wp_us2_re_bannerwp_us2_li_banner

Zur Aktualisierung F5 drücken!

Medienvorstellungen vom Jahr 2015 - 2017

Buchvorstellung im Monat April 2017

Bilqiss - Roman von Saphia Azzeddine
Der jungen Witwe Bilqiss wird der Prozess gemacht. Ihr Vergehen: Als der Muezzin zu betrunken ist, um zum Morgengebet zu rufen und seine Frau hilfesuchend bei Bilqiss erscheint, übernimmt diese kurzerhand die Aufgabe und macht ihren eigenen Aufruf. Außerdem trägt sie Stöckelschuhe, Makeup und besitzt einen Lyrikband. Als alleinstehende Witwe ist sie den Männern im Ort schon lange ein Dorn im Auge und so ist das Urteil schnell klar. Sie soll gesteinigt werden. Doch vor Gericht hält Bilqiss flammende Reden und bietet dem Richter die Stirn. Dieser ist auf seltsame Weise von ihr fasziniert. Er verzögert den Prozess und beginnt, Bilqiss regelmäßig in ihrer Zelle zu besuchen.
Saphia Azzeddine hat einen beeindruckenden Roman über eine starke Frau geschrieben, die sich nicht verbiegen lässt und bereit ist, für ihre Überzeugungen zu sterben. Trotz des ernsten Themas erzählt Azzeddine leicht und voller Ironie eine Geschichte, die nachhaltig beeindruckt und einen berührt. Unbedingt lesenswert.

Niemand ist bei den Kälbern - Roman von Alina Herbing
Eine schöne Landschaft, frische Luft und mit dem Liebsten den eigenen Hof bewirtschaften. Das könnte ein wunderschönes Leben sein. Nicht so für Christin. Ihr Freund Jan hängt trotz miserabler Arbeitsbedingungen und schlechter Milchpreise am elterlichen Hof. Christin ist zu ihm gezogen und wird als billige Arbeitskraft ohne Mitspracherecht geduldet und von Jan eifersüchtig kontrolliert. Sie träumt von der Großstadt und einem Bürojob. Ohne Ausbildung weiß sie jedoch keinen Ausweg und ist gefangen zwischen den immer gleichen Freunden und den immer gleichen Dorffesten. Um ihre innere Leere zu füllen sucht Christin die Nähe krimineller Freunde und Trost im Kirsch aus dem Konsum. Bei Reparaturarbeiten am nahegelegenen Windkraftwerk lernt sie den Techniker Klaus kennen und erhofft sich von ihm einen Fluchtweg aus ihrem Leben.
Ungeschönt schildert Alina Herbing das Leben und die Arbeitsbedingungen abseits romantischer Landflucht-Idylle. Mit großer Wucht beschreibt sie die Tristesse des Landlebens und schont mit ihrer direkten Sprache auch den Leser nicht. Ein großartiger Debütroman.

Die kleine Spinne Widerlich: Komm wir spielen Schule - Bilderbuch von Diana Amft und Martina Matos
Die kleine Spinne Widerlich ist ganz aufgeregt, denn bald kommt sie in die Schule. Mit ihrem kleinen Geschwisterchen Mini-Spinni macht sie sich auf den Weg und fragt die anderen Tiere, was man in der Schule lernt. Onkel Langbein erklärt ihnen Mathematik, von Tante Igitte erfahren sie, dass man im Sachunterricht viel über die Natur lernt und Oma Erna, die so schön Geschichten vorlesen kann, übt mit ihnen das Alphabet.
2011 veröffentlichte Diana Amft das erste Bilderbuch von der Spinne Widerlich. Damit möchte sie Kindern die Angst vor Spinnen nehmen. Inzwischen ist die kleine Spinne der Mittelpunkt einer ganzen Reihe. Die einfachen Geschichten mit den süßen Illustrationen eigenen sich wunderbar zum Vorlesen für Kinder ab vier Jahren.

Buchvorstellung im Monat Februar 2017

Hier bin ich - Roman von Jonathan Safran Foer
Jacob Bloch lebt mit Frau und drei Kindern in Washington D. C. und sitzt zwischen allen Stühlen: Sein Großvater soll gegen seinen Willen in ein Altersheim, die Bar Mizwa seines ältesten Sohnes soll gefeiert werden obwohl niemand wirklich religiös ist und seine Frau findet Beweise für einen moralischen Fehltritt. Während sich die häusliche Krise zuspitzt löst ein katastrophales Erdbeben im Nahen Osten einen gewaltigen internationalen Konflikt aus.
Jonathan Safran Foer‘s neues Werk ist nicht nur aufgrund des Umfangs (700 Seiten) ein opulentes Werk. Treffend und humorvoll schildert er den täglichen familiären Wahnsinn vor dem Hintergrund geschichtlicher und politischer Ereignisse. Aber die Fülle der Themen führt leicht dazu, den Leser zu überfordern. Weniger wäre mehr gewesen. Trotzdem ein großartiger und lesenswerter Roman.

Widerfahrnis - Novelle von Bodo Kirchhoff
Kleinverleger Reither musste seinen Verlag schließen und hat sich aufs Land zurückgezogen und in seiner Einsamkeit eingerichtet. Eines Abends steht seine Nachbarin vor der Wohnungstür und lädt ihn ein, mit ihr eine Nachtfahrt zu unternehmen um den Sonnenaufgang zu beobachten. Reither willigt zu seiner eigenen Überraschung ein und gemeinsam machen sie sich auf eine Reise, die sie bis nach Sizilien führt. Seine Begleiterin ist Leonie Palm, eine Hutmacherin, die ihr Geschäft ebenfalls schließen musste und Autorin eines geheimnisvollen Buches ist, das Reither in der örtlichen Bibliothek gefunden hat. Auf der Reise kommen sie sich langsam näher, die Nähe wird allerdings von einem kleinen Mädchen gestört, das sich ihnen anschließt. Offensichtlich handelt es sich um ein unbegleitetes Flüchtlingskind, das kurzerhand von Leonie mit auf die weitere Reise genommen wird.
Bodo Kirchhoff hat zweifellos eine gute Geschichte geschrieben. Irritierend ist allerdings die Erzählform. Die Hauptfigur Reither fungiert als personaler Erzähler, der immer wieder in Konflikt damit gerät, dass das Erlebte so kitschig erscheint, wie er es als Lektor niemals durchgehen lassen würde. Immer wieder korrigiert er Formulierungen, die ihm zu romantisch oder unpräzise erscheinen. Der Stil ist interessant, verhindert aber, dass der Leser Nähe zu den Figuren entwickeln kann und die ganze Geschichte zu konstruiert wirkt.

Ich gebe dir die Sonne - Jugendroman von Jandy Nelson
Wie großartig und poetisch ein Roman werden kann, wenn die Autorin Mut zu großen Gefühle hat, zeigt diese Geschichte über die 14-jährigen Zwillinge Jude und Noah. Die beiden verbindet ein sehr inniges Verhältnis. Noah, sensibel und einzelgängerisch, malt und denkt in Farben und erlebt gerade die erste zaghafte Liebe zu einem Jungen. Die draufgängerische Jude gestaltet Sandfiguren und gehört zur angesagten Clique in der Schule. Die Mutter unterstützt die künstlerischen Ambitionen ihrer Kinder während der Vater als Wissenschaftler wenig Zugang zu deren Welt hat. Drei Jahre später hat sich alles geändert. Jude und Noah sprechen kaum noch miteinander, die Familie scheint auseinandergebrochen zu sein.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der Zwillinge, wobei Noah die Geschichte im Alter von 14 Jahren und Jude im Alter von 16 Jahren erzählt. Im Mittelpunkt des Romans stehen die Konflikte der Heranwachsenden, aber auch die Kraft von Kunst und Kreativität. Ich gebe dir die Sonne ist ein literarisch herausragender Jugendroman, der auch für Erwachsene unbedingt lesenswert ist.

Buchvorstellung im Monat Dezember 2016

Die störrische Braut - Roman von Anne Tyler
Kate Battista hat ihren eigenen Kopf, aber noch nicht viel aus ihrem Leben gemacht. Sie ist von der Schule geflogen, arbeitet wenig motiviert in einem Kindergarten und versorgt als Ersatz für die früh verstorbene Mutter ihre jüngere Schwester Bunny und den verschrobenen Vater. Dieser arbeitet als Wissenschaftler an einem Forschungsprojekt. Als der Vater Kate plötzlich mit ungewohnter Aufmerksamkeit überschüttet, ist sie zu Recht misstrauisch. Die Arbeitserlaubnis seines wissenschaftlichen Assistenten Pjotr läuft ab und er kann nur durch eine Heirat mit einer Amerikanerin vor der Ausweisung bewahrt werden. Kate ist natürlich empört über dieses Ansinnen und muss überrascht feststellen, dass ihre Familie Dankbarkeit erwartet und ihr gar keine eigenen Lebenspläne zutraut.
Der englische Verlag Hogarth Press hat zum 400. Todesjahr von Shakespeare renommierte Autoren gebeten, ein Lieblingsdrama Shakespeares neu zu interpretieren und Anne Tyler hat „Der widerspenstigen Zähmung“ gewählt. Mit leichter Hand hat sie eine amüsante Komödie über eine moderne „Zwangsverheiratung“ geschrieben. Mit feinsinnigem Humor beschreibt sie, wie sich die Familie annähert und Kate ihren persönlichen Weg findet. Anne Tylers neuer Roman ist wie immer ein großes Lesevergnügen.

Letzte Freunde - Roman von Jane Gardam
Nach den Bestsellern „Ein untadeliger Mann“ und „Eine treue Frau“ ist dies der letzte Teil der Trilogie von Jane Gardam. Die Romane erzählen die Geschichte einer lebenslangen Verbindung von drei Menschen im britischen Empire. Im Mittelpunkt dieses Romans steht Terry Veneering. Nach einer harten Kindheit, die ihn zugleich stark gemacht hat, wird Veneering zu einem der glänzendsten Juristen seiner Zeit. Erbitterter Feind und ebenbürtiger Gegner in zahllosen Prozessen ist Edward Feathers. Feathers ist der „untadelige Mann“, würdevoll und ernsthaft, Veneering der charismatische Draufgänger, dessen Charme auch auf Feathers Frau Betty nicht ohne Wirkung bleibt. Erst im Alter, als die beiden Herren zufällig Nachbarn werden, kommt es zu einer Annäherung.
Auch der dritte Roman von Jane Gardam hat den nostalgischen Charme der Vorgänger. Gardam wirft Schlaglichter auf verschiedene Stationen im Leben Veneerings und stellt ein paar Weggefährten, die bereits in den ersten Teilen aufgetaucht sind, ins Rampenlicht. Das wirkt allerdings oft ein bisschen beliebig und wirft mehr Fragen auf, als beantwortet werden. Gardam ist eine wunderbare Erzählerin, aber die Zeitsprünge in den Geschichten sind sehr groß und letztendlich bleiben die Gefühle der Protagonisten doch sehr undeutlich.

Wie man Gespenster verjagt - Bilderbuch von Stefan Gemmel und Cornelia Haas
Wie so viele Kinder hat auch Finn nachts Angst vor Gespenstern. Doch wer sagt eigentlich, dass Gespenster immer gruselig sein müssen? Mit ein bisschen Hexerei verwandelt Finn das Gespenst in ein liebenswertes Kuschelkissen.
Dieses Anti-Gespenster-Bilderbuch ist in witzigen Reimen geschrieben und verströmt mit den wunderbaren Illustrationen einen nostalgischen Charme. Für Kinder ab 3 Jahren.

Buchvorstellung im Monat November 2016

Sozusagen Paris - Roman von Navid Kermani
Ein Schriftsteller ist auf einer Lesereise mit seinem neuen Roman. Er handelt von seiner großen Liebe. Bei einer Lesung in einer Kleinstadt steht sie plötzlich vor ihm. Seit vielen Jahren fragt er sich, ob ihre Jugendliebe auch für sie eine Bedeutung hatte, ob sie vielleicht sogar ihr ganzes Leben von ihm geträumt hat. Gemeinsam folgen sie an dem Abend der Einladung des Buchhändlers zum Essen. Überrascht muss der Autor feststellen, dass seine frühere Liebe verheiratet ist und sich in der kleinen Stadt eine gewisse Stellung erarbeitet hat. Nach dem Essen begleitet er sich nachhause. Ihr Ehemann sitzt im Nebenzimmer, offensichtlich gibt es eine Verstimmung zwischen den Eheleuten. In einer langen Nacht erzählt die Frau von ihrem Leben, ihrer Ehe und ihren Lebenszweifeln, während der Schriftsteller sich im Stillen fragt, was sich aus dem Zusammentreffen ergeben wird.

Der unterhaltsame Roman des Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels 2015 geht der Frage nach, welche unerfüllten Träume einen durchs Leben begleiten und ob man in der Zufriedenheit sein Glück finden kann.

Britt-Marie war hier - Roman von Fredrik Backman
Britt-Marie ist niemand, der andere verurteilt. Bestimmt nicht. Aber eine gewisse Ordnung und Sauberkeit muss sein. Darauf achtet Britt-Marie. Man ist ja schließlich kein Tier. Das trotzdem etwas schiefgelaufen ist in ihrem Leben steht fest, als sie eines Morgens vor einem kleinen Schreibtisch im Arbeitsamt sitzt. Sie musste ihren Mann verlassen und sucht eine Arbeitsstelle und so landet sie als Hausmeisterin in einem eigentlich schon geschlossenen Jugendzentrum in dem sehr verschlafenen Ort Borg. Dort trifft sie auf ein ziemlich schmutziges Gebäude, eine etwas heruntergekommene Pizzeria und ein paar fußballbegeisterte Kinder. Zum Glück hat Britt-Marie keine Vorurteile. Mit dem richtigen Reinigungsmittel wird sie die Situation schon meistern. Und ist, ehe sie sich versieht, Coach einer Fußballmannschaft.

Fredrik Backman ist Spezialist für skurrile Typen und Britt-Marie trifft einen mitten ins Herz. Humorvoll treibt Backman die Marotten seiner Figuren auf die Spitze und trifft dabei doch genau den Ton von Melancholie, der seine Romane zu mehr als nur einem seichten Leseerlebnis macht.

Neue Kinderbücher in der Bücherei

Die Leseförderung ist eine wichtige Aufgabe der Büchereien. Zusammen mit den Schulen und Kindergärten werden viele Aktionen durchgeführt, um die Kinder ans Lesen heranzuführen. Dazu gehört eine gut aufgestellte Kinderbuchabteilung. Dank einer Spende der Sparkasse KölnBonn konnte der Buchbestand um aktuelle Bilderbücher und Erstlesebücher ergänzt werden. Das Team der KÖB bedankt sich für die Unterstützung.

Buchvorstellung im Monat Oktober 2016

Ein wenig Glück - Roman von Claudia Pineiro
Im wieder tauchen Bilder auf: ein Bahnübergang, eine heruntergelassene Halbschranke, ein rotes Licht und noch immer kein Zug. In der wartenden Fahrzeugschlange befindet sich auch Mary Lohan mit ihrem sechsjährigen Sohe und dessen Freund. Ein Auto nach dem anderen ignoriert das Warnlicht und überquert den Bahnübergang. Auch Mary entscheidet sich nach langem Zögern, den Bahnübergang zu überqueren. Eine folgenschwere Entscheidung, die zu einer Katastrophe führt. Von Schuldgefühlen zerstört verlässt Mary ihre Familie. Zwanzig Jahre später: Aus beruflichen Gründen kehrt Mary in die Heimat zurück. Sie hat sich verändert und hofft, nicht erkannt zu werden. Angst, Hoffnung und Zweifel begleiten sie. Wie ist es ihrem Sohn ergangen?

Mitfühlend, aber ohne Pathos, erzählt Pineiro die Geschichte einer Frau, die große Schuld auf sich geladen hat und damit leben muss. Die eine Entscheidung treffen musste, die vielleicht richtig, vielleicht aber auch falsch war. Die ihr Schicksal angenommen hat und nach vielen Jahren den Mut für eine Aufarbeitung aufbringt. Sehr empfehlenswert!

Das Café der kleinen Wunder - Roman von Nicolas Barreau
Die fünfundzwanzigjährige Eleonore ist Studentin und heimlich in ihren Professor verliebt. Als er sie zu einer Dienstreise nach New York einlädt bietet sich ihr die Chance, ihm endlich näher zu kommen. Wenn da nicht ihre irrationale Flugangst wäre. Nach seiner Rückkehr muss sie feststellen dass eine andere Frau die Gunst der Stunde genutzt hat und sich „ihren“ Professor geangelt hat. Von Liebeskummer und einer Erkältung niedergeworfen verbringt Eleonore den Jahreswechsel im Bett. Beim Aufräumen findet sie in einer Kiste, die sie von ihrer Großmutter geerbt hat, einen Roman mit einer Widmung. Die Spur führt nach Venedig. Kurzentschlossen bricht Eleonore auf in die Lagunenstadt und zu einem spannenden Abenteuer.

Nicolas Barreau wird von seinen LeserInnen geliebt für seine romantischen Geschichten, die in Paris ihren Ausgangspunkt haben. Warmherzig, humorvoll und mit viel Lokalkolorit wird auch dieser Roman seine Fans begeistern.

Außerdem neu in der Bücherei: Die Spiele des Jahres

Kinderspiel des Jahre 2016
Stone Age Junior (Verlag Hans im Glück)

Spiel für 2 – 4 Spieler ab 5 Jahren

Wie die Menschen in der Steinzeit ihre Welt eroberten und gestalteten, stellt dieses Spiel sehr einprägsam, spannend und kindgerecht dar. Auf den Feldern des Spielplans bekommt man Rohstoffe, geht in den Tauschhandel oder baut Hütten – wofür man allerdings ganz bestimmte Materialien benötigt. Wohin man seine Figur bewegen darf, bestimmen verdeckt liegenden Plättchen am Spielfeldrand; die muss man erst einmal erkunden und sich dann merken, wo was liegt, um gezielt an seinem Dorf zu bauen: Wer als Erster drei Hütten errichtet hat, gewinnt. Ein anspruchsvolles „Kennerspiel“ für Kinder, das Planung und ein gutes Gedächtnis erfordert: Wer sich auf die taktischen Herausforderungen einlässt, wird mit einem reichhaltigen Spielerlebnis belohnt.

Spiel des Jahres 2016
Codenames (Verlag Czech Games Edition)
Spiel für 2 – 8 Spieler ab 10 Jahren

Zwei Geheimdienstchefs wollen ihren Teammitgliedern mitteilen, welche Agenten zur eigenen Organisation gehören. Da die Konkurrenz zuhört, suchen sie abwechselnd Assoziationen, um die Codenamen der Spione zu umschreiben. Es dürfen aber lediglich minimale Informationen übermittelt werden: immer nur ein Wort und eine zugehörige Zahl. Letztere gibt einen Hinweis darauf, wie viele Codenamen eigener Spione zum genannten Begriff passen. Je mehr, desto besser. Eine nur von den Geheimdienstchefs einsehbare Matrix bestimmt, welche der 25 ausliegenden Wortkarten die Agenten oder nur unbeteiligte Personen sind. „Fluss - 3“ soll auf „Bach“, „Bett“ und „Po“ hindeuten. Versteht mein Team das? Ein falscher Tipp beendet den Zug. Wer hat zuerst all seine Agenten erraten? Aber Vorsicht! Es lauert auch ein Attentäter …

Kennerspiel des Jahres 2016
Isle of Skye (Verlag Lookout Spiele)

Spiel für 2 – 5 Spieler ab 8 Jahren

Wer wird König der Insel Skye? Um diesen Titel wetteifern die Häuptlinge, indem sie ihr Clangebiet ausbauen. Jeweils ausgehend von ihrer eigenen Burg legen die Spieler Landschaftsplättchen an. So gewinnen sie Wiesen, Gewässer und Gebirge hinzu, mehren den Tierbestand, errichten neue Bauwerke, steigern das Einkommen. Aber nur wer geschickt Handel treibt und weitsichtig mit seinem Geld umgeht, erhält die gewünschten Ausbauten. Wie das? In jeder Runde legen die Spieler Preise für ihre Plättchen fest und binden so zunächst Kapital. Vorkaufsrecht haben aber die Kontrahenten. Was nicht verkauft wird, muss selbst bezahlt werden. Wer macht Schnäppchen? Wer zahlt zu viel für Ladenhüter? Wer kriegt die passenden Plättchen, um möglichst gut die stets neue Kombination an Wertungskriterien zu erfüllen?

Buchvorstellung im Monat September 2016

Erst Grau dann weiß dann blau - Roman von Margriet de Moor
Ein kleiner Ort in den Niederlanden. Hier leben Robert und Magda ein beschauliches und zufriedenes Leben. Doch die Idylle trügt. Eines Tages verschwindet Magda spurlos. Nach zwei Jahren taucht sie wieder auf und setzt ihr altes Leben unbeschwert fort. Was sie in dieser Zeit erlebt hat, erzählt sie nicht. Ihr Mann verkraftet ihre Schweigsamkeit nicht und es kommt zur Katastrophe.
Robert hatte Magda auf einer Reise in Nordamerika kennengelernt, wohin sie mit ihrer Mutter emigriert war. Sie heiratet den zunächst bindungsunwilligen Holländer und folgt ihm nach Europa. Dort übernimmt Robert, der einst sein Jurastudium abbrach, um Künstler zu sein, die kleine Stahlfabrik  seines Vaters und wird zu einem Managertyp, der seiner Frau ein gutes Leben bieten kann. Mit dem Ehepaar Erik und Nellie und ihrem behinderten Sohn pflegt Magda eine unverbindliche Freundschaft. Alles wirkt sehr harmonisch, umso schockierender wirkt die Flucht Magdas.
Margriet de Moor’s bereits 1993 veröffentlichter Roman ist in diesem Jahr „Ein Buch für die Stadt“ und darum erfreulicherweise noch einmal als Sonderauflage erschienen. Wie im Vorwort dieser Ausgabe geschildert, handelt es sich „um ein Kammerstück über die Liebe“. Wieviel Nähe und Offenheit braucht eine Beziehung, wieviel Distanz kann sie aushalten? Jede Figur des Romans beantwortet diese Frage für sich. „Erst grau dann weiß dann blau“ ist ein leicht zu lesender Roman, lediglich die wechselnden Perspektiven und Zeitsprünge sind am Anfang etwas verwirrend.  Um Objektiv zu bleiben empfiehlt es sich, das Vorwort der Sonderausgabe erst zum Schluss zu lesen.

Die Vegetarierin - Roman von Han Kang
Yeong-Hye ist eine farblose, unscheinbare Frau. Genau aus diesem Grund hat ihr Ehemann sie ausgewählt. Sie scheint ihm ein Garant für ein friedliches anspruchsloses Leben zu sein, wie er es sich vorstellt. Das ändert sich, als Yeong-Hye Vegetarierin wird. Schreckliche Alpträume bringen sie um ihren Schlaf und sie glaubt, nur durch den völligen Verzicht auf tierische Produkte wieder zur Ruhe zu kommen. Durch die neue Lebensweise wird sie immer dünner und sonderbarer. Ihr Mann reagiert zunächst mit Verständnislosigkeit, dann mit Aggression. Auch ihre Familie ist schockiert und bei einem gemeinsamen Abendessen eskaliert die Situation. Ihr Ehemann verlässt sie und nur ihr Schwager, ein Videokünstler, sucht Kontakt zu ihr. Erzählungen über den „Mongolenfleck“ auf Yeong-Hye’s Rücken haben ihn fasziniert. Die Idee, ihren Körper zu bemalen und zu filmen, entwickelt sich zu seiner Obsession und als Yeong-Hye sich darauf einlässt, führt das zur nächsten Katastrophe. Am Ende des Romans besucht die Schwester Yeong-Hye in der Psychatrie. Yeong-Hye verweigert inzwischen jegliche Nahrungsaufnahme und träumt davon, sich in einen Baum zu verwandeln.
Han Kang erhielt in London für den Roman „Die Vegetarierin“ den Man Booker International Prize 2016 und die Vielfalt der Besprechungen zeigt, welche Kraft dieses schmale Buch hat. Als Meisterwerk gefeiert, aber auch als verstörend und provokativ empfunden, berührt es seine LeserInnen. Es stellt Fragen über den Abgrund der menschlichen Psyche und bietet keine Antworten. Ein empfehlenswertes Leseerlebnis, das lange nachwirkt.

Magic Cleaning - Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert - Sachbuch von Marie Kondo
Marie Kondo’s „Aufräumbuch“ ist bereits 2011 erschienen und jetzt wieder auf den Bestsellerlisten gelandet. Da stellt sich die Frage, was diesen Ratgeber von der Vielzahl ähnlicher Bücher unterscheidet. Während die meisten dazu anleiten, den Haushalt besser zu organisieren und Kleidung und Dinge danach zu beurteilen, ob man sie braucht und wann man sie zuletzt genutzt hat verfolgt Marie Kondo einen anderen Ansatz: Macht mich dieses Teil glücklich? Fühle ich mich wohl in meiner Umgebung und den Dingen, die sich dort im Laufe des Lebens angesammelt haben oder sind sie Ballast, den ich mit mir rumschleppe und der mich blockiert? Ihr Buch richtet sich dabei nicht nur an „Messies“ sondern gibt allgemein Hilfestellung bei der Aufgabe, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Auch wenn die Marie-Kondo-Methode nicht unbedingt das Leben verändert bietet sie doch einige Anregungen, die über die üblichen Ratgeber hinausgehen.

Buchvorstellung im Monat Juli 2016

Sommer, Sonne, Strand und Bücher!
Auch in diesem Jahr finden Sie in der Katholischen öffentlichen Bücherei wieder eine große Auswahl an „leichter“ Unterhaltung für den Urlaubskoffer. Hier eine  Auswahl unserer aktuellen Taschenbücher:
Auf die Fans von Sophie Kinsella wartet der neue Roman „Shopaholic & Family“. Humorvolle und romantische Unterhaltung bieten die aktuellen Romane  von Marian Keyes „Mittelgroßes Superglück“ und Frauke Scheunemann „Ziemlich unverhofft“.
Der Roman von Jennifer Niven „All die verdammt perfekten Tage“ erzählt  mit Leichtigkeit und Melancholie die Geschichte einer Teenagerliebe, „Versprich mir, dass es großartig wird“ von Judith Pinnow handelt von einer Frauen-Freundschaft.

Witzige  und moderne Liebesromane sind „Eigentlich bist du gar nicht mein Typ“ von Anna Bell und „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ von Petra Hülsmann. In frühere Jahrhunderte und an magische Orte entführen die Romane „Die Reise der Amy Snow“ von Tracy Rees und „Das tiefe Blau des Meeres“ Marie Lamballe. Spannende Unterhaltung bietet der Thriller „Seelenblind“ von Catherine Shepherd, der seine Leser mitnimmt auf eine Reise nach Zons in das Jahr 1497.

Tipp: Unterhaltsam, aber mit Tiefgang sind die Romane von Matthew Quick, dessen Roman „Silver Linings“ bereits verfilmt wurde und der mit „Flugstunden“ wieder einen wunderbaren Roman mit skurrilen Figuren geschrieben hat.
Auch die Leserinnen und Leser, die im Urlaub gerne einen dicken Schmöker lesen oder aktuelle Thriller suchen, werden sicherlich unter den über 370 Neuerscheinungen, mit denen wir den Bestand der Bücherei im ersten Halbjahr 2016 ergänzt haben, etwas finden.

Die Öffnungszeiten der Bücherei: Dienstags 15.00 bis 17.00 Uhr, mittwochs 9.00 bis 11.00 Uhr, sonntags 10.30 bis 12.30 Uhr.
Vom 17.07.2016 bis zum 21.08.2016 ist die Bücherei nur sonntags geöffnet.

Buchvorstellung im Monat Mai 2016

Unterleuten - Roman von Juli Zeh
Unterleuten ist ein typisches Dorf irgendwo in Brandenburg. Die Einwohner führen ein beschauliches Leben und die ländliche Idylle lockt Aussteiger aus dem nahegelegenen Berlin an. Doch unter der Oberfläche schwelen alte Konflikte. Das bekommen auch die Neuen zu spüren. Als der Bau eines Windparks angekündigt wird, spinnen alle ihre eigenen Intrigen und die anscheinend friedliche Dorfgemeinschaft steuert unaufhaltsam auf eine Eskalation zu. Zu den Beteiligten gehören ein Investor, ein gutmütiger, aber machtloser Bürgermeister, zwei verfeindete Männer, ehrgeizige Frauen, ein Kleinkrimineller mit Amnesie und zahlreiche Mitläufer. Und mittendrin zwei zugezogene Paare, die vergeblich versuchen, die Strukturen zu durchschauen und ebenfalls mitzumischen.

Juli Zeh entfaltet ein Kaleidoskop von individuellen und doch typischen Charakteren. Die Ereignisse werden abwechselnd von verschiedenen Personen erzählt, so dass der Leser immer wieder die Perspektive wechseln kann. „Unterleuten“ ist ein großer Gesellschaftsroman, unterhaltsam, gesellschaftskritisch und spannend. Unbedingt lesenswert. (Übrigens: Unter www.unterleuten.de kann man einen virtuellen „Rundgang“ durch das Dorf machen)
‚Wenn ich eins in Unterleuten gelernt habe, dann, dass jeder Mensch ein eigenes Universum bewohnt, in dem er von morgens bis abends recht hat.' (Zitat: Juli Zeh)

Ein Mann namens Ove - Roman von Fredrik Backman
Der Eigenbrötler Ove nervt seine Nachbarschaft mit seinen Macken und seinem Kontrollwahn, der sich nach dem Tod seiner Frau noch verstärkt. Als er unfreiwillig in den Ruhestand geschickt wird, plant er, aus dem Leben zu scheiden. Gestört werden seine Pläne von einer jungen Familie, die in der Nachbarschaft einzieht.
Wie schon die Inhaltsbeschreibung vermuten lässt, handelt es sich bei „Ein Mann namens Ove“ um einen schlichten und vorhersehbaren Roman, den nur die LeserInnen „tragikomisch“ finden werden, die solche Menschen nicht im Bekanntenkreis haben. Nur in Romanen verbirgt sich hinter einem Ekelpaket ein sensibler Mensch mit einem goldenen Herzen. Im wirklichen Leben nerven sie und machen ihren Mitmenschen das Leben schwer. Meistens jedenfalls. Vielleicht sollte man den Roman trotzdem lesen, einfach um sie mit Humor zu betrachten.

Neuland - Sachbuch von Ildikó von Kürthy

Was kommt noch, wenn man bzw. frau in der Mitte des Lebens steht, viele Ziele erreicht, Träume erfüllt und Schlachten geschlagen sind? Frau von Kürthy hat sich im Selbstversuch ein Jahr auf einen Selbstfindungstrip begeben. Mit allem Drum und Dran: Alkoholverzicht, Pilates, Diät, Personaltrainer, Extensions, Survivaltrip und was es im großen Topf der Möglichkeiten noch so gibt. Ihren Erkenntnisgewinn teilt sie mit ihren Leserinnen. An einer Stelle im Buch heißt es: “Man muss ja nicht alles denken, bloß weil es einem in den Kopf kommt.“ Man muss auch nicht alles lesen, bloß weil es auf der Bestsellerliste steht. Trotzdem vielen Dank an Frau von Kürthy, dass sie den ganzen „Quatsch“  stellvertretend ausprobiert hat. So bleibt allen anderen Frauen mehr Zeit, ihr Leben sinnvoll zu füllen.

Buchvorstellung im Monat April 2016

Ein untadeliger Mann - Roman von Jane Gardam
Edward Feathers ist ein angesehener, ehemaliger Kronanwalt Honkongs und kehrt als alter Mann nach England zurück. Sein korrektes Auftreten, seine untadelige Erscheinung und seine vorbildlichen Manieren haben ihn zu einer Institution gemacht. Inzwischen 80jährig und verwitwet versucht er, mit den Unannehmlichkeiten des Alters zurechtzukommen. Als einer seiner früheren Erzfeinde im Nachbarhaus einzieht, steigen Erinnerungen in ihm auf. Er war ein Raj-Kind. In Malaysia geboren wurde er von seinem kaltherzigen Vater, die Mutter war bei seiner Geburt gestorben, als Kind zur weiteren Erziehung und Bildung zu einer Pflegefamilie nach England geschickt. Damit begann ein Leidensweg, der von einer Katastrophe überschattet ist, die er tief in seinem Herzen vergraben hat. Mit Ehrgeiz, Glück und der beständigen Unterstützung seiner Frau Betty hat er alles hinter sich gelassen, Karriere gemacht und ein erfolgreiches und ausgefülltes Leben geführt. Doch jetzt brechen alte Erinnerungen wieder auf.
Durch den Roman weht der Geist des Britisch Empire und entfaltet das Porträt eines Mannes, der alle Widrigkeiten des Lebens mit Haltung ertragen hat. Seine jungen Kollegen, in deren Augen er ein Langweiler war, fragen sich, was eigentlich Besonderes an ihm war: Nichts und doch alles. Sehr lesenswert. Gerade erschienen ist der zweite Band „Eine treue Frau“, in der Jane Gardam die Geschichte aus Sicht der Ehefrau Feathers schildert, ein weiterer Band aus der Sicht eines Freundes der Familie liegt noch nicht in deutscher Übersetzung vor.

Wir sahen nur das Glück - Roman von Grégoire Delacourt
Antoines Aufgabe als Gutachter einer Versicherung ist es, Menschenleben zu bewerten. Neutral und emotionslos, im Sinne seines Arbeitgebers, der im Schadensfall natürlich möglichst wenig bezahlen will. Cool und diszipliniert erfüllt Antoine diese Aufgabe und hat offenbar alles im Griff. Erst als seine Ehe zerbricht und er seinen Job verliert, tritt das Ausmaß seiner inneren Zerrüttung zutage. Seine Eltern, insbesondere sein Vater, waren unfähig, ihm Liebe zu geben und offensichtlich ermöglichen es ihm seine Defizite nicht, eine glückliche Beziehung zu führen und ein normales, liebevolles Verhältnis zu seinen Kindern aufzubauen. Sein Leben steuert auf eine Katastrophe zu und zieht ihn in einen Abgrund, in den er auch seine Tochter mitreißt.
Was als sommerleichte Lektüre daher kommt erweist sich als emotionsgeladene Geschichte, die einen beinahe sprachlos zurück lässt. Ein strahlendes Happy End, soviel sei verraten, gibt es nicht. Allenfalls ein kleines Licht am Horizont für ein Leben, dessen Wert auf null gefallen ist.

Die rote Olivetti - Autobiografie von Helge Timmerberg
„Das Buch behandelt meinen Weg als Journalist, von Bielefeld, über Havanna bis zum Himalaya. Es geht dabei auf und ab, wie das Leben halt so ist. Ich bin geflogen und auf die Schnauze gefallen, habe geliebt und gelitten, bin ziemlich scharf geritten und alles in allem war es geil.“ (Helge Timmerberg)
Helge Timmerberg ist ein Besessener. Besessen vom Leben, vom Reisen und vom Schreiben. Nur so lassen sich seine Abenteuerlust und seine Exzesse erklären. Seine Autobiografie zeigt, dass er kaum etwas ausgelassen hat - Partys, Drogen, Frauen - und dabei immer auf der Suche nach guten Geschichten und den Menschen dahinter war. Authentisch beschreibt er seine Glücksmomente, seine Abstürze und das ständige, oft qualvolle Ringen um gute Texte. Sein immer humorvoller und menschenfreundlicher Blick auf das Leben machen sowohl dieses Buch als auch seine Reportagen besonders lesenswert. (Ebenfalls von Helge Timmerberg in der Bücherei: Der Jesus vom Sexshop)

Buchvorstellung im Monat März 2016

Ein ganz neues Leben - Roman von Jojo Moyes
In ihrem ersten Roman „Ein ganzes halbes Jahr“ hat Jojo Moyes die Geschichte von Louisa Clark und Will Traynor erzählt. Es ist die Geschichte einer großen Liebe. Doch Will war unheilbar krank und Louise musste ihn gehen lassen. Nach seinem Tod fristet sie ihr Dasein in einem tristen Appartement und schafft es nicht, das Leben zu führen, dass Will sich für sie gewünscht hat. Bis sie eines Tages vom Dach fällt, ein junges Mädchen mit einer überraschenden Geschichte vor der Tür steht und in ihrem Elternhaus plötzlich alles drunter und drüber geht.

Anrührend und einfühlsam erzählt Jojo Moyes in diesem Roman, wie Louisa den Weg zurück ins Leben findet. Auch wenn die Fortsetzung nicht an den ersten Roman heran reicht, möchte man doch Louisa weiter durch ihr Leben begleiten. Empfehlenswert für LeserInnen, die schon den ersten Band verschlungen haben.

Die goldenen Jahre - Roman von Ali Eskandarian
Ali Eskandarian, Jahrgang 1978, wuchs zunächst in Teheran auf. Die Familie emigrierte über Deutschland nach Amerika, wo Eskandarian seine Teenagerjahre verbrachte. Die goldenen Jahre ist ein halb-autobiografischer Roman eines zerrissenen Künstlers auf der Suche nach Identität, Sinn und dem richtigen Leben. Zuletzt lebte er mit seinen Freunden in einem leerstehenden Fabrikgebäude in Brooklyn. Sein Leben besteht aus Musik, Feiern, Drogen und Sex, doch Ali weiß, dass das für ihn nicht alles sein kann. Er fängt an zu schreiben und schildert poetisch, ehrlich und oft auch drastisch in der Sprache sein Leben am Rande des Abgrunds. Im November 2013 wurde Ali Eskandarian zusammen mit zwei Mitgliedern der Band „Yello Dogs“ erschossen. Der Verlag nennt seinen von Kritikern hochgelobten Roman das „Literarische Testament eines großen Künstlers“. Ein sehr emotionaler und lesenswerter Roman.

Verzeihung - Bilderbuch von Daniel Miyares

Ein gelber Vogel sitzt allein auf einer kleinen Insel im Wasser. Doch dann ist es mit seiner Ruhe vorbei. Mit einem „Verzeihung“ lassen sich nach und nach weitere Tiere auf seinem Platz nieder und es wird sehr eng. Mit leicht sarkastischem Humor lässt es sich der kleine Vogel gefallen. Doch als der Fuchs vom Ufer aus „Verzeihung, aber…“ ruft platzt dem kleinen Vogel der Kragen und er explodiert vor Wut. Aber was wollte der Fuchs ihm eigentlich sagen?
Verzeihung ist ein witziges und farbenfrohes Bilderbuch.

Buchvorstellung im Monat Januar 2016

So fängt das Schlimme an - Roman von Javier Marias
Juan de Vere, der Ich-Erzähler, erzählt im Rückblick über seine Zeit bei dem Regisseur Eduardo und dessen Frau Beatriz. Als Assistent und engster Vertrauter geht er bei dem Ehepaar ein und aus. Eines nachts beobachtet er, wie Beatriz an die Schlafzimmertür ihres Mannes klopft und von diesem auf beleidigende und entwürdigende Weise abgewiesen wird. Er selbst schwärmt für Beatriz und muss erleben, dass sie in einer unglücklichen Ehe gefangen ist zu einer Zeit, in der Scheidungen noch nicht möglich sind. Ein tragisches Ereignis aus der Vergangenheit scheint über der Verbindung zu liegen.
Javier Marias ist ein weltweit erfolgreicher spanischer Autor großer Romane, die sich durch einen sehr eigenen Schreibstil auszeichnen. Seitenlange Sätze voller geschichtlicher und philosophischer Abschweifungen erfordern vom Leser eine hohe Konzentration. Wer sich darauf einlassen kann, wird mit einem opulenten Roman belohnt, der zu Recht als Weltliteratur bezeichnet wird.

Um es kurz zu machen: Über das unverschämte Glück, auf der Welt zu sein - Geschichten von Meike Winnemuth

Meike Winnemuth ist freie Journalistin und wurde einem größeren Publikum durch ihren Auftritt bei Günther Jauch in „Wer wird Millionär“ bekannt. Danach schrieb sie den Bestseller „Das große Los. Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“. Dieses Buch ist eine Sammlung ihrer Kolumnen, die unter anderem im Stern und der Cosmopolitan veröffentlicht wurden. Um es kurz zu machen: Das Buch macht gute Laune. Meike Winnemuth ist witzig, experimentierfreudig und betrachtet die Tücken des Alltags mit Humor. Wer die Welt durch ihre Brille sieht, kann sich so manchen Ratgeber sparen.


Der Wolf, der aus dem Buch fiel - Bilderbuch von Grégoire Mabire und Thierry Robberecht

Pech für den Wolf: Das Bücherregal im Kinderzimmer ist so vollgestopft, dass ausgerechnet das Buch mit seiner Geschichte runterfällt und er herauspurzelt. Als er sich erschrocken im Kinderzimmer umsieht entdeckt er eine Katze, die es offensichtlich auf ihn abgesehen hat. Hastig versucht er, in den herumliegenden Büchern Unterschlupf zu finden. Doch überall wo er eintaucht wird er verjagt. Bis er in einem Märchenwald landet und dort auf ein Mädchen mit einem roten Käppchen trifft, das offensichtlich auf ihn gewartet hat.
Dieses wunderschön illustrierte Bilderbuch basiert auf einer originellen Idee. Leider ist es textlich sehr dünn, man hätte gerne noch mehr Abenteuer mit dem „bösen Wolf“ erlebt. Trotzdem ein Lesevergnügen für Kinder ab 4 Jahren.

Buchvorstellung im Monat Dezember 2015

Gehen, ging, gegangen - Roman von Jenny Erpenbeck
Richard lebt in Berlin, ist emeritierter Professor und Witwer. Durch die Freistellung von seinen beruflichen Verpflichtungen hat sein Alltag seine Struktur verloren. Er hat viel Zeit und weiß nicht wie er sie füllen soll. Bei seinen Rundgängen durch die Stadt wird er auf eine Gruppe von Flüchtlingen aufmerksam, die auf dem Oranienplatz campieren. Einige werde in einem Altenheim in seiner Nähe untergebracht. Er plant ein Projekt, um die Situation der Menschen zu dokumentieren und besucht sie in ihrer Unterkunft. Persönlich erhofft er sich von ihnen Antworten auf seine Fragen über den Lauf der Zeit und deren sinnvolle Nutzung.
Jenny Erpenbeck hat einen Roman geschrieben, der eine überraschende Aktualität bekommen hat und sicherlich auch deshalb in diesem Jahr den Deutschen Buchpreis erhielt. In weiten Strecken liest sich die Geschichte wie ein Sachbuch mit vielen Informationen über die Herkunft und die rechtlichen Probleme der Flüchtlinge. Trotz der geschilderten Schicksale bleibt der Roman emotional an der Oberfläche. Lesenswert macht ihn seine Aktualität.

Der erste Tag vom Rest meines Lebens - Roman von Lorenzo Marone
Cesare ist 77 Jahre, Witwer und genießt die Vorteile des „Altseins“: Er nimmt keine Rücksicht auf die Erwartungen seiner Umwelt und begegnet seinen Mitmenschen mit Stoffeligkeit und Sarkasmus. Die Fürsorge seiner Tochter lässt er missmutig über sich ergehen, den Kontakt zu seinem Sohn reduziert er auf ein Minimum. Für seine persönlichen Bedürfnisse unterhält er eine lockere Beziehung zu einer Bekannten. Als im Haus eine junge Frau einzieht, die offensichtlich von ihrem Freund misshandelt wird, sieht er sich genötigt, sein Schneckenhaus zu verlassen.
„Der erste Tag vom Rest meines Lebens“ ist ein humorvoller Roman über einen kauzigen alten Mann, der sich mürrisch und gefühllos gibt und dabei die Fehler in seinem Leben sehr wohl erkannt hat. Und nicht nur dem Leser, sondern am Ende auch seinen Kindern einen Blick in sein Innenleben gestattet. Dass es dabei weder gefühlsduselig noch kitschig wird, liegt am wunderbaren Schreibstil des Autors Lorenzo Marone. Lesenswert!

Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen - Kinderbuch von Toon Tellegen und Marc Boutavant

Der Elefant ist wütend auf sich selbst, der Käfer und der Regenwurm sind wütend auf einander und der Igel weiß gar nicht, was das für ein Gefühl ist: Wut. Mal kommt sie aus dem nichts, mal staut sie sich auf und manchmal stellt sie sich nicht ein, obwohl man doch allen Grund hätte, mal richtig wütend zu sein. In zwölf unkonventionellen Geschichten geht es um ein Gefühl, mit dem oft schwer umzugehen ist. Dabei verzichten die Autoren auf den moralischen Zeigefinder und lassen die Episoden für sich wirken. Das Cover und die Illustrationen sind farbenfroh, wirken jedoch leider etwas antiquiert. Das Buch ist wunderbar zum Vorlesen geeignet und wird sicherlich manchem kleinen Wut- und Trotzköpfchen das tröstende Gefühl geben, mit diesen anstrengenden Empfindungen nicht allein zu sein.

Buchvorstellung im Monat November 2015

Das Liebesleben des Nathaniel P. - Roman von Adelle Waldman
Nathaniel P. ist ein typischer Vertreter des modernen Mannes: Selbstreflektiert, kontaktfreudig und ein Frauenversteher. Der Mittdreißiger hat gerade seinen ersten Roman auf den Weg gebracht und ein großzügiger Vorschuss gestattet ihm einen etwas gehobeneren Lebensstil. Ein großer Freundeskreis, Partys und seine schriftstellerischen Arbeiten füllen sein Leben aus. Nur die Suche nach der idealen Frau gestaltet sich schwierig. Die bisherigen Beziehungen sind gescheitert. Endlich scheint mit der intelligenten und selbstbewussten Hannah die richtige Frau in sein Leben getreten zu sein. Doch auch diese Beziehung droht in einem Kreislauf von Zweifeln und unterschwelligen Vorwürfen zu enden.
Es wird viel reflektiert und diskutiert in Adelle Waldmans hoch gelobtem Romandebüt, das in Amerika zu einem Bestseller wurde. Auf unterhaltsame Weise schreibt sie über das Suchen und Scheitern der Liebe in modernen Großstädten und die ewige Frage, wie Beziehungen gelingen - oder auch nicht.

Treibsand
Was es heißt, ein Mensch zu sein - Biografischer Roman von Henning Mankell


Der Schwede Henning Mankell ist Autor zahlreicher internationaler Bestseller, in Deutschland ist er vor allem bekannt und beliebt durch seine Krimi-Reihe mit Kommissar Wallander. Am 5. Oktober 2015 ist Mankell an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Die Diagnose veranlasste ihn zum Schreiben des biografisch gefärbten Romans „Treibsand“. Darin verwebt er eigene Erlebnisse und kulturgeschichtliche und politische Ereignisse zu einem sehr persönlichen Buch. Er erzählt von der Bedeutung, die Kunst, Musik und Literatur in schweren Momenten für ihn hatten und dass das Leben für ihn trotz globaler und privater Katastrophen lebenswert ist. Ein facettenreicher Roman eines engagierten Autors und interessanten Menschen.


Schon gehört? - Bilderbuch von Baltscheit & Schwarz
Der Flamingo steht am See und schläft. Ein Storch kommt vorbei und spricht ihn an. Doch der Flamingo antwortet nicht. Weil er ja schläft. Aber vielleicht ist er auch zu eingebildet, um mit den anderen zu sprechen? Schließlich trägt er Schuhe aus Lack und Federn aus Gold. Überhaupt scheint er etwas Besseres zu sein. Immer mehr Tiere kommen zusammen und immer wilder werden die Gerüchte über den Flamingo.
In diesem herrlich illustrierten Bilderbuch wird wunderbar dargestellt, wie Gerüchte auf die Spitze getrieben werden, während das Opfer doch eigentlich nur ein Nickerchen macht. Sehr witzig


Buchvorstellung im Monat Oktober 2015

Der Susan Effekt - Roman von Peter Hoeg
Susan ist Ehefrau und Mutter zweier fast erwachsener Kinder. Die Familie ist auseinandergebrochen, jeder geht seine eigenen Wege. Susan ist Experimentalphysikerin und sie hat eine besondere Gabe: in ihrer Gegenwart sagen Menschen immer die Wahrheit. Diese Fähigkeit hat sie viele Male im Einsatz für den Staat bei Verhören angewendet. Als die Familienmitglieder in Schwierigkeiten stecken und ihnen langjährige Gefängnisstrafen drohen, bietet ihr ein Mitarbeiter des Justizministeriums seine Hilfe an, wenn Susan ihre Gabe noch einmal für den Staat einsetzt. Sie soll die Mitglieder einer Organisation ausfindig machen, die sich Zukunftskommission nannte und sich aufgelöst hat, nachdem sie offenbar wichtige Erkenntnis für die Zukunft gewonnen hat. Susan sagt zu und so kommt die Familie in ihrem Zuhause in Kopenhagen wieder zusammen und befindet sich mitten in einem dramatischen und lebensgefährlichen Auftrag.
Peter Hoeg’s Roman ist ein unterkühlter Thriller, bei dem sich die Spannung nicht richtig aufbaut. Die Story, die hinter der Zukunftskommission steckt, ist nicht besonders originell und Exkurse in die Physik fördern den Lesefluss nicht unbedingt. Lesenswert macht den Roman die Hauptfigur: Susan ist eine sehr verstandesorientierte Frau, die einen trockenen Humor hat, auch ihr Privatleben wissenschaftlich analysiert und mutig und selbstbewusst ihren Auftrag durchzieht.

Helenas Männer - Roman von Franziska Stalmann

Helena hat ihr Leben (und ihre Männer) im Griff. Sie hat einen Sohn, einen Freund, mit dem sie glücklich ist, und kümmert sich ein wenig um ihren Vater. Nachdem ihre Mutter gestorben ist häufen sich die Anzeichen, dass es ihrem Vater nicht gut geht und er nicht mehr allein leben kann. Zögernd willigt sie ein, mit ihrem Sohn zurück ins Elternhaus zu ziehen, damit der Vater nicht mehr alleine ist. Doch dieser erholt sich schnell, Damenbesuch gibt sich die Klinke in die Hand und auch der Sohn richtet es sich zunehmend gemütlicher im Hotel Mama ein. Helena fühlt sich allein und ausgenutzt. Nur ihr Exmann sieht, dass es Helena nicht gut geht und lädt sie zu einer Reise ein. Dabei erwachen alte Gefühle.
„Helenas Männer“ ist ein unterhaltsamer Frauenroman. Leichte Unterhaltung für ein verregnetes Wochenende.

Spinderella - von Roberto Fraga / Verlag: Zoch
2 - 4 Spieler - ab 6 Jahren - ca. 20 Minuten
Spinderella besteht aus zwei Spielebenen. Auf dem Waldboden laufen Ameisen, darüber schweben durch Magnetkraft bewegte Spinnen. Ziel des Spiels ist es, die eigenen Ameisen sicher ins Ziel zu bringen.
Auszug aus der Spielbeschreibung
Die Spinnenbrüder Roberto und Klaus seilen ihre Schwester Spinderella am Faden bis tief hinunter, wo am Waldboden die Ameisenstraßen verlaufen. Dort mischt das Spinnenmädchen den Ameisenmarathon auf, dessen Sieger die Spieler im Spielverlauf ermitteln. Während dabei jeder Spieler versucht, seine drei Ameisen als Erster ins Ziel zu bringen, fängt Spinderella von oben die eifrigen Krabbler der Mitbewerber immer wieder ab. Dazu muss es ihr gelingen, auf „Tuchfühlung“ mit den kleinen Marathonläufern zu gehen. Ein mobiles, ausgehöhltes Rindenstück, das den Ameisen als Schutzschild dient, wird so zur hart umkämpften Trophäe der Termiten. Allerdings sind Ameisen darunter nicht nur sicher, sondern auch in ihrer Vorwärtsbewegung blockiert. Bei jedem Spielzug entscheiden drei Würfel und der aktive Spieler darüber, ob Spinnen oder Ameisen und vielleicht auch das Rindenstück bewegt werden.

Colt Express - von Christophe Raimbault / Verlag: Ludonaute
2 - 6 Spieler - ab 10 Jahren - ca. 40 Minuten
Das „Spielfeld“ von Colt Express besteht aus einem dreidimensionalen Zug, gespielt wird auf verschiedenen Ebenen. Die Spieler überfallen als Banditen im Wilden Westen einen Zug. Aktionskarten bringen Bewegung in das Spiel.
Auszug aus der Spielbeschreibung:
Zugüberfall im Wilden Westen: Eine Bande von Banditen springt von ihren Pferden in die Waggons, um die Fahrgäste um Geld und Schmuck zu erleichtern. Doch natürlich hat jeder Räuber sein eigenes Ziel - und alle versuchen den Überfall zu ihren Gunsten zu planen und die fetteste Beute zu machen. Nicht selten fliegen dabei die Fäuste und Kugeln pfeifen ihnen um die Ohren. So beginnt schnell ein Wettlauf nicht nur in sondern auch auf den Waggons. Colt Express ist wie ein guter Western für den Spieltisch.

Buchvorstellung im Monat September 2015

Wir sind nicht wir - Roman von Matthew Thomas
Eileen ist die Tochter irischer Einwanderer und wächst in den 1940er und 50er Jahren in Queens auf. Die Verhältnisse sind bescheiden und Alkohol bestimmt einen Teil ihres Lebens. Schon früh beschließt sie, dass sie es einmal besser haben will. Sie träumt von einem bisschen Wohlstand, einem eigenen Haus und einer kleinen Familie. Als sie Ed Leary kennen lernt, einen jungen, stillen Wissenschaftler, scheint er der richtige, um ihre Pläne zu verwirklichen. Die beiden lieben sich und bekommen einen Sohn. Ed steht eine Karriere an der Universität offen und Eileen arbeitet sich in der Krankenpflege nach oben. Doch in den Mühen des täglichen Lebens lässt die Verwirklichung ihrer Träume auf sich warten.
Wir sind nicht wir ist ein großartiger und bewegender Roman über das alltägliche Leben mit seinen Mühen und Träumen. Auf über 890 Seiten teilt man das Leben von Eileen, hofft und leidet mit ihr und ist traurig, wenn man sie verlassen muss. Und erfährt einmal mehr, dass Leben das ist, was passiert, während man Pläne macht.

Fünf Viertelstunden bis zum Meer - Roman von Ernest van der Kwast

Die 20jährige Giovanna Berlucchi ist der Star im heißen Sommer 1945 an der italienischen Küste. Als einzige trägt sie einen Zweiteiler. Ezio verliebt sich leidenschaftlich und sie verbringen einen stürmischen Sommer am Meer. Ezio macht Giovanna einen Heiratsantrag, doch sie lehnt ab. Ihre Freiheit und Unabhängigkeit sind ihr wichtiger. Enttäuscht bricht Ezio alle Brücken zu seiner Heimat ab, geht in den Norden Italiens und wird Apfelpflücker. Aber auch 6 Jahrzehnte später hat er seine große Liebe nicht vergessen und erhofft sich ein Wiedersehen.
Ernest van der Kwast hat ein schmales Buch über eine große lebenslange Liebe geschrieben. Herzzerreißend und herzerwärmend zugleich.

Was liegt am Strand und redet undeutlich?
Rätselwitze und Quatschbilder von Jörg Mühle und Moni Port


Was ist blöd, süß und bunt? Was hüpft von Baum zu Baum und hat nur Unsinn im Kopf? Kinder lieben Witze und Scherzfragen. Moni Port hat sich auf Pausenhöfen umgehört und alberne Fragen und witzige Wörter gesammelt. Jörg Mühle hat dazu treffende Illustrationen gezeichnet und herausgekommen ist ein lustiges Bilderbuch für Kinder „ab 5 und für alle“.

Buchvorstellung im Monat Juli 2015

Altes Land - Roman von Dörte Hansen
Willkommen sind sie nicht, die Flüchtlinge aus Ostpreußen. Das bekommt auch die fünfjährige Vera zu spüren, als sie 1945 mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke Zuflucht auf dem Hof von Ida Eckhoff sucht. Widerwillig werden sie aufgenommen und bekommen eine Kammer zugewiesen. Hildegard fällt es schwer, sich in die Opferrolle zu fügen und verlässt den Hof nach einigen Jahren, wo sie ihre Tochter zurück lässt. Vera verbringt ihr Leben in dem Dorf, in dem sie nicht heimisch wird und in einem Haus, das kalt und zugig, fast bedrohlich ist. Sechzig Jahre später, Stadtflüchtlinge und Ökobauern haben sich auf dem Land niedergelassen, steht Veras Nichte mit ihrem kleinen Sohn vor der Tür. Anne ist wie Vera eine Einzelgängerin und sucht nach einer gescheiterten Beziehung Zuflucht.
Dörte Hansen hat einen großartigen Roman geschrieben über starke Frauen, die eigensinnig und eigenwillig ihr Leben leben. Sie lässt den Leser hinter die manchmal hartherzig erscheinende Fassade der Menschen schauen und weckt Empathie für ihre Figuren. Das tut sie mitunter auch mit viel Humor. Besonders ihre Schilderung der Städter, die Bauernhöfe kaufen und ihre „Landlust“ zelebrieren, ist sehr treffend und amüsant beschrieben. Unbedingt lesenswert.

Der Circle - Roman von Dave Eggers
Die 24jährige Mae ist überglücklich. Sie hat einen der begehrtesten Jobs bekommen in einem Konzern, der zu den coolsten überhaupt gehört. Der „Circle“ ist ein Unternehmen, das die Dienste von Facebook, Twitter, Google und ähnlichen Anbietern unter einem Dach vereint. Der Campus ist eine eigene Welt. Moderne Bürogebäude, Fitnessstudios, Geschäfte und Restaurants sorgen dafür, dass eigentlich niemand mehr den Komplex verlassen muss. Hinter dem Konzern steht eine Führungsriege von drei Männern, genannt die drei Weisen, deren Ziel es ist, alles öffentlich zu machen und die Privatsphäre abzuschaffen. Dadurch soll die Welt ein besserer Ort werden. Mae verinnerlicht die Ziele des Unternehmens und ist sehr ehrgeizig. Rasch steigt sie in der Firma auf und entfremdet sich von ihrem alten Leben. Als ihr Vater erkrankt, übernimmt der Konzern die Arztrechnungen. Der Preis dafür ist die totale Überwachung der Eltern. Als die Eltern diesen Preis nicht mehr zahlen wollen, bricht der Kontakt zu Mae ab. Auch ein Freund aus Kindertagen wird von Mae in die Öffentlichkeit gezerrt. Sein Versuch, sich seine Privatheit zu erhalten, endet tragisch. Doch Mae ist fasziniert von der Firmenideologie und wird zum „gläsernen Menschen“. Sie ist geblendet von der Zahl ihrer Follower und opfert dafür ihre privaten Kontakte.
Dave Eggers hat sicherlich ein brisantes und wichtiges Thema aufgegriffen und in einer leicht lesbaren Form verarbeitet. Der Verlust der Privatheit schreitet voran und die damit verbundenen Gefahren sind vielen Menschen nicht bewusst. Der Roman wird dem brisanten Thema allerdings nicht gerecht. Zu durchschaubar sind die Strukturen der Firma und zu naiv ist Mae als leichtgläubige und unreflektierte Mitläuferin. Trotzdem ein lesenswerter Roman. Er vermittelt zumindest einen Eindruck der Möglichkeiten, die die neuen Medien eröffnen und vielleicht gibt es tatsächlich zu viele Menschen mit einer Naivität wie die Protagonistin dieses Romans.

Echt wahr? - 52 Gelegenheiten, sich über Lüge und Wahrheit zu unterhalten - Antje Damm

Echt war? ist kein typisches Bilderbuch. Immerhin beschäftigt es sich mit einem der heikelsten Themen überhaupt: Was ist Wahrheit, was ist Lüge, gibt es immer nur eine Wahrheit, sind Notlügen erlaubt, sind erfundene Geschichten spannender als wahre… und was ist eigentlich ein Placebo-Effekt. Auf vielfältige und humorvolle Weise wird das Thema beleuchtet und regt dazu an, sich Gedanken über den Umgang mit der Wahrheit zu machen und darüber zu philosophieren. Ein abwechslungsreich illustriertes Buch für Kinder ab 6 Jahren, das auch für Erwachsene lesenswert ist.

Buchvorstellung im Monat Juni 2015

Kindeswohl - Roman von Ian McEwan
Fiona Maye ist Richterin am High Court in London und hat als Familienrichterin täglich mit tragischen Schicksalen zu tun Unter ihren überwiegend männlichen Kollegen hat sie sich einen guten Ruf und hohen Respekt erarbeitet. Sie bearbeitet ihre Fälle kompetent und sachlich und hat dabei immer das Kindeswohl im Blick. Ihre kinderlose Ehe ist glücklich, ihr Freundeskreis groß und interessant. Bis zu dem Tag, als ihr Mann ihr eröffnet, dass er noch andere Erwartungen an das Leben hat und die Liebe zu einer anderen Frau ausleben möchte. Trotz des Schocks gelingt es ihr, ihrer Arbeit wie gewohnt nachzugehen. In dieser Situation landet der Fall eines 17jährigen Zeugen Jehovas auf ihrem Schreibtisch, der aus religiösen Gründen eine lebensrettende Blutspende verweigert. Das Schicksal berührt sie besonders und sie nimmt persönlich Kontakt zu dem Jugendlichen auf.
Kindeswohl ist ein dichter Roman über eine erfolgreiche Frau, die sich ein gutes und sicheres Leben aufgebaut hat. Emphatisch schildert Ian McEwan, dass dieses Leben nicht vor emotionalen Einbrüchen geschützt ist und das Zusammentreffen von verschiedenen Ereignissen Menschen aus der Bahn werfen kann. Lesenswert!

Der leuchtend blaue Faden - Roman von Anne Tyler
Die Whiteshank‘s sind eine Familie wie viele andere auch. Abby und Red spüren die ersten Zeichen des Alters, ihre vier Kinder haben das Nest verlassen und stehen auf eigenen Beinen. Lediglich der jüngste Sohn Denny bereitet ihnen Sorgen. Er taucht nur sporadisch auf und niemand weiß wirklich etwas über sein Leben. Seine Geschwister verübeln ihm, dass er durch sein unstetes Wesen ein Übermaß an Aufmerksamkeit von den Eltern auf sich zieht. Erst als die Eltern altersbedingt Unterstützung brauchen, kommt die Familie sich wieder näher.
Anne Tyler gelingt es – wie in all ihren Romanen – ein Familienpanorama zu entwerfen, in dem man sich sofort zuhause fühlt. Unterhaltsam und treffend zeigt sie auf, wie Familien sich gleichen und doch alle Mitglieder ihre ganz speziellen Eigenheiten und Wahrnehmungen haben. Rückblenden in die Geschichte der Großeltern machen deutlich, wie deren Leben in die nächste Generation nachwirkt. Der leuchtend blaue Faden ist ein weiterer humorvoller, lebensnaher und berührender Roman von einer der besten Gegenwartsautorinnen.

Ein Zaun, ein Schaft, ein kleiner Junge und ein großes Problem - Bilderbuch von Yael Biran und Günther Jakobs

Ein kleiner Junge hat ein Problem. Und da er abends im Bett über das Problem nachdenken muss, kann er nicht schlafen. Also hat er schon zwei Probleme. Um trotzdem einschlafen zu können versucht er es mit einem bewährten Trick: Schafe zählen. Doch leider laufen alle Schafe durcheinander. Also stellt er für sie einen Zaun auf, über den sie springen sollen. Aber die Schafe machen nicht, was von ihnen erwartet wird, sondern denken sich verschiedene Lösungen aus, um das Problem „Zaun“ zu überwinden.
Dieses wunderschön illustrierte Bilderbuch macht nicht nur Spaß beim Vorlesen und Anschauen sondern zeigt auch, dass viele kreative Wege zur Lösung eines Problems führen können. Für kleine LeserInnen ab 3 Jahren.

Buchvorstellung im Monat Mai 2015

Selbstporträt mit Flusspferd - Roman von Arno Geiger
Als Judith mit einem verletzten Uhu in der Notfallambulanz auftaucht, erkennt Julian sie nicht gleich. Mit Anfang zwanzig waren sie ein Paar. Judith war seine erste große Liebe und die berühmte Frau zum Pferde stehlen. Sie waren ein zufriedenes Paar bis Julian Zweifel beschlichen ob das, was sie hatten, das Wahre sei. Das Leben mit Judith schien ihm vorhersehbar und eintönig. Er provozierte sie so lange mit seinen Stimmungsschwankungen, bis sie die Beziehung beendete. Julian war danach hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl der Freiheit und der Angst, etwas Wertvolles weggeworfen zu haben. Ziel- und ratlos verbrachte er seine Tage. Ein Freund verschaffte ihm einen Aushilfsjob bei einem Professor, dessen Zwergflusspferd er pflegen sollte. Dabei lernte er dessen Tochter kennen, die ihn mit ihrer Rätselhaftigkeit beeindruckte.
Arno Geigers Roman erzählt von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Während die Erwartungen und Wünsche sehr hoch sind, ist der Alltag doch geprägt von Orientierungslosigkeit und Apathie. Treffend schildert Geiger die Banalität des Lebens. Ein unspektakulärer Roman, gut geschrieben und daher trotz der Ereignislosigkeit nicht langweilig.

Liebe mit zwei Unbekannten - Roman von Antoine Laurain

Der Buchhändler Laurent betreibt in Paris eine kleine Buchhandlung. Eines Tages findet er durch Zufall die Handtasche einer Frau. Die darin enthaltenen Dinge berühren ihn auf seltsame Weise und wecken in ihm den Wunsch, die Besitzerin kennen zu lernen. Er setzt die Puzzleteile, die ihm die Handtasche liefert, zusammen und mithilfe des Zufalls findet er die Identität der Frau heraus. Laure ist ihr Name, doch seit dem Überfall liegt sie im Krankenhaus im Koma.
Antoine Laurain hat mit seinem viel gelobten Roman offensichtlich einen romantischen Nerv getroffen. Dazu tragen sicherlich die atmosphärisch dichte Schilderung von Paris mit der kleinen Buchhandlung und der ruhige Schreibstil bei. Eine kleine gefühlvolle Liebesgeschichte für Leserinnen, die an Seelenverwandtschaft glauben.

Die neun Leben des Herrn F. - Autobiografie von Herbert Feuerstein

„Als Feuerstein merkte, dass andere über ihn lachten, beschloss er, dafür Geld zu verlangen. Und so wurde der Humor zu seinem Beruf.“ Diesen Satz bietet Herbert Feuerstein in seiner Autobiografie als zitierfähigen Schlüsselsatz an und schränkt gleich ein, für ein ganzes Leben sei ihm das doch ein bisschen zu einfach. Und damit trifft er es genau. Viele kennen ihn als Macher des Satiremagazins MAD oder aus seiner Fernsehzeit, insbesondere bei „schmidteinander“. Seine Fans mögen seinen vielseitigen Humor, von lustig über sarkastisch bis boshaft, und seine Selbstironie. Doch erst die Autobiografie zeigt die zahlreichen Stationen seines Lebens und die Vielfalt seiner Tätigkeiten. Nicht nur für Fans eine trotz des Umfangs kurzweilige Leseempfehlung.

Buchvorstellung im Monat April 2015

Ein Bild von dir - Roman von Jojo Moyes
Frankreich zur Zeit des 1. Weltkriegs: Sophie, die Ich-Erzählerin, versucht, sich und ihre Familie, eine Schwester mit einem Baby und ihren jüngeren Bruder, durch die Kriegszeiten zu bringen. Ihre Männer sind an der Front und Sophie ist als Erinnerung nur ein Bild geblieben, das ihr Mann in den ersten Wochen ihrer Ehe von ihr gemalt hat. Die Schwestern betreiben ein kleines Hotel und sind sehr beliebt in ihrem Dorf. Das ändert sich, als die deutschen Soldaten Gäste im Hotel werden. Der Oberbefehlshaber bemerkt das Porträt und ist nicht nur fasziniert von dem Bild, sondern auch von Sophie.
Hundert Jahre später: Liv’s Mann ist kurz nach der Hochzeit gestorben. Liv versinkt in ihrer Trauer, Trost spendet ihr nur ein Gemälde, das ihr Mann ihr auf der Hochzeitsreise geschenkt hat. Sie erwacht erst aus ihrer Lethargie, als man ihr das Bild wegnehmen will. Sie stellt Nachforschungen über die Herkunft des Bildes an und verbeißt sich so in ihren Kampf, dass sie eine beginnende Beziehung gefährdet.
„Ein Bild von dir“ ist ein weiterer großer Roman der erfolgreichen Schriftstellerin Jojo Moyes. Ihre Geschichten sind sehr unterschiedlich, doch immer stehen starke Frauen im Mittelpunkt, die ihr Leben gegen alle Widrigkeiten meistern. Ein weiterer sehr empfehlenswerter Roman.

Die Tage in Paris - Kurzgeschichte von Jojo Moyes

Das Porträt, das im Mittelpunkt des Romans „Ein Bild von dir“ steht, hat eine Vorgeschichte, die Jojo Moyes in dem kleinen Band „Die Tage in Paris“ erzählt. Im Mittelpunkt stehen Sophie und Liv. Sophie zieht aus der Provinz in das Paris der Belle Époque und lernt den Maler Edouard Lefévre kennen und lieben. Doch das Leben an der Seite des Künstlers ist eine große Herausforderung. Hundert Jahre später verbringt Liv die Flitterwochen in Paris. Leider geht ihr Mann in Paris seinen geschäftlichen Verpflichtungen nach, so dass sie alleine durch die Straßen der Stadt spaziert und Zweifel an ihrer jungen Ehe bekommt.
Der Roman beschreibt die Entstehung des Bildes und seine Bedeutung für die Frauen. Sehr berührend und lesenswert.

Lieber Mr. Salinger - Roman von Joanna Rakoff
Joanna Rakoff, die Autorin dieses Romans, ist nach ihrem Studium in den 90er Jahren nach New York gegangen, um „… die literarische Szene zu erobern“. Sie landet bei einer Agentur, in der die Zeit still zu stehen scheint. Die Romane in den Regalen zeugen von vergangenen Erfolgen und immer noch betreut die Agentur einen geheimnisvollen Autor, der seit Jahren nichts veröffentlicht hat. Rakoff findet heraus, dass es sich um J. D. Salinger handelt, den Autor von „Der Fänger im Roggen“. Während sie versucht, sich ihren Platz in der Agentur zu erarbeiten, beschäftigt sie sich mit dem Werk Salingers und versucht, ihr kompliziertes Liebesleben in den Griff zu kriegen.
In ihren Anmerkungen schreibt die Autorin, dass es sich bei diesem Roman „… um die Wahrheit, nichts als die Wahrheit“ handelt, und sie lediglich Änderungen der Namen und in der Chronologie vorgenommen hat. Entstanden ist ein humorvoller Roman über eine moderne Frau, die ihren Weg sucht und einen Einblick in einen Teil des Literatur-Betriebs gibt.

Eleanor & Park - Jugendroman von Rainbow Rowell
Eleanor ist schon durch ihre Erscheinung eine Außenseiterin: Etwas pummelig, eine wilde rote Lockenmähne und bunte, phantasievolle Kleidung ziehen die Blicke an, als sie zum ersten Mal in den Schulbus steigt. Ungeschriebene Gesetze regeln die Sitzordnung im Bus und Park weiß nicht, was in veranlasst, den Platz neben sich für Eleanor frei zu machen. Auch er ist ein Außenseiter, der durch seine stille Art aber von den anderen akzeptiert wird. Die Busfahrt verbringt er mit dem Lesen von Comics und nach einer langen Zeit des Anschweigens kommen die beiden miteinander ins Gespräch und tauschen sich über ihre Interessen aus. Bis Park zum ersten Mal Eleanors Hand berührt und von der Welle der Gefühle überwältigt ist. Ganz zart entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die jedoch von der Umgebung argwöhnische beobachtet wird. Eleanors Familie wird dominiert von ihrem tyrannischen Stiefvater, aber auch Parks aufgeschlossene Familie kann zunächst mit der bunten und lauten Freundin nichts anfangen.
Rainbow Rowells Roman handelt von der ersten Liebe, aufregend, verwirrend, intensiv und ernsthaft. Eine herzergreifende Geschichte nicht nur für junge LeserInnen.

Buchvorstellung im Monat März 2015

Unterwerfung - Roman von Michel Houellebecq
Frankreich in naher Zukunft: Unklare politische Verhältnisse und die Uneinigkeit der etablierten Parteien führen dazu, dass ein Moslem die Präsidentschaftswahl in Frankreich gewinnt. Und die Reformen von Mohammed Ben Abbes zeigen Wirkung: Stärkung der traditionellen Familie, Senkung der Arbeitslosenquote, Unterstützung von Kleinbetrieben. Francois, der Ich-Erzähler, ein Hochschuldozent, führt sein Leben bisher unbelastet von den politischen Verhältnissen. Sein halbes Berufsleben hat er damit verbracht, eine Dissertation über Huysmans zu schreiben. Nach Abschluss der Arbeit fällt er in ein tiefes Loch und die einzige Frau, mit der er sich eine Zukunft vorstellen konnte, wandert aufgrund der politischen Veränderungen nach Israel aus. Die Veränderungen sorgen auch dafür, dass Francois – unter Beibehaltung seiner vollen Bezüge - seinen Job verliert, denn an den Unis sollen in Zukunft nur noch Moslems unterrichten. Sein Leben ist bestimmt von unbefriedigenden sexuellen Kontakten und Langeweile. Er sucht nach Perspektiven und findet diese ausgerechnet im neuen politischen System.
Houellebecq’s neuer Roman ist vor allem eins: Umstritten. Viele Kritiker unterstellen dem Autor eine islamophobe Haltung, was dem Roman jedoch nicht gerecht wird. Die Debatte lenkt davon ab, dass der Autor einen komplexen Roman über einen unpolitischen und zu einem gelingenden Leben unfähigen Menschen geschrieben hat. Die utopische Entwicklung eines neuen Frankreichs nahe unserer politischen Realität zeigt, dass die moderne Gesellschaft viele Fragen nicht beantworten kann und den Boden für religiös bestimmte Staatsformen bereitet. „Unterwerfung““ ist ein unterhaltsamer Roman und unbedingt lesenswert.

Die Sache mit dem Glück - Roman von Matthew Quick
Bartholomew fällt in ein großes Loch, als seine Mutter stirbt. Trotz seiner 39 Jahre hat er es nicht geschafft, sich abzunabeln. Er hat bis zu ihrem Tod bei ihr gewohnt und sie aufopferungsvoll gepflegt. Ratlos und voller Trauer steht er jetzt dem Leben gegenüber. In den Unterlagen seiner Mutter findet er ein Schreiben von Richard Gere, in dem dieser zum Boykott der Olympischen Spiele in Peking aufruft. Offensichtlich hat dieser Brief, bzw. dessen Urheber, der Mutter viel bedeutet. Bartholomew beginnt, Briefe an den Schauspieler zu schreiben und findet darin Halt und Kraft für sein Leben.
Naive und problembeladene Menschen sind die Protagonisten in Matthew Quicks Geschichten, dessen Roman „Silver linings“ bereits erfolgreich verfilmt wurde. Auch die Filmrechte für „Die Sache mit dem Glück“ sind bereits verkauft. Der Held dieses Romans ist besonders unbedarft und die Geschichte etwas konstruiert. Das tut jedoch dem leichten Lesevergnügen wenig Abbruch. Lesestoff für einen entspannten Feierabend.

Nüchtern: Über das Trinken und das Glück - Sachbuch von Daniel Schreiber

Alkoholabhängigkeit wird in vielen Ländern offen diskutiert und als Krankheit akzeptiert, während sie in Deutschland oft in eine „Schmuddelecke“ gestellt wird. Hier setzt der Erfahrungsbericht von Daniel Schreiber an. Ohne moralischen Zeigefinger beschreibt er in „Nüchtern“ seinen langen Weg vom Gesellschaftstrinker zum Abhängigen. Was passiert, wenn der Alkohol die Herrschaft über den Alltag übernimmt? Wie lange lässt sich ein normales Leben trotz Alkoholismus aufrechterhalten? Das Lesenswerte an diesem Sachbuch ist, dass es sich nicht um einen weiteren Ratgeber oder ein Selbsthilfebuch handelt, sondern um einen offenen und schonungslosen Einblick in das Leben eines Alkoholkranken, der gelernt hat, sich seinem Problem zu stellen.

Der Dachs hat heute einfach Pech - Bilderbuch von Moritz Petz und Amélie Jackowski
Wenn der Tag damit beginnt, dass man fast die Nachttischlampe umwirft und beim Frühstück die Lieblingstasse zerbricht, ist das kein gutes Zeichen. Und tatsächlich hat der Dachs den ganzen Tag Pech. Als er voller Frust seine Freunde besucht und ihnen sein Leid klagen will stellt er fest, dass diese ihre eigenen Probleme mit dem Tag haben. Also hilft er, wo er kann. Abends treffen sich dann alle beim Dachs und spielen, wer am schönsten stolpern und hinfallen kann. Und wer am besten „Was für ein blöder Tag!“ seufzen kann. Wer möchte da nicht manchmal einstimmen. An solchen Tagen hilft nur ein gutes Buch: Unter anderem dieses tröstende und wunderschöne bebilderte Buch für Kinder ab 4 Jahren.

Buchvorstellung im Monat Februar 2015

Miss Blackpool - Roman von Nick Hornby
Barbara, ein junges hübsches Mädchen aus der englischen Provinz, hat große Träume: Sie möchte Komikerin werden. Lucille Ball ist ihr großes Vorbild und sie verpasst keinen Film mit ihr. Sie nimmt an der örtlichen Misswahl teil und ist kurz davor, Miss Blackpool zu werden, als ihr klar wird, dass sie dieser Titel nur noch mehr an das Dorf binden wird. Sie nimmt allen Mut zusammen und bricht auf ins Swinging London der sechziger Jahre. Sie verfolgt ihr Ziel hartnäckig und tatsächlich schafft sie es, eine wie für sie geschaffene Rolle zu bekommen. Sie trifft auf die Drehbuchschreiber Tony und Bill, den Produzenten Dennis und den Schauspielerkollegen Clive. Barbara wird der Star einer erfolgreichen Fernseh-Sitcom. Doch irgendwann verblasst der Ruhm wieder und die Frage stellt sich, was bleibt.
Erfolgsautor Nick Hornby nimmt seine LeserInnen mit in eine Welt voller Glamour und Krisen. Atmosphärisch dicht schildert er ein Leben zwischen Ruhm und Absturz. Hornby verliert dabei die Titelheldin etwas aus den Augen und die Drehbuchschreiber rücken mehr in den Focus, die trotz verschiedener Lebensentwürfe versuchen, freundschaftlich verbunden zu bleiben. Miss Blackpool ist ein leichter aber nicht leichtgewichtiger Roman von dem man sich wünscht, dass er – wie einige andere Romane von Nick Hornby – verfilmt wird.

Ohne Worte: Was andere über dich denken - Sachbuch von Thorsten Havener

Thorsten Havener ist Illusionist und Entertainer. Seine Shows sind verblüffend und unterhaltsam. In seinen Büchern lüftet er einen Teil seines „Erfolgsrezeptes“ und erklärt, wie Menschen beeinflusst werden können und wie man Körpersprache liest. Der Erkenntnisgewinn ist eher gering. Vieles davon gehört inzwischen zum Allgemeinwissen. Dass gekreuzte Arme und abgewandte Blicke nicht unbedingt auf Sympathie und Entgegenkommen hinweisen, ist sicherlich bekannt. Allenfalls kann man mit dem diesem Sachbuch sein Wissen auffrischen.
Thorsten Havener ist vor allem ein erfolgreicher Selbstdarsteller und das kommt auch in seinem Buch zum Ausdruck. Für Fans von Havener eine unterhaltsame Lektüre.

Das kleine große Glück - Roman von Lucy Dillon
Unfreiwillig und überraschend steht Gina Bellamy vor den Trümmern ihrer Ehe. Nachdem ihr Mann sie noch während ihrer Krebserkrankung liebevoll unterstützt hat findet sie nach ihrer Genesung heraus, dass er eine Geliebte hat. Er verlässt sie und Gina muss sich neu orientieren. Sie sucht sich eine Wohnung und beschließt, dass dort nur hundert Dinge Platz finden sollen, die wirklich wichtig für ihr neues Leben sind. Ablenkung findet sie in ihrem Beruf. Als Innenarchitektin unterstützt sie Bauherren bei der Restaurierung denkmalgeschützter Häuser. Als sie mit der Betreuung eines ihrer Lieblingshäuser beauftragt wird, ist das mehr als nur ein Arbeitsauftrag. Außerdem gibt es noch eine Jugendliebe, die Gina auf tragische Weise aus den Augen verloren.
„Das kleine große Glück“ ist ein typischer Frauenroman, vorhersehbar, aber unterhaltsam. Besondere Liebe zum Detail zeigt Lucy Dillon bei der Beschreibung der Restaurierung des Herrenhauses.

Tausche Bruder gegen… - Bilderbuch von Andrew Joyner und Jan Ormerod
„Dein kleiner Bruder ist so süß“, findet jedenfalls Karline’s Mutter und herzt und küsst das neue Baby ständig. Karline ist eifersüchtig. Sie findet, der kleine Bruder sabbert und ist voll eklig. Doch Mama hört ihr gar nicht zu. Eines Tages fährt Mama mit Karline und dem kleinen Bruder in die Stadt um einen Hut umzutauschen. Der Hut ist nicht ganz das, was sie wollte. Karline passt derweil auf ihren Bruder auf. Da hat sie die zündende Idee: Das Bruder ist auch nicht ganz das, was sie wollte. Warum nicht auch ihn umtauschen gegen einen, der genau richtig ist?
Ein originelles Bilderbuch, das das Thema Eifersucht witzig umsetzt. Die lustigen Illustrationen bieten viel zum Gucken und natürlich gibt es ein Happy End. Ein schönes Bilderbuch für große Geschwister und Eltern, die über den Nachwuchs vielleicht manchmal die „Großen“ vergessen.

Seitenanfang!