Bahnhof Worringen - Runder Tisch mit gutem Start
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Roggendorf/Thenhoven/Worringen
Dank der Beharrlichkeit von Bezirksbürgermeister Reinhard Zöllner und Bürgeramtsleiter Engelbert Rummel kamen nahezu alle Verantwortlichen für die Bereiche in und um den S-Bahnhof Worringen an einem Tisch zusammen. Man spricht miteinander! Dass dieser Runde Tisch auch nötig ist, stellte sich schnell heraus. Denn es gab durchaus unterschiedliche Meinungen zu den geäußerten Kritikpunkten rund um den S-Bahnhof Worringen.

Das für Roggendorf/Thenhoven geplante neue Wohnheim für Geflüchtete (die Baugenehmigung erwartet man kurzfristig) soll im Zusammenhang mit dem Bahnhof problematisch werden?
Unwahrscheinlich, meint das Amt für Wohnungswesen. Es werden doch in erster Linie Familien einziehen – die werden sich nicht von kriminellen Machenschaften, auch nicht von Drogen-Dealern, beeinflussen lassen.
Man wird aber dafür sorgen, dass ein Erdwall das unbeabsichtigte Überqueren der Bahngleise verhindert. Und dass sich die Heimleitung um die Bewohner kümmert.

Der Bahnhof soll eine Basis sein für kriminelle Elemente und ein Drogenumschlagplatz, und soll darum die Ursache sein für beobachtete, außergewöhnliche Vorfälle?
Kann eigentlich nicht sein, versichert der Vertreter der Polizei NRW, die auch bahnpolizeiliche Aufgaben wahrnimmt. Denn die offizielle Polizeistatistik über (gemeldete) Vorfälle gibt das nicht her. Mit dem Bahnhof Worringen habe man kein Problem, es gibt keine Besonderheiten im Vergleich mit anderen Bahnhöfen. Aber – man wird ab sofort Präventionstreifen beauftragen. Und man unterstützt eine bessere Beleuchtung. Eine Projektgruppe nach dem Beispiel der „Haltestelle Geldernstrasse“ wäre sinnvoll, um die Maßnahmen zu begleiten. Engelbert Rummel wird mit der Projektgruppe Kontakt aufnehmen und die Erfahrungen in den nächsten Runden Tisch einbringen. Ein überlegenswerter Vorschlag war, einen ehrenamtlichen Bahnhofs-Paten zu suchen.
Dass die vorstehenden Ausführungen nicht ganz der Realität entsprechen können, zeigte die Wortmeldung einer Teilnehmerin mit Ortskenntnis und die sich mit den Erkenntnissen der Bürgervereine und von Anwohnern deckt: Viele Leute berichten über Unregelmäßigkeiten, die dann aber in keiner Polizeistatistik auftauchen. Was den Polizei-Vertreter veranlasste, dringend um die Meldung solcher Vorkommnisse über Telefon-Nr. 110 zu bitten. Dann könne man umgehend einen Streifenwagen schicken, der sich kümmert und die Statistik wird aussagefähig.

Worringer Bahnhof StellwerkDer Tunnel ist schmutzig, dunkel und ein Angstraum? Der ist aber doch vor kurzem gereinigt worden und die Wand-Schmierereien wurden auch entfernt. Dass dabei nicht alles abgeht, wäre dem Alter der Kachelwände geschuldet, die Wände können nicht mehr aufgehellt werden. Nur durch mehr Licht geht was! Und ein Angstraum sei der Tunnel auch nicht. Denn das liegt im Einzelfall an der persönlichen Einstellung. Im Übrigen empfinde man den Tunnel als sauber. Und der „Streu-Müll“ (Zigarettenkippen, Papierreste und anderer Kleinabfall) sei im Mönchsfeld schlimmer… Das Stellwerk – das ist das große, rote Backsteingebäude – als Blickfang für alle, die sich dem Bahnhof nähern, wird von den Graffiti gereinigt und seine Umgebung einschließlich der Ecken wird ebenfalls entmüllt. Soweit die Stellungnahme der Stadt Köln/Ordnungsamt/Abfall-Wirtschafts-Betriebe zu ihren Zuständigkeiten.

Aufzüge sind oft defekt? Es wurden doch Reparaturen durchgeführt, die funktionieren doch. Diese Situation sei in den letzten Monaten besser. Im Übrigen nimmt die Reisezentrale rund um die Uhr Schadensmeldungen auf. Die Rufnummer steht an den Aufzügen. Eine Rampe an der Bahnsteigtreppe zur Nutzung im Notfall durch Behinderte sei aus technischen Gründen nicht möglich.
Die leider nicht vertretene Deutsche Bahn Netz AG wird sich um die Büsche kümmern, die von den Gleisseiten her durch die Zäune nach außen wuchern. Es wird angestrebt, dass die DB Netz AG zukünftig am Runden Tisch Bahnhof Worringen ebenfalls teilnimmt.

Die Siedlungsgebäude am Mönchsfeld machen einen optisch verwahrlosten Eindruck? Man habe die Gebäude erst 2016 übernommen, erläuterte der Vertreter der Wohnraumgesellschaft Vonovia. Daran etwas zu ändern, brauche seine Zeit. Aber man sei auf dem richtigen Weg, gemeinsam mit der Plattform „Stark!“ und verständigen Bewohnern einiges zum Positiven zu verändern. Ein großes Problem sei, dass die Leute sich nicht trauten, Missstände anzuzeigen. Die Räumlichkeiten für ein Begegnungshaus (ehemaliger Markt) hat man kostenlos für soziale Projekte zur Verfügung gestellt. Auch diese Maßnahme zahle sich inzwischen aus. Zitat: „Viel mehr geht nicht!“

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass noch einige „Dicke Bretter“ gebohrt werden müssen, um die von den Bürgervereinen definierte Zielvorstellung zu realisieren, und die wohl nicht ernsthaft in Frage gestellt werden kann:
„Der S-Bahnhof Worringen wird von allen Reisenden als ein Ort empfunden, an dem man sich gerne aufhält. Er ist sauber, kundenfreundlich und sicher. Offene und versteckte Kriminalität haben hier keine Chance: Es gibt keine Angsträume. Dieses Ziel gilt ab sofort und auf Dauer.“
Um diese Zielvorstellung zu realisieren, ist eine Reihe von Verbesserungen gegenüber dem Ist-Zustand notwendig. Im Wesentlichen betreffen sie die Ordnung und Sauberkeit, die nächtliche Beleuchtung, den Tunnelgang (Angstraum!) und die Funktion der Aufzüge. Letzteres ist ein absolutes Muss zur Erreichung einer andauernden Barrierefreiheit, weil die bestehende Bahnsteigtreppe nach Aussage der Deutschen Bahn bei vertretbaren Kosten nicht mit einer Rampe versehen werden kann.

Bezirksbürgermeister Zöllner und Bürgeramtsleiter Rummel werden sich um zwei Dinge bemühen: Dass die von den Bürgervereinen aufgezeigten Schwachstellen in und um den Bahnhof Worringen an die zuständigen Stellen zur weiteren Bearbeitung weitergeleitet werden und dass sich der Runde Tisch im Frühjahr 2019 in einer kleineren Besetzung erneut als Arbeitsgruppe zusammensetzen wird.


WorringenPur.de/23.11.2018
Bericht & Foto: Hans-Bernd Nolden
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski