Neue Flüchtlingsunterkunft am Blumenbergsweg
Stadt Köln informierte Fühlinger Bürger
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Köln-Fühlingen/Chorweiler
Es war die vierte Veranstaltung zum Thema Flüchtlingsunterbringung im Kölner Norden und weil die Räumlichkeiten in Fühlingen begrenzt sind, lud die Stadt in die Heinrich-Böll-Gesamtschule in Chorweiler ein, um die Fühlinger Bürger über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Vertreter der Stadt Köln war der Leiter des Wohnungsamtes, Josef Ludwig, der

den 150 Anwesenden gleich zu Beginn vermittelte, dass der Standort Fühlingen, Neußer Landstraße/Blumenbergsweg mit einer Neubebauung für 240 Flüchtlinge seitens der Stadt Köln beschlossen ist. Damit war die Hoffnung der Anwohner, den Standort und die Anzahl der Flüchtlinge noch zu diskutieren gleich vom Tisch.

Josef Ludwig erläuterte, dass das Land NRW nach dem „Königsberger Schlüssel“ 21, 21 % aller Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen muss und die Stadt Köln hiervon 5,5 %. Das sind nach dem aktuellen Stand in Köln derzeit ca. 11.000 Flüchtlinge, für die er als Leiter der Behörde permanent auf der Suche nach Wohnraum ist. Der Beschluss zur Systembauweise in Fühlingen für 240 Flüchtlinge am Standort Fühlingen erfolgte am 05.12.2016 und dieser befindet sich derzeit in der Umsetzung. Die Fertigstellung wird für Mitte 2018 erwartet.

Die Kritik der Anwohner bezog sich nicht generell auf die Anwesenheit von

Flüchtlingen, sondern darauf, dass der Standort für ungünstig gehalten wird, weil in Fühlingen die Infrastruktur bereits für die ansässigen Bewohner sehr schlecht ist. Es fehlen Ärzte, Geschäfte, Schulen, Kindergärten und bis auf den Sportverein auch sonstige Freizeitmöglichkeiten. Zudem hätte bei 240 Flüchtlingen diese Gruppe einen Bevölkerungsanteil von knapp 12 %, was in keinem anderen Kölner Standort zu verzeichnen ist. Der Kölner Durschnitt am Bevölkerungsanteil liegt bei 1 % bis 1,4 %.

Hier wurde auch kritisch erwähnt, dass die „besseren Wohnviertel“ wie Lindenthal, Hahnwald etc. nicht oder nur in geringem Maße mit Flüchtlingsheimen ausgestattet sind. Ludwig erklärte, dass in ganz Köln 400 Flächen geprüft wurden und hier die Wohnflächen nicht zur Verfügung stehen würden oder der Bebauungsplan ein Flüchtlingsheim nicht zulasse. Hier entgegneten kritische Redner, dass doch speziell für den Fühlinger Standort der Bebauungsplan geändert wurde und die Frage, warum man nicht in Hahnwald oder Lindenthal den Bebauungsplan ändern kann, wurde nicht wirklich beantwortet.

Josef Ludwig betonte immer wieder, dass er als Verwaltungsmitarbeiter lediglich ausführendes Organ sei und die Entscheidungen in der Politik fallen. Dass seitens der Politik hier kein großes Interesse an Diskussionen besteht, wurde seitens der Anwohner ebenfalls kritisiert. Ludwig sagte zu, die Politik über die Stimmungslage im Kölner Norden zu informieren.
Der Politik wurde ebenfalls vorgeworfen, mit ihren Fehlplanungen den Zusammenhalt der Bürger in Fühlingen zu gefährden, da sich die Bürger nun teils als Befürworter und teils als Gegner des Flüchtlingsheims gegenüber stehen und die Gegner sich unberechtigt in eine „rechte Ecke“ gedrängt sehen.

Auf Anfrage teilte Reinhard Zöllner, der Bezirksbürgermeister von Chorweiler mit, dass sich die Bezirksvertretung Chorweiler einstimmig gegen die neuen Flüchtlingsheime in Roggendorf  und Fühlingen ausgesprochen habe, aber die Entscheidung hierzu im Kölner Stadtrat gefallen sei. So wurde abschließend von den Kritikern festgestellt, dass sich seit der März-Veranstaltung nichts geändert und man auch keinerlei Antworten auf gestellte Fragen erhalten hat.

Fakt bleibt somit, dass in der Mitte des Jahres 2018 ca. 240 Flüchtlinge in Fühlingen in festen Häusern, vorwiegend Familien aus Syrien, Afghanistan, Irak und Iran einziehen. Diese sind bereits seit längerer Zeit in Köln und deren schulpflichtige Kinder sind auch bereits Kölner Schulen zugewiesen.

Neben den kritischen Wortbeiträgen gab es auch Stimmen, die die Entwicklung gelassener sehen und es wurde dazu aufgerufen, wie auch in anderen Stadtteilen Gruppierungen zu bilden, die sich um das Wohl und die Integration der Flüchtlinge kümmern. Abschließend baten verschiedene Redner darum, dass Projekt gemeinsam anzugehen und für alle Probleme auch eine Lösung zu finden, die im Interesse aller sei.

Josef Ludwig bot am Ende der zweistündigen Diskussion an, bei Fragen und Problemen zum Thema, Kontakt zu ihm, bzw. seiner Behörde aufzunehmen (fluechtlingsfragen@stadt-koeln.de).


WorringenPur.de/06.07.2017
Bericht und Fotos: Jakob Mildenberg
Redakt. & digit. Beareitung: Matschkowski