Der Tradition verpflichtet und der Moderne aufgeschlossen
Die KG “Löstige Junge” Köln-Worringen von 1909 e. V. feiert ihr 100-jähriges Bestehen.
Fotos zum Vergrößern!

Köln-Worringen
Laut Protokoll wurde die Gesellschaft am 01.01.1909 um 11 Uhr 11 Min. und 11 Sekunden in der Gaststätte Peter Kluth, genannt der Amerikaner (heute Kölner-Hof) aus der Taufe gehoben. Als Gründer unterzeichneten Peter Boes, Mathias Fischer I, Mathias Fischer II, Johann Hüsch, Mathias Jehnen, Heinrich Schall, Mathias Winter, Gottfried Zimmermann die Urkunde. Man wählte zum Kennzeichen der Gesellschaft die Farben “Blau - Wiess” und zum Motto erkor man den Spruch “Humor und Scherz erfreut das Herz”.

Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges konnte die Gesellschaft aktiv am Worringer Karneval mitwirken. Bereits am 11.11.1926 konnte man gemeinsam mit der K.G. “Immerfroh” die erste öffentliche Veranstaltung ausrichten.

1927 war die Zeit der Einigung der Worringer Karnevalisten. Mathias Fischer, auch “Mähte Mattes” genannt, der sich als Literat bereits einen Namen gemacht hatte und aus dessen Feder viele Heimatlieder hervorgingen führte die vereinigten Karnevalsgesellschaften als Prinz Mathias II. im Rosenmontagszug - trotz Polizeiverbotes - an.

Anfang der 50er Jahre wurde das Tanzkorps der K.G. “Löstige Junge” gegründet. Peter Leusch war 1952 somit der erste Prinz der Gesellschaft, der mit einem stolzen Tanzkorps aufwarten konnte. Fünf Jahre später kam das Kindertanzkorps hinzu.
Die Anerkennung der Gleichberechtigung war schon damals ein großer Schritt in Richtung Moderne. Den Frauen wurde das Recht eingeräumt, als aktive Mitglieder der Gesellschaft beizutreten (Glück für die Gesellschaft)

Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte die Gesellschaft eine große Wandlung hinter sich. Und auch die kommenden Jahrzehnte waren geprägt vom ständigen Auf und Ab in einer Gesellschaft. Dank vieler starker Personen und dem großen Engagement aller einzelnen Gesellschaftsmitglieder gelang es bis heute, auch in  schwierigen Zeiten, immer den Blick nach vorne zu richten und neu definiert in die Zukunft zu gehen. Getreu dem Motto “Humor und Scherz erfreut das Herz” sieht sich die Gesellschaft, der Tradition des Worringer Karnevals verpflichtet, das demokratische Miteinander bürgt für die Aufrechterhaltung dieser Brauchtumspflege.

Seit Bestehen der Gesellschaft gehen immer wieder stolze Prinzen aus ihr hervor. Alle Prinzen waren Worringer Bürger und wollten nur eins: sich den Traum “Einmol Prinz zu sinn” erfüllen. Getragen wurden sie von ihrer Familie, den Freunden, der Gesellschaft und nicht zuletzt – auf das äußerste unterstützt – von der Worringer Bevölkerung. Viele der “Prinzen” fanden sich nach ihrem ganz besonderen Jahr im Vorstand wieder und brachten ihr Engagement auch dauerhaft in die Gesellschaft mit ein.

Der Wagen- und Bühnenbau ist ein großer Bestandteil der Gesellschaft. Die fleißigen “Löstigen” handwerkeln mit Begeisterung und erzielten immer hervorragende Ergebnisse. Auch für die Zukunft haben sich die Zuständigen einiges vorgenommen.
Die Nachwuchsarbeit trägt vor allem in den Tanzkorps immer wieder neue Früchte. Oft kommt es vor, dass ein Tanzkorpsmitglied nach der aktiven Zeit aus der Reihe hervortritt und die Verantwortung als Trainerin oder Betreuerin übernimmt. Nachwuchs für Vorstand und andere Arbeitskreise kommt auch gerne aus den ehemaligen Mitgliedern eines blau-weißen Hofstaats hervor.
Die Solidarität mit kranken und älteren Mitgliedern findet sich in Besuchen wieder. Auch bei “runden” Geburtstagkindern und Jubilaren lässt man sich das persönliche Ständchen nicht nehmen. Feste Termine im ganzjährigen Kalender der Gesellschaft sind unter anderem das Kinderfest, die Nikolausfeier und ein gemütlicher Abend. Alle Veranstaltungen werden mit Begeisterung und hoher Teilnahme besucht und gefeiert.

Eine der größten Herausforderungen sind die alljährlichen Sitzungen, die nur mit dem unermüdlichem Engagement der Auftretenden und Organisatoren auf die Beine zu stellen sind. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut - es wird gesungen, geprobt, getanzt, gehoben - und dann das Ganze noch einmal. Lauter Idealisten, die ihren Einsatz vor allem unentgeltlich einbringen, um den volkstümlichen Karneval für Worringen und Umgebung zu erhalten.
100 Jahre Gesellschaft heisst auch Wandel zu einer jungen Gesellschaft. Computer, E-Mail, digitale Datenübermittlungen -  die Organisation und Führung einer Karnevalsgesellschaft sieht heute eben anders aus als vor 100 Jahren. Doch feiern, tanzen, singen und schunkeln kann jeder - egal wie alt. Die Weitergabe von Ideen, Idealismus, Freude am Karneval ist eine wichtige Aufgabe, ebenso wie das Verständnis zwischen Jung und Alt zu fördern. Die Akzeptanz muss sicherlich auf beiden Seiten gewährleistet sein. Denn auch hier geht es nur Miteinander. Eine Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt, den Einwänden der “ewig Alten” in Kombination mit den neuen Ideen der jungen Generation - eine absolut gute Mischung!

Die ständige Suche nach neuen “Löstigen” ist jedoch nicht immer einfach. Neue Ideen, neue Herausforderungen, neue Leute, Interesse wecken, Nachwuchs fördern - eine intensive Arbeit, die oft unterschätzt wird. Und intensive Arbeit heisst einiges an Zeit investieren. Ein Zeiteinsatz, der aber sehr belohnt wird, wenn neue, junge Individualisten für den Karneval begeistert worden sind und dauerhaft am Gesellschaftsleben der KG Löstige Junge teilhaben wollen.
Die Gesellschaft blickt mit Stolz auf die letzten 100 Jahre zurück und zeigt Ihre Vergangenheit im Rahmen einer Ausstellung in der Worringer Geschäftsstelle der Sparkasse Köln-Bonn vom 05. – 23. Januar 2009. Ein Dank gilt hier allen Organisatoren, Sponsoren, Förderern, Mitgliedern, Freunden und Helfern, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben.
Die KG Löstige Junge freut sich auf die nächsten 100 Jahre und auf die ständige Herausforderung den ursprünglichen Worringer Karneval weiterhin zu tragen und erlebbar zu machen. Und das Ganze natürlich mit “Humor und Scherz” - denn das kommt an, in des Worringers Herz!

WorringenPur.de / 05.01.2009 (hm)
Bericht: Sandra Kaiser
Fotos: KG Löstige Junge
Internetbearbeitung: Wpur