75 Jahre KZG Jecke vom Berg von 1936 e. V.
Auch ohne Karnevalsprinz viel Spaß an der Freud
Spannende Kämpfe bei den “Jeck vom Berg”-Ermittlungen und Kämpfe um die “Bergprinzessin”
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Im November dieses Jahres blickt die Karnevalzuggesellschaft „Jecke vom Berg“ auf ihr 75jähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlass wurde bereits ausgiebig und gebührend mit Mitgliedern, Freunden und Vertretern Worringer Vereine und Institutionen in der Aula der Grundschulen gefeiert. Nach der Begrüßung der Gäste durch KZG Präsident Wolfgang Landyschew gratulierte Festkomitee Präsident Klaus Dittgen. Er würdigte die großen Verdienste der “Jecke vom Beg”, die mit ihren Beiträgen in den vergangenen Jahrzehnten den Worringer Karneval stets bereichert haben. In Anerkennung dieser Aktivitäten übergab Dittgen eine Ehren-Urkunde, die allen Mitgliedern der KZG  “Jecke vom Berg” gewidmet ist.

Im Anschluss ließ es sich Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge nicht nehmen eine festliche Laudatio zu halten für die sie ein “traditionelles Kleidungsstück” der KZG in Form einer selbst gestrickten bunten Vereinshose erhielt. Dazu muss man wissen, dass die “Jecke vom Berg” während der ersten Jahre noch keine eigene Uniform besaßen, sodass selbst gestrickte Hosen dieser Art für einige Zeit das Erkennungszeichen für Worringens Karnevalszuggesellschaft war. Die KZG ist bis heute auch der einzige Worringer Karnevals(zug)verein, der weder einen öffentlichen Sitzungskarneval bestreitet noch einen Karnevalsprinzen stellt. Und doch ist die KZG etwas ganz Besonderes.

Nach den Tanzauftritten der “Street Girls Airline” und der “Grielächer” gab Rudolf Hüsch (Ehrenpräsident der KZG „Jecke vom Berg“) einen Rückblick auf die Geschicke und Besonderheiten der “Jecke vom Berg” . Als sich im Jahr 1936 acht junge Worringer in der Gaststätte „Johann Jäger“ trafen, um über eine Teilnahme im Fastelovend zu diskutieren, war nicht vorhersehbar, dass sich daraus so schnell die KZG gründen würde, die sich zudem über einen so langen Zeitraum jedes Jahr mit einer ausgefallenen Originalgruppe am Rosenmontagszug beteiligen würde.

Den Rosenmontagszug zu verschönern, das war damals der Grundgedanke der Gründer und ist es bis heute geblieben. So sollte eine Begebenheit auf originelle und deftige Art glossiert werden, um ein Stück vom alten Worringer Straßenkarneval zu demonstrieren und um die Freude daran stets wach zu halten und besonders an jüngere Mitglieder weiter zu geben.


Die Chronik der KZG „Jecke vom Berg“

Im Jahr 1936 trafen sich Josef Fuchs, Jakob Gatzen, Paul Detmer, Hans Meurer, Heinrich Meurer, Alois Specht, Peter Pesch, und Jakob Bilstein, um über die Gründung der KZG und eine Teilnahme am Worringer Rosenmontagszug zu beraten. Initiator Josef Fuchs entwickelte daraus die vereinsmäßigen Vorbereitungen, die am 11.11.1936 zu der offiziellen Gründung der Karnevalszuggesellschaft Jecke vom Berg führten. „Em Mäte Hus en der Müllegass“ (Hackenbroicher Strasse 28) fand diese Gründerversammlung statt, wobei sich der erste Vorstand aus dem Präsidenten Josef Fuchs, seinem Stellvertreter Peter Pesch,  Kassierer Paul Detmer und dem Schriftführer Hans Meurer zusammensetzte. Bereits die ersten Vorkriegsjahre bis 1939 zeigten, dass die jecke Clique bei der Bevölkerung gut ankam und eine echte Bereicherung des Worringer Rosenmontagszuges war.

Nach entbehrungsreichen Kriegsjahren fanden sich 1948 wieder alle Worringer Karnevalsgesellschaften zu einem gemeinsamen Rosenmontagszug zusammen. Auch die Jecke vom Berg waren wieder zur Stelle und schlossen sich am 2. Januar 1949 offiziell dem Festkomitee Worringer Karneval an. Zum neuen Präsidenten wählte man 1952 Jakob Gatzen, der es als populärer Worringer Karnevalist vorzüglich verstand, seine jungen Mitglieder zu begeistern und der Zug-Gesellschaft neue Impulse zu geben. Seit 1951 veranstaltete die Zug-Gesellschaft alljährlich einen karnevalistischen Abend innerhalb der Gesellschaftsfamilie. Auch auf Sitzungen des

Festkomitees sowie als Gäste bei anderen Gesellschaften sah man nun auch Mitglieder der KZG oft auf der Bühne oder in der Bütt.
Erst das Jahr 1961 muss in der Gesellschaftsgeschichte wieder besonders hervorgehoben werden, da in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen der Gesellschaft gefeiert wurde. Zum ersten und bisher einzigen Mal veranstaltete man einen öffentlichen karnevalistischen Abend im Saale Adam Gladbach, wo in Anwesenheit des Festkomitees Worringer Karneval und vieler Gästen ein würdiges Jubiläum gefeiert wurde.
Im Jahre 1962 wurde Josef Gödecke, ein langjähriger Berater und Mitstreiter von Jakob Gatzen, neuer Präsident. Unter der Führung von Josef Gödecke wurde 1965 mit großer Begeisterung am Rande des Worringer Bruchs, an der „Ähdkuhl, en der Dell“, ein gesellschaftseigenes Heim erbaut. Beim feierlichen Richtfest am 27. Mai 1965, wobei auch der Grundstein versenkt wurde, gab man dem Holzhaus den Namen „Fasan“, weil die Arbeiten von intensiven Fasanengeschrei begleitet wurden. Trotz vieler Schwierigkeiten und Einsprüche der Bauaufsichtsbehörde erfolgte endlich am 2. September 1967 die feierliche Einweihung. Mittlerweile begnügten sich die Mitglieder nicht mehr mit der Darstellung eigener Kreationen mit Fahrrädern und dergleichen im Rosenmontagszug, sondern es wurden große Mottowagen gebaut, auf denen sich natürlich die Jecken austoben konnten.

Im Sommer 1974 brannte das Vereinshaus „Zum Fasan“ vollständig ab. Präsident Josef Gödecke hatte die glorreiche Idee und die Vorgespräche für ein neues Vereinshaus schnell realisiert. Er präsentierte der Gesellschaft ein fertiges Haus mit Grundstück am “Schmalen Wall“ in Worringen, genannt „em Espel“ auch am Rande des Bruchs. So wurde das als Wohnhaus konzipierte Gebäude in Eigenarbeit mit vielen Sponsoren in eine kleines Vereinsheim umgebaut. Der Name “Fasan” wurde natürlich beibehalten. Die offizielle Einweihung war am 18. Januar 1975 unter dem neuen Präsidenten Winfried Vusten. Gleichzeitig wurde eine Standarte eingeweiht mit dem Emblem der Jecke vom Berg, das alte Worringer Schöffensiegel, auf einer Seite und auf der anderen Seite der Leitspruch der KZG „Jeckheit zor Zick mäht frei un beglöck“. Josef Gödecke hatte sehr viele neue Ideen und Impulse in den Verein gebracht. Aus seiner Feder stammten viele Vorträge, Lieder und Aktivitäten, die die internen Veranstaltungen der KZG bereicherten. Als Vizepräsident im Festkomitee war er ebenfalls geschätzt und geachtet. So wurde er für seine außerordentlichen Verdienste zum Ehrenpräsidenten ernannt. Bis zu seinem Tode 2008 stand er mit Rat und Tat der KZG immer zur Verfügung.

Unter dem Präsidenten Winfried Vusten entschloss sich die Gesellschaft Uniformjacken und dazu passende neue Mützen anzuschaffen (in den Vereinsfarben Blau-Gelb) und einen neu gestalteten Vereinsorden, mit unserem Wappentier, dem “Fasan”. Eine Präsidentenkette sollte nun auch der Präsident tragen. Die Glieder der Kette sind mit schönen alten Motiven ausgestattet, darunter in runder Form wieder das alte Worringer Schöffensiegel. Winfried Vusten leitete die KZG auch mit großem Erfolg und Elan. Er trat später aus beruflichen Gründen zurück.

Als neuer Präsident fungierte nun Georg Lang. Unter seiner Regie vergrößerte sich die Mitgliederzahl der Gesellschaft erheblich. Viele Freunde und Gönner waren Gäste bei den vereinsinternen Veranstaltungen. So ging es kunterbunt schnell durch die Jahre. Georg Lang zeichnete sich in der Gesellschaft  besonders durch seinen unermüdlichen und tatkräftigen Arbeitseinsatz aus. Er war Vorbild für jedes Mitglied in Pünktlichkeit und Einsatz bei allen Anlässen. Im Mai 1990 kaufte die Gesellschaft einen ausrangierten Plateauanhänger für 228,00 DM. Georg Lang kaufte für 1 DM unseren heutigen Traktor. Beide Fahrzeuge wurden durch Vereinsspezialisten repariert, überholt und in Farbe gelegt, so dass sie heute noch den strengen TÜV-Anforderungen standhalten. Nach 14 jähriger Präsidentschaft schied Georg Lang 1993 aus.

Der neue Präsident hieß Rudolf Hüsch. Er hatte schon 14 Jahre das Amt des Vizepräsidenten bekleidet. Natürlich kann ein Präsident nicht die Last alleine bewerkstelligen. Es gab immer Mitglieder, die dem Präsidenten treu zur Seite standen. Ohne diese Mitglieder hätte die KZG heute nicht den Stellenwert. Insbesondere gilt das für die Vereinsdamen, die immer und jedes Jahr ihren Ideenreichtum in der Gestaltung der Kostüme freien Lauf lassen und sich kreativ austoben.

1986 beschloss die Versammlung, dass die Damen auch die Mitgliedschaft unter den gleichen Bedingungen wie die Herren erlangen können. Dieses war bis dato nach den Statuten nicht möglich. Die Präsidenten, besonders Rudolf Hüsch, verstanden es immer wieder durch neue Einfälle, gemeinsame Gesellschaftstouren, Herrentouren und Veranstaltungen die

KZG JvB Mitglieder

Vorstand: Rudolf Hüsch, Wolfgang Landyschew, Bettina Schmidt und Maria Landyschew

Mitglieder zu animieren. So gab es spannende Kämpfe bei den “Jeck vom Berg”-Ermittlungen und Kämpfe um die “Bergprinzessin.” Gemeinsame Weihnachtsfeiern mit Nikolausbesuchen, bei denen die Vereinskinder beschenkt wurden, herrlich fröhliche Kostümbälle, an denen die Worringer Prinzen stundenweise teilnehmen sowie Frühling-, Sommer- und Herbstfeste, die entsprechend den Jahreszeiten organisiert wurden.

Der heutige Vorstand besteht aus dem Präsidenten Wolfgang Landyschew, der Vizepräsidentin Maria Landyschew, Geschäftsführer Rudolf Hüsch und der Schatzmeisterin Bettina Schmidt. Zum erweiterten Vorstand gehört der Vizeschatzmeister Horst Atorf. Seit Januar 2009 ist die KZG offiziell, also notariell und gerichtlich ein eingetragener gemeinnütziger Verein.
Die KZG ist offen für Jedermann der Interesse an der Brauchtumspflege hat, aber auch Spaß und Freude am Leben hat und die in angenehmer Gesellschaft mit netten Menschen verbringen möchten.

Die Redaktion WorringenPur gratuliert recht herzlich zum 75jährigen Jubiläum!


WorringenPur.de/15.11.2011
Bericht: Heike Matschkowski
Fotos: Archiv Jecke vom Berg/Edgar Koch
Redakt. & digit. Bearbeitung:
Heike Matschkowski