Ein Pirat wird Prinz
Interview mit Markus und Birgit Thönnessen

Köln-Worringen
Er spielt Saxophon, ist leidenschaftlicher Vater und bevorzugt im Karneval als Wurftechnik die „Kartonvariante“. Markus Thönnessen (37) wurde am Samstag auf der 11. im 11.-Feier als neuer Karnevalsprinz für die kommende Session vom Festkomitee vorgestellt. Als solcher wird er bald im Ornat (Prinzenkostüm) die blau-weißen Farben des Männergesangvereins tragen, der als ältester Worringer Verein in diesem Jahr 160jähriges Bestehen feiert. Ich treffe Markus mit „seiner“ Birgit in deren gemütlichen Wohnung, die sich oberhalb der Gaststätte „Haus Schlösser“ befindet. Birgit ist 36 und von Beruf Biologin bei einer Pharmafirma in Aachen. Im Jahr 2003 war sie Hofdame von Prinz Johannes (Meisenberg) und schon 1997 sammelte sie gemeinsam mit Markus erste Erfahrungen als Hoffotografen von Hans-Paul Braun.

Auf die obligatorische Frage welche Hobbys die beiden haben und wohin sie gerne in Urlaub fahren, weiß Birgit schnell zu antworten: „Wenn ich nachmittags von der Arbeit komme, freue ich mich erst einmal meine Kinder Carolin (4) und Helen (1) zu sehen.“ „Die beiden bestimmen in der Regel auch unsere alltägliche Musik, da sie schon früh morgens laut Karnevalslieder hören“, lacht Markus. Birgit ergänzt: „Ansonsten hören wir gerne Jazz- und Popmusik. Einmal pro Woche gehe ich zum Sport bei der SG. Ich lese sehr gerne, auch Kochbücher (im Hintergrund sieht man entsprechend viele im Regal stehen!). Markus und ich kochen oft zusammen und probieren viele neue Rezepte aus.“

Und wohin reist ihr gerne, frage ich. „Meinst du vor den Kindern oder danach?“, hakt Markus nach, wohl wissend, dass sich das Urlaubsziel ändert, wenn man Kinder hat. „Als wir noch zu zweit waren, fuhren wir gerne nach Frankreich und Südafrika oder in die Berge ins Kleinwalser Tal zum Ski fahren. Jetzt fahren wir immer noch in die Berge, aber dann schauen wir uns eher die Kühe an oder es geht an die deutsche Nordseeküste“, lächelt Markus.

„Markus, dich sieht man oft mit dem Kinderwagen im Dorf fahren. Du hast also die Emanzipation der Frau sehr praktisch umgesetzt und deinen Job an den Nagel gehängt?“, frage ich. „Das ist nicht ganz so. Eigentlich bin ich bei der BNP-Paribas, einer großen Bank beschäftigt. Aber als unser erstes Kind unterwegs war, war für mich schnell klar, dass ich in „Elternzeit“ gehen würde. Mit der Geburt unserer zweiten Tochter habe ich meine Auszeit noch bis Herbst 2009 verlängert. Aber ich bin trotzdem immer mal wieder auf Abruf etwa 2 Tage die Woche tätig.“

„Du bist im Karneval, im Männergesangverein, aber auch bei den Lötschohren sehr engagiert und hast, wie ich weiß, eine Vorliebe für ein bestimmtes Instrument entwickelt.“ „Ja, Birgit hat mir zum 30. Geburtstag sogar ein Saxophon geschenkt. Ich habe dann Stunden in der offenen Jazz Haus Schule genommen. Aber seit Helen da ist und seit der Wahl zum Prinzen bleibt dafür kaum mehr Zeit“, bedauert er.

„Was hat dich dazu bewegt Karnevalsprinz werden zu wollen?“. „Ich kann mich daran erinnern, dass das Vereinshaus sich noch im Bau befand, und der MGV deswegen im „Haus Schlösser“ proben musste. Meine Mutter betrieb noch die Wirtschaft und so konnte ich schon früh dem Chor lauschen. Die Wirtschaft war auch oft „Hofburg der Prinzen“ und schon als Kind habe ich dadurch viel vom Worringer Karneval mitbekommen. Da entstand auch der Wunsch, einmal selbst Prinz zu sein.“

„Hast du bereits ein Lieblingswurfmaterial für Karneval ausgesucht?“, frage ich. „Nein, eigentlich alles was fliegt!“ (hoffentlich nicht wirklich „alles“).

„Welche Wurftechnik bevorzugst du für das Kamelle werfen:
- die einzelne „Federballtechnik“?
- die handvolle „Tennisballtechnik“?
- oder die Kartonvariante „Kugelstoßen“?
Markus: „Natürlich die Kartonvariante!“

„Wie man so hört, ist es auch sehr stressig als Karnevalsprinz allen Terminen pünktlich nachzukommen. Machst du dafür ein Ausdauertraining?“. „Jeden Tag den Kinderwagen schieben und mit den Kindern etwas unternehmen, muss reichen“, lacht er.

„Wie siehst du die Zukunft des Worringer Karnevals?“ „Heutzutage wird es für die einzelnen Vereine immer schwieriger. Positiv ist, dass sich die Worringer Vereine immer mehr gegenseitig unterstützen. Auch das Festkomitee unterstützt dies z.B. durch die neue Wagenbauhalle in Rheinkassel und die zentrale Organisation von Kapellen für die Umzüge.  Auch bezüglich der Auftritte und Organisation tauscht man sich immer mehr untereinander aus.“
„Es ist schon weiterhin wichtig, dass sich die Vereine noch mehr öffnen und sich wie z. B. auf der Kirmes vereinsübergreifend präsentieren“, ergänzt Birgit.

„Mit der 11. im 11.-Feier ging das Festkomitee einen neuen Weg. Der gute Vorverkauf der Karten zeigt uns, dass das Programm in 4 Blöcken, ohne Büttenreden, aber mit viel Gesang und Tanzmöglichkeiten eine neue Möglichkeit ist, den Geschmack der Besucher zu treffen und auch mal etwas Neues anbieten zu können. Auf der anderen Seite hat der Worringer Karneval den großen Vorteil, dass er sich selbst erhalten kann, weil die Programme mit Kräften aus den vereinseigenen Reihen gestaltet werden. Einige umliegende Dörfer haben ihre Programme durch Top-Acts mit externen Kräften aufgepeppt und können dadurch die Eintrittskarten nicht mehr so günstig anbieten, weil die Stars entsprechend höhere Gagen verlangen. Übrigens sehe ich den Worringer Karneval gesichert, weil die meisten Vereine keine Nachwuchsprobleme haben. Dies sieht man an den vielen Kinder- und Jugendgruppen.“ so Markus weiter.

„Das ist fast schon ein passendes Abschlusswort. Aber was wünscht ihr euch für die kommende Session?“ „Dass alle viel Spaß haben, es harmonisch abläuft und vor allem, dass alle Vereins-Farben und Nationalitäten miteinander friedlich und fröhlich feiern, ganz nach meinem Prinzen-Motto „De Klör es ganz egal, och hück em Karneval“

„Ich danke euch für das Interview!“

WorringenPur.de/20.11.2008
Interview und Foto: Heike Matschkowski