenhang wäre natürlich auch der KVB-Aufsichtsrat eine Option für mich.
     
  4. Welche Qualifikation bzw. Kompetenzen können Sie in den Stadtrat einbringen?
    Neben einer abgeschlossenen Hochschulausbildung, einer 27-jährigen Lehrertätigkeit mit benachteiligten Jugendlichen, mehrjähriger Betriebsratsarbeit sowie internationaler Projektarbeit durch die Koordination transnationaler Europaprojekte und nicht zu vergessen der Erziehung von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern bringe ich die Erfahrung aus 7 Jahren erfolgreicher Arbeit in der Bezirksvertretung Chorweiler mit.
     
  5. Die Stadt Köln erhält vom Land NRW jährlich pro Einwohner pauschale Gelder, sogenannte Schlüsselzuweisungen. Bei ca. 14.000 Einwohnern allein in Worringen und Roggendorf/Thenhoven ergäben sich  daraus-bei angenommener Kopfpauschale von 800,00 Euro über 11.000.000,00 Euro. (Bitte korrigieren Sie, falls diese Angaben nicht stimmen sollten!).
    Wie und wofür würden Sie das Geld verwenden? Nennen Sie konkrete Maßnahmen und Projekte im Kölner Norden.
    Leider werden die Landeszuschüsse nicht speziell für die einzelnen Stadtteile verwendet, sondern sie gehen in den Gesamthaushalt der Stadt Köln ein. Es gibt eine ganze Reihe von sinnvollen Projekten im Bezirk, die man mit den Landeszuschüssen verwirklichen könnte, wenn man diese gezielt im Bezirk, wo sie „erwirtschaftet“ werden, einsetzen könnte.
    Um nur einige zu nennen:
    1. Im Kölner Norden würde ich gerne den öffentlichen Personennahverkehr verbessern wie etwa eine Straßenbahnanbindung nach Worringen , die das lästige Umsteigen in Chorweiiler oder am Mennweg überflüssig machen würde. Dies wäre jedoch nur mit Landeszuschüssen denkbar. Schnell machbar wären Verbesserungen der Anschlussmöglichkeiten in Chorweiler, wie wir sie schon seit langem vorschlagen. Von einer Verbesserung des ÖPNV im Kölner Norden würden viele BürgerInnen  jeden Tag profitieren.
    2. Der notwendige Aus- bzw. Neubau von Radwegen wie z.B. auf der Bruchstr./ Blumenbergsweg wäre ebenfalls relativ schnell machbar und würde die Verkehrssicherheit für RadfahrerInnen sehr erhöhen.
    3. Im Kinder- und Jugendbereich müsste der qualitativ hochwertige und für alle bezahlbare Ausbau der Ganztagsbetreuung  sowie der Ausbau von Jugendeinrichtungen nicht nur in sog. sozialen Brennpunkten dauerhaft finanziert und umgesetzt werden. Auch bei nachhaltigen Streetworkerprojekten wie etwa am Worringer S-Bahnhof wäre das Geld gut angelegt.
    4. Um praktische Hilfen bei Energiespar- und Umweltschutzmaßnahmen sowie bei dem Einsatz von erneuerbaren Energien in Privathaushalten zu fördern, halte ich die Einrichtung einer wohnortnahen Beratungsstelle für sehr produktiv und auch bezahlbar. Letztlich könnten sich Energiesparmaßnahmen auch positiv auswirken auf private Investitionen im Bezirk.
       
  6. Wenn Sie als Stadträtin eine/n Entscheidung/Beschluss der Vergangenheit rückgängig machen könnten, welche/r wäre dies?
    Sehr gerne würde ich den von Katastrophen überschatteten  Bau der Nord-Süd-U-Bahn, gegen den auch die GRÜNE Ratsfraktion 1996 gestimmt  hat, rückgängig machen. Mit dem dort verwendeten Geld hätte man im gesamten Stadtgebiet vor allem aber  im Kölner Norden oberirdische Stadtbahnverbindungen bauen können, was wesentlich zur Verbesserung des ÖPNV auch in unserem Stadtbezirk beigetragen hätte.
     
  7. Bezüglich Wohnraum gibt es angeblich Pläne, wonach weitere Sozialbauwohnräume hauptsächlich in den Kölner Norden –speziell nach Worringen nahe der Krebelsweide- angelegt werden sollen. Können Sie dies bestätigen? Und wenn ja, wie sollen diese Pläne aussehen? Wissen Sie, wie die Verteilung von Sozialbauwohnungen im Kölner Norden (Bezirk Chorweiler) im Vergleich zu anderen Stadtbezirken prozentual aussieht? Sind Sie der Meinung, dass –in Anbetracht des zunehmenden Vandalismus- der Kölner Norden weiteren Wohnraum dieser Art verträgt, ohne entsprechende Ausgleichsmaßnahmen und bedeutend mehr Beschäftigungsangebote für Jugendliche anzubieten?
    Die Bebauungspläne zur Krebelsweide liegen bereits vor, der 1. Bauabschnitt mit den Einfamilienhäusern ist ja auch schon weitgehend realisiert worden. geplant sind hier auch Mehrfamilienhäuser, bei denen aber noch nicht klar ist, wer der Investor sein wird.
    Weitere Bauvorhaben im Kölner Norden sind auf Informationsveranstaltungen  zur Integrierten Interkommunalen Raumanalyse öffentlich vorgestellt und diskutiert worden.
    Wichtig ist, dass bei allen Bauvorhaben auf die Sozialverträglichkeit geachtet wird und dass die Nachbarn frühzeitig in die Planungen mit einbezogen werden, um die Akzeptanz zu fördern.
    Natürlich ist es auch erforderlich, eine soziale Infrastruktur  für Kinder und Jugendliche zu schaffen, wobei nicht nur Kitas und Schulen eingerichtet werden müssen, sondern  Freizeit- und später auch Arbeitsmöglichkeiten für Jugendliche. Im Bezirk gibt es bereits eine ganze Reihe von Freizeitangeboten für Jugendliche, aber auch Beratungsstellen für den Übergang Schule-Beruf. Im Frühsommer wurde in Chorweiler eine neue Beratungsstelle „Die Chance“ eröffnet, in der Jugendliche beim Übergang von der Schule zum Beruf Hilfen verschiedener Ämter erhalten können. Diese Angebote müssen ausgebaut und auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden, die den Einrichtungen eine nachhaltige und dauerhafte Arbeit zum Wohle der Jugendlichen ermöglicht. Hier liegt im Bezirk Chorweiler wie im übrigen Stadtgebiet einiges im Argen, da viele sinnvolle Jugendprojekte immer nur für einen kurzen Zeitraum finanziert werden. Zusätzlich sollte überlegt werden, wie die ortsansässigen Betriebe stärker in die Jugendausbildung einbezogen werden könnten, da nicht alle Ausbildungsplätze anbieten.
     
  8. Für welche Änderung im Kölner Norden setzen Sie sich mit oberster Priorität ein und warum?
    Die Antwort hierzu ergibt sich aus Frage 5, weil hier realistische Zielsetzungen von mir angesprochen werden, also Verbesserungen im ÖPNV, nachhaltige Konzepte und deren Finanzierung im Kinder- und Jugendbereich, Nutzungskonzepte und wohnortnahe Beratung für Energiespar- und Umweltmaßnahmen und  den Einsatz erneuerbarer Energien in Privathaushalten. Darüber hinaus setze ich mich auch für den Erhalt und Schutz der Landschafts- und Naturschutzgebiete im Bezirk besonders ein.
     
  9. Wie würde sich Ihr Leben ändern, wenn Sie nicht in den Rat der Stadt Köln gewählt werden würden?
    Mein Leben würde sich nicht verändern, da ich derzeit nicht im Stadtrat bin.
     
  10. Und was halten Sie in Bezug auf Ihr Wahlgebiet von dem Spruch „Viele Köche verderben den Brei“?
    In einer Demokratie ist es selbstverständlich, dass nicht die Meinung einer einzelnen Person ausschlaggebend ist, sondern die Mehrheit entscheidet. Für mich ist es vollkommen in Ordnung, dass verschiedene Meinungen und Interessen geäußert werden. Nur so kann es zu einem Interessensausgleich, der dem Allgemeinwohl am ehesten dient, kommen. Wenn gute Köche kooperieren, entsteht ein exzellentes Menü.

    WorringenPur bedankt sich bei Frau Wittsack-Junge für die Beantwortung der gestellten Fragen.

WorringenPur.de/17.08.2009
Fragenstellung: Heike Matschkowski
Foto: Jan Krauthäuser